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Turbulente Zeiten im Tourismus. Der Währungs­entscheid der Schweizerischen Nationalbank verteuert Ferien in der Schweiz für Europäer massiv. Umgekehrt lockt der aktuelle Gleichstand von Franken und Euro zur Schnäppchenreise ans Mittelmeer.

Südostschweiz
29.01.15 - 01:00 Uhr
Zeitung

Turbulente Zeiten im Tourismus. Der Währungs­entscheid der Schweizerischen Nationalbank verteuert Ferien in der Schweiz für Europäer massiv. Umgekehrt lockt der aktuelle Gleichstand von Franken und Euro zur Schnäppchenreise ans Mittelmeer. Viele Reiseveranstalter haben reagiert und ihre Tarife gesenkt. Hotelplan Suisse bietet je nach Angebot Währungsrabatte zwischen acht und 20 Prozent. Kuoni und Tui Suisse verbilligen ihre Bade­ferien im Euroraum je um 15 Prozent. Die gleiche Ermässigung gewährt auch der Schiffsreiseanbieter Costa Kreuzfahrten. Andere Veranstalter wie FTI oder Thomas Cook fixieren ihre Umrechnungskurse auf 1.05 respektive 1.09 Franken, um den Total­absturz des Euro zugunsten der Kundschaft abzufedern.

Insbesondere für Veranstalter von Pauschalreisen sind diese Sonder­rabatte in vielen Fällen mit Margenverlusten verbunden, da sie ihre Leistungen teils für die gesamte Saison zum fixen Eurokurs von 1.20 Franken eingekauft haben. Man habe den Kunden einst deutsche Preise versprochen, erklärt Martin Wittwer, CEO von Tui Suisse. «Wenn jetzt die deutschen Preise aus Währungsgründen plötzlich sinken, halten wir unser Versprechen ein und gleichen sie hierzulande mit Rabatten aus.» Im Vorteil sind Anbieter von Einzelleistungen wie das Onlineportal Travel.ch. Sie profitieren im Einkauf sofort vom besseren Kurs und geben diesen 1:1 weiter.

In der Branche ist man sich hinsichtlich dieser Kulanz gegenüber den Kunden einig. Juristisch gesehen gebe es zwar keine Pflicht, die publizierten Preise aus Währungsgründen gegen unten anzupassen, sagt Walter Kunz, Geschäftsführer des Schweizer ReiseVerbands (SRV). Aus unternehmerischer Sicht indes schon. «Der enorme Konkurrenzdruck zwingt die Reise­anbieter zu solchen Sofortmassnahmen.» Ansonsten drohe ein massiver Buchungstourismus ins grenznahe Ausland, wie ihn die Reisebranche zuletzt im Jahr 2011 erlebt habe. Auch damals sackte der Euro auf Parität zum Franken ab, worauf die Nationalbank den Mindestkurs von 1.20 Franken beschloss.

Für Konsumenten macht es durchaus Sinn, die Gunst der Stunde zu nutzen und jetzt Ferien zu buchen. Denn einige der publizierten Aktionen sind zeitlich begrenzt. Kuoni etwa gewährt den 15-Prozent-Rabatt noch für Reservationen bis Mitte Februar, Costa Kreuzfahrten bis Ende Februar. Wer jetzt seine Sommer- oder sogar Herbstferien bucht, kann den günstigen Kurs also langfristig absichern. Bei verschiedenen Veranstaltern kommen sogar noch Frühbucherrabatte hinzu.

Wer lieber zuwartet, kann mit etwas Glück und je nach Währungs­entwicklung von einem noch günstigeren Kurs profitieren. Anbieter wie Tui Suisse, Hotelplan und Travel.ch sichern ihren Kunden zu, die Ferien­preise tagesaktuell anzupassen. Diese Spekulation kann für Kunden aber auch nach hinten losgehen. Kunz warnt: «Sollte der Franken zum Euro an Wert verlieren, steigen auch die Tarife der Reiseveranstalter wieder an.»

Die Frage, ob man den aktuellen Wechselkurs besser frühzeitig ab­sichert oder mit der Ferienbuchung noch zuwartet, hängt nicht zuletzt von der Art des Arrangements ab. Kunz gibt zu bedenken, dass Flug­leistungen stets in Schweizer Franken abgerechnet werden und daher von Kursschwankungen nicht betroffen sind. «Je dominanter also der Anteil des Flugs im Preisgefüge eines Pauschalangebots ist, desto weniger Einfluss hat die Währung.»

Als zusätzliches Argument für eine frühzeitige Buchung nennt Kunz die knapper werdende Verfügbarkeit der Angebote. Bei einigen Ferienanbietern hat die überraschende Loslösung vom Euro-Mindestkurs durch die Nationalbank einen Kundenansturm ausgelöst. «Wir liegen für die Sommer- und Herbstferienperiode im zweistelligen Prozentbereich über dem Vorjahresniveau», erklärt Inka Nobel von Travel.ch. Ähnlich tönt es bei Hotelplan Suisse. Für bestimmte Hochsaisondaten an beliebten Mittelmeer­stränden seien die freien Kapazitäten bereits eingeschränkt, bestätigt auch Wittwer von Tui Suisse.

Der Tipp von Kunz: «Nach der Buchung kann es nicht schaden, sich bereits ausreichend mit Euro einzu­decken. So können Konsumenten quasi per Termingeschäft bereits die Ferienauslagen vor Ort zu einem günstigen Kurs absichern.»

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