Josipovic muss bei der Stichwahl zittern
Kroatiens Präsident Ivo Josipovic muss um seine für sicher gehaltene Wiederwahl bangen. Im gestrigen ersten Wahlgang lag er nur ganz knapp vor Herausforderin Kolinda Grabar Kitarovic.
Kroatiens Präsident Ivo Josipovic muss um seine für sicher gehaltene Wiederwahl bangen. Im gestrigen ersten Wahlgang lag er nur ganz knapp vor Herausforderin Kolinda Grabar Kitarovic.
Von Norbert Mappes-Niediek
Zagreb. – Eine Nachwahlbefragung nach Schliessung der Wahllokale sah das sozialdemokratische kroatische Staatsoberhaupt Ivo Josipovic mit 38,9 Prozent nur knapp vor Kolinda Grabar Kitarovic von der konservativen Partei HDZ, die auf 38,1 Prozent kam. Damit stehen die Chancen des Amtsinhabers für die Stichwahl am 11. Januar schlecht, denn die Anhänger der beiden weiteren Kandidaten neigen eher der konservativen Kitarovic zu. Der erst 24-jährige Ivan Sincic kam gestern auf überraschende 15,6 Prozent, der rechte Milan Kujundic auf 5,7 Prozent.
Denkzettel für die Regierung
Das Ergebnis gilt auch als Denkzettel für die sozialdemokratische Regierung, die der schweren Wirtschaftskrise im Land nicht Herr wird. Obwohl der Präsident sich um eine überparteiliche Amtsführung bemüht, wird Josipovic von den Wählern für regierungsnah gehalten.
Im Wahlkampf hatte Josipovic auf das Thema Staats- und Verwaltungsreform gesetzt, mit der die Korruption sich bessern sollte. Wie das genau geschehen sollte, konnte er aber nicht erklären. Seine Gegenkandidatin Grabar Kitarovic ist politisch wenig profiliert und blieb in ihren Wahlkampfaussagen vage. Ivan Sincic schliesslich konnte bei Protestwählern punkten: Der Student ist führend in einer Bewegung namens Lebende Wand aktiv, die sich bei Wohnungsräumungen schützend vor Betroffene stellt. Bei der Krise und der hohen Arbeitslosigkeit können viele ihre Kreditrate nicht mehr bezahlen. Daneben hatte Sincic im Wahlkampf mit düsteren Statements zu Bankenterror und Schuldknechtschaft Einblicke in ein von Verschwörungen geprägtes Weltbild gegeben.
Weniger Beschwerden als 2009
Obwohl in der Nacht auf gestern in manchen Landesteilen bis zu einem Meter Schnee gefallen war, lag die Wahlbeteiligung mit rund 40 Prozent deutlich über der beim letzten Mal. Nur sechs der mehr als 6000 Wahllokale konnten wegen des Wetters nicht geöffnet werden. In mehr als 50 Einsätzen allerdings mussten sich Wahlvorstände und Wahlbeobachter von der Feuerwehr zu ihren eingeschneiten Dienstorten bringen lassen. Beschwerden über Unregelmässigkeiten habe es wesentlich weniger gegeben als bei der letzten Wahl 2009, sagte der Vorsitzende der Wahlkommission. Anstoss erregten vor allem Internet-Portale, die das seit der Nacht auf Samstag geltende Verbot von Wahlwerbung missachtet hatten.
Es war die sechste Präsidentschaftswahl seit der Unabhängigkeit des Landes im Jahr 1991. Ivo Josipovic ist nach Franjo Tudjman und Stipe Mesic erst das dritte Staatsoberhaupt Kroatiens.
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