Kosovarin in Ehe unter Druck – und Wirren um eine Rückreise
Eine Kosovarin heiratet einen Landsmann und reist ihm in die Schweiz nach. Im fremden Land verstehen sich die beiden nicht. Berichte von ihr und der Klinik beschreiben ihre Situation – doch ihr Mann bestreitet die Vorwürfe.
Eine Kosovarin heiratet einen Landsmann und reist ihm in die Schweiz nach. Im fremden Land verstehen sich die beiden nicht. Berichte von ihr und der Klinik beschreiben ihre Situation – doch ihr Mann bestreitet die Vorwürfe.
Von Fridolin Rast
Glarus. – Die Kosovarin beschreibt ein Schicksal einer Emigrantin: Im August 2012 heiratet sie in ihrer Heimat einen Landsmann, der in der Schweiz lebt. Sie zieht im Herbst zu ihm. Schon im April 2013, weniger als fünf Monate später, trennen sie sich.
Isoliert und unter Druck gestanden
Ab Januar habe ihr Mann sie krankhaft kontrolliert mit dem Ziel, sie von der Aussenwelt zu isolieren und gefügig zu machen, berichtet sie der Polizei, dem Migrationsamt und später dem Verwaltungsgericht (siehe Box). Er habe ihr verboten, sich schön und attraktiv zu machen, eine Arbeit ausser Haus verboten oder einen Deutschkurs zu besuchen, sie einmal eine Woche lang eingesperrt.
Sie sagt auch, er habe massiv Gewalt angewendet: sie wiederholt ins Gesicht, auf Arm und Rücken geschlagen, sie gewürgt und an den Haaren durch die Wohnung geschleift. Sie habe sich mehrmals gegen ihren Willen auf Sex mit ihm einlassen müssen.
So unter Druck, habe sie im Februar 2013 ihr erstes Kind verloren. Später wird sie dem Migrationsamt auch noch sagen, ihr Mann habe eine Abtreibung verlangt. Er habe sie misshandelt, sodass sie einen Nervenzusammenbruch erlitten habe und im Spital gelandet sei.
Allerdings nur für ein paar Stunden. Der leitende Arzt Psychiatrie berichtet Mitte April 2013 mit vier Tagen Abstand darüber: Es bestehe Verdacht auf eine dissoziative Verhaltensstörung im Rahmen einer psychosozialen Belastungssituation. Die Frau habe über den erlittenen Abort berichtet. Und dass ihr Mann sie nun verlassen wolle und seine Familie sie schlecht behandle.
Wie viel Widerstand ist nötig, um ...
Einige Stunden nach dem Eintritt ins Spital seien der Ehemann und weitere Verwandte erschienen und hätten sie überzeugt, wieder nach Hause zu kommen. Der Arzt schreibt dem Migrationsamt später, es sei vorstellbar, dass die Familie im Hintergrund ih-ren Austrittswunsch erzwungen ha-be. Die Familie des Mannes wohlgemerkt. «Äusserliche Zeichen eines Widerstandes wie etwa ausgeprägte Unruhe oder Schreien/Weinen, Klammern ans Bett oder die Türrahmen» habe es nicht gegeben.
Tags darauf reiste die Frau in den Kosovo, das Billett hatte ihr der Ehemann gekauft. Kam einen Monat später zurück und reichte am 23. Mai 2013 Strafanzeige wegen häuslicher Gewalt ein. Sie sei nicht freiwillig in die Heimat gereist, sondern nur weil ihr Mann versprochen habe, eine Woche darauf nachzukommen.
... Express-Rückflug auszuweichen?
Exakt drei Wochen später wird auch ihr Mann von der Polizei befragt. Er bestreitet, seiner Frau mit psychischer oder physischer Gewalt begegnet zu sein. Streit gegeben habe es wegen eines SMS, deswegen habe seine Frau ihm vorgeworfen, er habe eine andere. Drei Wochen später erneut Streit, da habe sie ihm eine Ohrfeige gegeben und gesagt, sie wolle ihn verlassen.
Worauf er gesagt habe, so der Mann weiter, er wolle die Beziehung beenden, sie solle in den Kosovo zurück. Tags darauf habe er sie ins Spital gefahren, weil sie ihm am Telefon gesagt habe, es gehe ihr nicht gut und sie habe Tabletten geschluckt.
Und er sagt im Gegensatz zu ihr: Sie habe aus dem Spital heim wollen. Ihr Vater habe geraten, sie solle in den Kosovo zurückkommen, worauf er ihr ein Flugticket gebucht habe.
Nun lebe sie beim Cousin, könne Deutsch lernen und habe Aussicht, eine Arbeit zu finden, erklärt die Frau. Müsse sie in den Kosovo zurück, so schäme sie sich als Geschiedene gegenüber ihren Eltern.
Sie könne dort das Studium wieder aufnehmen, sagt sie aber auch. Ein Fakt, den das Gericht hervorhebt beim Entscheid, sie müsse zurück ins Heimatland. Obwohl im November 2013 ein zweites Spital diagnostiziert hatte, sie leide unter einer posttraumatischen Belastungsstörung und einer mittelgradigen depressiven Episode. Ihr Denken sei auf den Abort im Februar fixiert, sie habe grosse Angst, dem Ehemann über den Weg zu laufen und erneut Gewalt zu erfahren.
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