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Landqart verkauft Kraftwerk an Repower

Der Bündner Energiekonzern Repower übernimmt von der Papierfabrik Landqart zwei Kleinkraftwerke am Igiser Mülbach. Die Landqart AG kann das Geld gut gebrauchen.

Südostschweiz
Mittwoch, 09. Mai 2012, 02:00 Uhr

Von Stefan Bisculm

Landquart. – Das Geschäft mit dem Sicherheitspapier für Banknoten harzt. Vor knapp einem Jahr musste die Papierfabrik Landqart die Entlassung von 41 Mitarbeitern kommunizieren, und vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass die Firma in Landquart bei der Lieferung von Sicherheitspapier für die neuen Schweizer Banknoten in Verzug ist.

In dieser schwierigen Situation kann Landqart einen finanziellen Zustupf sicher gut gebrauchen. Den erhält sie nun über den Verkauf von zwei kleinen Wasserkraftwerken am Igiser Mülbach, die sich auf dem Firmengelände befinden. Käufer ist der Bündner Energiekonzern Repower, der in der Nähe der Anlagen das Kraftwerkprojekt Chlus plant.

Investieren ins Kerngeschäft

In einer gemeinsamen Medienmitteilung von Repower und Landqart wird Chadwick Wasilenkoff, Verwaltungsratspräsident der Landqart AG, wie folgt zitiert: «Der Verkauf unserer nicht betriebsnotwendigen Wasserkraftanlagen hilft uns, unsere heutigen Anlagen zu optimieren und diese Finanzmittel gezielt für weiteres Wachstum in unserem Kerngeschäft einzusetzen.»

Über die Höhe dieser Finanzmittel beziehungsweise über den genauen Kaufpreis für die Anlagen, das Wasserrecht sowie die dazu gehörenden Liegenschaften und Landparzellen wurde Stillschweigen vereinbart. Gemäss Victor Ofner, Projektleiter bei Landqart, handelt es sich um eine zweistellige Millionensumme.

Potenzial für Renaturierungen

Aus Sicht von Repower ergeben sich mit dem Kauf der beiden Kleinkraftwerke verschiedene Vorteile für das Kraftwerksprojekt Chlus, bei dem das Gefälle zwischen Küblis und Landquart zur Stromproduktion aus Wasserkraft genutzt werden soll. Weil am Igiser Mülbach ein grosses Potenzial für Renaturierungen bestehe, würden die Voraussetzungen für die Realisierung des Kraftwerks Chlus verbessert, heisst es in der Medienmitteilung. Gesetzlich vorgeschriebene Ersatzmassnahmen könnten nun einfacher realisiert werden. «Ein Teil des heute über den Igiser Mülbach abfliessenden Wassers können wir ausserdem für das Projekt Chlus nutzen», sagte Georg Grass, verantwortlicher Projektleiter von Repower gestern auf Anfrage.

Repower glaubt weiterhin an Chlus

Repower hatte vor zwei Wochen mitgeteilt, das Projekt Chlus mit einem Investitionsvolumen von rund 340 Millionen Franken komme nicht so schnell voran wie geplant. Als Grund für die Verzögerung wurden neuere Berechnungen angeführt, welche eine markante Kostenüberschreitung ergeben hätten.

Das Projekt sei deswegen aber nicht in Gefahr, heisst es bei Repower. «Wir sind immer noch felsenfest davon überzeugt, dass es ein sehr gutes Projekt ist», sagte Grass. Der gestern kommunizierte Kauf der beiden Kleinwasserkraftwerke von der Landqart AG unterstreicht diese Aussage. Denn gemäss Grass hätte Repower die beiden Kleinwasserkraftwerke ohne das Projekt Chlus nicht gekauft.

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