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Kunst mit Bezug zum Engadin findet in Madulain ein Zuhause

Galerien gibt es bereits viele im Engadin. Dass dennoch Platz für Neues ist, zeigen Gian Tumasch Appenzeller und Chasper Linard Schmidlin mit der Stalla Madulain, einem neuen Kulturort mit Kultpotenzial.

Südostschweiz
07.01.15 - 01:00 Uhr
Zeitung

Von Marina U. Fuchs

Madulain. – Das Oberengadin hat einen neuen Anziehungspunkt für Kunstinteressierte und solche, die es werden wollen. Im Dorfkern von Madulain wurde ein bemerkenswerter Stall von 1588 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und im Vorfeld behutsam von der Patina der letzten Jahrhunderte befreit.

Gian Tumasch Appenzeller und sein Cousin Chasper Linard Schmidlin sind die Galeristen und Kuratoren der Stalla Madulain. Begeistert berichten sie von den Vorbereitungsarbeiten, die nur dank grosszügiger Unterstützung möglich waren. In zweieinhalb Monaten wurde der Stall mit drei Stockwerken am Hang zum Inn und einem in seiner Reinheit beeindruckenden Grundriss ausgeräumt, auf den Ursprung zurückgebracht. Das Holz wurde restauriert, die Fenster im alten Stil erneuert, die Böden gesäubert. Was dabei entstanden ist, wurde schnell zum Gesprächsthema im Tal.

Begegnungsort für alle

Zur Eröffnung der Ausstellung mit Werken von Mirko Baselgia, Gianin Conrad und dem Künstlertrio Zinsstag/Vuilliomenet/Prestele kamen die Kunstfreunde in Scharen. Aber es waren nicht nur glamouröse Gäste und hochkarätige Kunstsammler vor Ort, sondern auch Nachbarn und Einheimische. «Wir wurden auch toll vom Gemeindepräsidenten unterstützt», sagen Appenzeller und Schmidlin.

Die beiden Cousins haben Engadiner Wurzeln. «Wir stammen aus der ‘Schellenursli’-Familie.» Jachen Könz sei ihr Grossvater, erklärt Appenzeller. Schmidlin ist Architekt in Zürich, Appenzeller hat die Hotelfachschule absolviert, bevor er sich als Maler engagierte, in St. Moritz betreibt er die Bar «La Gondla». Die beiden machten bereits 2013 in Küsnacht als Künstlerduo von sich reden, erarbeiteten Foto-Aluminium-Drucke zum Thema «Chesa Geer», dem über 500 Jahre alten Haus der Grosseltern in Zuoz, und gestalteten einen Bildband in Zusammenarbeit mit Jachen und Constant Könz. Beim Art Masters 2014 bespielten sie erstmals das Umfeld der Stalla in Madulain, die ihnen schon länger als Ausstellungsort vorschwebte. Im Aussenbereich zwischen Stall und Fluss spannten sie farbige Bänder als schwebende Skulptur im Dialog mit der Umgebung. Nun sind sie als Galeristen und Kuratoren dahin zurückgekommen, und der Stall samt Umfeld wurde ihnen grosszügig von den Eigentümern zur Verfügung gestellt. «Wir sind von dem Vertrau-en, welches uns als Anfängern ent- gegengebracht wurde, überwältigt», schwärmt Appenzeller.

«Die Resonanz war riesig»

Appenzeller und Schmidlin wollen Künstler ausstellen, die sich das Engadin zum Thema machen. «Wir wollen aufrütteln, Menschen aus allen Gesellschaftsschichten verbinden und verstehen uns nicht speziell als Plattform für junge Künstler», erklären sie ihr Programm. Auch wenn die ausgestellten Kunstwerke zu verkaufen sind, geht es Appenzeller und Schmidlin nicht in erster Linie darum. Sie möchten etwas Schönes zeigen mit Bezug zum Tal, Erlebnisse sind ihnen wichtig, kleine Momente. Auf der Visitenkarte der Stalla Madulain steht ein bezeichnendes «Bun di Engiadina».

«Die Resonanz auf die aktuelle Ausstellung war riesig», erzählen Appenzeller und Schmidlin. Insbesondere die Klanginstallation von Zinsstag/Vuilliomenet/Prestele mit Tönen aus dem Fextal habe die Besucher berührt. «Für Baselgia und Conrad haben wir uns entschieden, weil die beiden höchst unterschiedlichen Charaktere für ein intensives Spannungsfeld gesorgt haben», erklären die beiden Kuratoren, die vom Churer Kunsthändler Markus Vonlanthen beraten wurden.

Das Duo Appenzeller und Schmidlin hat Ideen ohne Ende und plant jeweils zwei Ausstellungen pro Jahr. Sie wollen sich jedoch ihre Spontaneität erhalten, nichts festschreiben und auch offen bleiben für Vorschläge. Bei der Begeisterung und dem Engagement der beiden darf man auf Kommendes ganz im Sinne eines Gesamtkunstwerks gespannt sein.

«Mirko Baselgia, Gianin Conrad, Zinsstag-Vuilliomenet-Prestele». Bis 28. Februar. Stalla Madulain, Via Principela 15, Madulain. Weitere Informationen unter der Telefonnummer 078 640 65 66.

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