Jetzt wird es eng für Reto Nay und seine gloria.tv-Getreuen
Der Druck auf den Sedruner Pfarrer Reto Nay wächst. Die Politische Gemeinde fordert seine Absetzung, der Churer Bischof Vitus Huonder lässt einen seiner Getreuen aus dem Bistum werfen. Auch die Landeskirche ist empört.
Der Druck auf den Sedruner Pfarrer Reto Nay wächst. Die Politische Gemeinde fordert seine Absetzung, der Churer Bischof Vitus Huonder lässt einen seiner Getreuen aus dem Bistum werfen. Auch die Landeskirche ist empört.
Von Olivier Berger
Sedrun/Chur. – «Solange sich nicht herausstellt, dass er gelogen hat», sagt Giuseppe Gracia, «kann der Bischof Herrn Nay seine seelsorgerische Beauftragung nicht entziehen.» Gracia, Mediensprecher des Bistums Chur, verweist auf die Unschuldsvermutung, die auch für den in die Kritik geratenen Sedruner Pfarrer Reto Nay gelte. Nay ist Mitbegründer des katholischen Internet-TV-Senders gloria.tv, das im Februar die Bilder zweier deutscher Kardinäle und vierer Bischöfe mit Hakenkreuzen versehen hatte (Ausgabe vom Sonntag). Nay hat gegenüber Bischof Vitus Huonder beteuert, nichts mit dem fraglichen Beitrag und der internationalen Ausgabe von gloria.tv zu tun zu haben.
Doppelbauer soll verschwinden
Ein Vertrauter Nays und Mitstreiter bei gloria.tv wird Graubünden allerdings verlassen müssen: Markus Doppelbauer. Es habe sich gezeigt, dass Doppelbauer im Bistum Chur seelsorgerische Aufgaben ausgeführt habe, bestätigt Gracia. Weil der Priester aber im Erzbistum Vaduz eingeschrieben sei, habe Bischof Huonder seinen Kollegen Erzbischof Haas in einem Schreiben darum gebeten, Doppelbauer jede weitere Tätigkeit im Bistum Chur zu untersagen.
Doppelbauer ist in Kirchenkreisen kein Unbekannter. Einst war er persönlicher Zeremoniär des österreichischen Bischofs Kurt Krenn. Nachdem Krenn im Nachgang zu einem Kinderpornografie-Skandal zurückgetreten war, hatte sich Doppelbauer im Erzbistum Vaduz niedergelassen. Bei gloria.tv ist er für technische Belange zuständig; allerdings war er in der Vergangenheit auch am Bildschirm zu sehen, etwa bei der Zubereitung von Pizokels.
Landeskirche fordert Machtwort
Bei der Katholischen Landeskirche Graubünden dürfte man die faktische Ausweisung von Doppelbauer nach Vaduz erfreut zur Kenntnis nehmen. Die Exekutive der Landeskirche wird die Causa gloria.tv an ihrer nächsten Sitzung in den kommenden Tagen kurz diskutieren, wie Präsident Placi Berther bestätigt. «Dem Bischof sollte bewusst sein, dass ein Schatten auf das Ansehen seiner Diözese fällt, wenn er die Tätigkeit von Pfarrer Nay weiterhin toleriert.» Mit dem Hakenkreuz-Beitrag habe gloria.tv eine Grenze überschritten, was nicht akzeptabel sei. «Dass die deutsche Bischofskonferenz sich in deutlichen Worten von dem Portal distanziert hat, spricht für sich.»
Für Berther ist es in erster Linie Bischof Huonder, der jetzt in der Pflicht steht. «Er hat Pfarrer Nay die kirchliche Beauftragung erteilt, nur er kann sie ihm entziehen.» Theoretisch könnte auch die Kirchgemeinde das Arbeitsverhältnis mit Nay kündigen, wie Bistumssprecher Gracia bestätigt. Ob der Bischof dem Priester in diesem Fall auch die Beauftragung entziehen würde, ist allerdings offen.
Die Gemeinde will Nay nicht mehr
Landeskirchen-Präsident Placi Berther ist nicht der Einzige, der jetzt Schritte fordert. «Wir fordern, dass der Pfarrer Reto Nay entlassen wird, sofern er seine Arbeit bei gloria.tv nicht niederlegt und sich ganz klar davon distanziert», sagte der Tujetscher Gemeindepräsident Pancrazi Berther gestern dem Nachrichtenportal «20 Minuten online». «Wir sind eine moderne Gemeinde und können nicht hinter solchen Geschichten stehen.»
Inzwischen verdichten sich die Hinweise darauf, dass gloria.tv massgeblich oder sogar vorwiegend in Sedrun produziert wird. Am offiziellen rechtlichen Domizil des Senders in Moldawien jedenfalls war bei einem Besuch der TV-Sendung «Spiegel TV» niemand vom Produktionsteam anzutreffen. Nay und Doppelbauer verweigerten auch gestern jede Auskunft. Auf das Angebot, ihre Sicht der Dinge zu schildern, wurde im Sedruner Pfarrhaus der Telefonhörer aufgelegt.
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