Labor-Erfolg in Bern bringt Hoffnung für Hand-Amputierte
Was das Inselspital und die Universität Bern erfolgreich im Labor an Ratten getestet haben, soll künftig Menschen mit transplantierten Händen das Leben erleichtern. In der Schweiz ist die Finanzierung aber noch nicht geregelt.
Was das Inselspital und die Universität Bern erfolgreich im Labor an Ratten getestet haben, soll künftig Menschen mit transplantierten Händen das Leben erleichtern. In der Schweiz ist die Finanzierung aber noch nicht geregelt.
Von Rinaldo Tibolla
Bern. – Vor 13 Jahren haben Ärzte in Frankreich zum ersten Mal eine Hand eines Hirntoten einem Menschen mit einer amputierten Hand transplantiert. Weltweit wurden seither über 90 Hand- und Armoperationen durchgeführt. Die Behandlung hat durch die lebenslang notwendige Medikamenteneinnahme mögliche Nebenwirkungen und ist mit Einschränkungen der Lebensqualität verbunden. «Damit der Körper die Hand nicht abstösst, muss das Immunsystem lahmgelegt werden», erklärt Esther Vögelin, Kodirektorin und Chefärztin der Universitätsklinik für Plastische und Handchirurgie am Inselspital Bern. In den ersten Monaten muss der transplantierte Patient gegen Infektionen geschützt werden. Auch nachher bleibt laut Vögelin eine erhöhte Anfälligkeit bestehen. Dazu kommen regelmässige Untersuchungen und die Nebenwirkungen aufgrund der Medikamente – beispielsweise brüchige Knochen, eine Blutzuckererkrankung oder die Entwicklung von Hautkrebs. «Für viele Patienten ist dies ein zu hoher Preis. Deshalb werden diese Eingriffe weltweit auch nur selten durchgeführt», sagt Vögelin. In der Schweiz geschehen pro Jahr etwa zehn bis 20 entsprechende Unfälle. Nur durchschnittlich ein Patient sei qualifiziert für eine potenzielle Transplantation. «Es handelt sich um Spreng- und Militärunfälle oder aber vor allem Maschinen- oder Feuerwerkunfälle», erklärt Vögelin. Vielleicht bei einer Person käme eine Transplantation infrage, weil sie nicht ohne Hand oder mit einer Prothese leben wolle.
Gute Erfolgsquote bei Ratten
Mit einer neuen Methode könnten nun die vielen Nachteile vermindert werden. Im Laborversuch haben Forscher der Universitätsklinik bei Ratten am transplantierten Bein ein System unter die Haut eingesetzt, das über drei Monate Medikamente zur Vermeidung der Abstossung abgegeben hat – ähnlich einem Anti-Baby-Stäbchen. «Die Erfolgsquote bei den Tieren ist statistisch signifikant gut gewesen», sagt Vögelin. Nun müsse das Verfahren an einem höheren Tier, beispielsweise an einem Schwein oder einem Schaf, getestet werden. Vögelin erhofft sich, dass Handtransplantations-Patienten so künftig geringere Risiken wegen der Immunsuppression auf sich nehmen müssen. «Vielleicht genügt nur das System unter die Haut, vielleicht braucht es aber dennoch Medikamente. Aber das Ziel wäre eine Reduktion der Medikamente», sagt Vögelin. Das müssten nun die weiteren Untersuchungen ergeben.
Finanzierung als Problem
Handtransplantationen wurden in der Schweiz noch nie durchgeführt. Das Know-how und die Möglichkeiten dazu würden laut Vögelin bestehen. Die Finanzierung ist das Problem. Bereits 2008 habe das Bundesamt für Gesundheit dem Inselspital zwar die Erlaubnis für Handtransplantationen erteilt. «Die Medizinal-Tarifkommission hat aber die Empfehlung abgegeben, den Eingriff nicht zu unterstützen», sagt Vögelin. Weil es sich bei Handtransplantationen meistens um Unfälle handle, fielen die unter ein anderes Versicherungssystem als beispielsweise eine Organtransplantation. Gerade weil der Patient ein Leben lang auf Medikamente angewiesen sei, seien die Kosten für das Verfahren sehr
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