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Kunst und Witz, Sex und Pop: Bregenz zeigt Richard Prince

Es passt alles zusammen, wenn der US-Künstler Richard Prince am Werk ist. Auch Kunst und Witz, Sex und Pop. Das Kunsthaus Bregenz zeigt in seiner Sommerschau «Richard Prince: It’s a Free Concert» die erste Einzelausstellung in Österreich.

Südostschweiz
28.07.14 - 02:00 Uhr

Von Michael Nyffenegger (sda)

Bregenz. – Der 64-jährige US-Künstler Richard Prince, welcher in der Nähe von New York in einem gros- sen Studiokomplex arbeitet und am Kunstmarkt Spitzenpreise erzielt, zeigte sich an einer Medienkonferenz vergangene Woche ungewöhnlich gesprächig und vom Gebäude, das er auf allen vier Etagen bespielt, sehr angetan.

«Meine Idee von Kunst ist politisch», versicherte Prince, der in seinen Arbeiten auf freie Weise mit Mythen der Populärkultur spielt, Auto-Fetischismus und Soft-Porno ebenso miteinbezieht wie Ikonen des Musik-Business. Auf Woodstock verweist etwa das Motiv, das Prince für die Billboards des Kunsthauses Bregenz (KUB) auf der Bregenzer Seestrasse ausgewählt hat.

Er selbst sehe sich weder als Hippie noch als Pop-Star, machte Prince deutlich: «Ich interessiere mich nicht für Popularität. Ich interessiere mich nicht für Pop-Art. Ich interessiere mich für Geschichten. Alle grosse Kunst erzählt Geschichten.»

Geschichten erzählen

Geschichten hat Prince einige zu erzählen. Wenn er etwa Autotüren zu einer wohl nicht zufällig den Namen einer legendären Band tragenden Skulptur namens «The Doors» verbindet. Wenn er Karosserien von Strassenkreuzern entweder mit den Konterfeis sich halb nackt räkelnder Rockerbräute überzieht oder sie in Acryl und Fiberglas zu Verwandten von Gottfried Bechtolds berühmten Beton-Porsches macht, dann kann sich jeder seinen eigenen Reim darauf machen.

Prince appliziert mit Tintenstrahl-Drucker winzige Sujets auf riesige weisse Leinwände, nimmt in einer kleinen Skulptur den Begriff «Bootleg» wörtlich oder interpretiert den Begriff des gezeichneten Witzes ganz neu: In seinen «Joke Paintings» hat er den Text sexistischer Witze fein säuberlich auf Leinwände übertragen. «Er bleibt sich selber treu und erfindet sich dennoch immer wieder neu», brachte KUB-Direktor und Ausstellungs-Co-Kurator Yilmaz Dziewior den immanenten Widerspruch des Künstlers auf den Punkt. Die Grundmotive, mit denen Prince spielt, sind immer wieder die gleichen. Variation und Ausführung machen den feinen Unterschied.

Provokation und Feinarbeit

«Man sieht zuerst die grosse Geste und die Provokation. Erst beim näheren Hinsehen fällt einem die Feinarbeit in der Ausführung auf», riet Kurator Rudolf Sagmeister zum genauen Blick. Die meisten Arbeiten, die in sechs grossen Containern angeliefert wurden, stammen aus den vergangenen zwei, drei Jahren und werden in Bregenz erstmals einer breiten Öffentlichkeit präsentiert.

Bei der Eröffnung wurde der Künstler des Weiteren seinem Ausstellungstitel gerecht: Im Rahmen des KUB-Sommerfestes samt American Barbecue gab Richard Princes Sohn Graham Craig mit seinen DJ-Kollegen Richard Gamble und Lee Jackson ein Gratis-Konzert.

www.kunsthaus-bregenz.at

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