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Jazz- und Musikladen am Pfisterplatz schliesst

Im Musikladen am Pfisterplatz konnten Liebhaber von Jazz und Weltmusik fündig werden. Nun ist Schluss: Inhaber Felix Rüedi schliesst sein Geschäft. Ein «Kind» des Ladens ist das Jazz-Welt-Festival, das weiterhin stattfinden wird.

Südostschweiz
16.06.11 - 02:00 Uhr

Von Juscha Casaulta

Seit mehr als sieben Jahren war der Musikladen Jazz-Welt in der Churer Altstadt die Adresse für Freunde des Jazz und der Weltmusik. Seit Ende Mai hat Felix Rüedi sein Geschäft geschlossen. Es rentiere nicht mehr, sagt er. «Sieben Jahre konnte ich den Laden so führen, wie ich es mir anfangs vorgestellt hatte.» Doch seit Anfang Jahr bezahlt er die Miete der Lokalität selber. Konkurrenz seien das Internetangebot und die Grossanbieter. Zudem habe sich – gerade bei den Jungen – die Hörgewohnheiten verändert. In ein paar Jahren werde man wohl nicht mehr wissen, was eine CD ist.

Rückblickend meint er, es habe ihm oft Spass gemacht, mit der Kundschaft auf musikalische Reise zu gehen, das Passende zu finden. Laut Rüedi ist der Laden im Laufe der Zeit zu einem Musiknetz geworden, zumindest was Jazz und ethnische Musik anbelangt. «Für mich war es bereichernd, eine Art öffentlich zugängliche Weiterbildung, ergänzt mit dem Wissen der Kundschaft.» So ist auch das CD/DVD-Angebot gewachsen.

Für Rüedi ist es nun eine Sammlung, ein Kulturgut. Sein Wunsch ist es, dass diese Sammlung künftig möglichst vollständig und für alle zugänglich sein wird. Darum hat Rüedi grosse Bibliotheken und verschiedene Institutionen angeschrieben. «Diese Sammlung hat für mich mehr als einen finanziellen Wert, und ich versuche Leute, auch Privatpersonen, zu finden, die es ebenso sehen.» Gerade in der ethnischen Musik stecke Tradition, Neues kombiniert mit Altem, ebenso im Jazz. «Mit dieser Haltung gehe ich an den Verkauf der CDs.» Was dann übrig bleibt, kann zu reduziertem Preis am 17./18./24./25. Juni gekauft werden.

Festival bleibt bestehen

Am Freitag, 24., und Samstag, 25. Juni, findet auf dem Pfisterplatz das Jazz-Welt-Festival statt. Es sei «ein Kind» des Musikladens. In der Anfangszeit ist Rüedi vor dem Laden gesessen, hat den Platz angeschaut und gedacht, dass er doch genau die Grösse hat, die es braucht für eine gewisse Intimität, für die Art von Musik. So hat sich die Idee zu einem Anlass entwickelt, der von Jahr zu Jahr professioneller wurde. Und der Musikladen wurde zusätzlich zum Kulturbüro. «Auch wenn es den Laden nicht mehr gibt, das Festival wird weiter stattfinden, es steht finanziell auf stabilen Beinen.»

Rüedi, der eine Teilzeitstelle als Primarlehrer in Chur hat, wird nun vermehrt aktiv als Musiker tätig sein und dies auf verschiedenen Schienen. Zudem leitet er weiterhin den Singkreis, ein offenes Singen jeden vierten Donnerstag im Monat im Nicolai-Schulhaus. Der 52-Jährige wähnt sich glücklich und zufrieden, dass er den Musikladen führen konnte. «Ich habe viel gelernt und spannende Leute getroffen.»

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