James Bond in Österreich – Diskretion schwebt über allem
Drei Orte in Österreich haben das grosse Los gezogen: Seit gestern ist James Bond für Dreharbeiten in Sölden, in Altaussee und in der Osttiroler Mini-Gemeinde Obertilliach. In letzterer gilt vor Drehbeginn äusserste Verschwiegenheit.
Drei Orte in Österreich haben das grosse Los gezogen: Seit gestern ist James Bond für Dreharbeiten in Sölden, in Altaussee und in der Osttiroler Mini-Gemeinde Obertilliach. In letzterer gilt vor Drehbeginn äusserste Verschwiegenheit.
Von Matthias Röder (sda)
Obertilliach. – Wer für den Geheimdienst Ihrer Majestät arbeitet, kann schweigen wie ein Grab. Egal, ob Spion mit der Lizenz zum Töten oder Wachmann mit der Lizenz zum Kettenrauchen. «Ich habe berufsbedingt Alzheimer.» Der so von Vergesslichkeit Geplagte trägt eine weithin gelb leuchtende Jacke mit der Aufschrift «Security» und beschützt mit zwei Kollegen einen alten Tiroler Stadl.
Die Frage an ihn lautete schlicht: «Wo ist das James-Bond-Haus?» Die Filmcrew hat vor den Dreharbeiten zum nächsten 007-Abenteuer mit dem Titel «Spectre» in Obertilliach in Osttirol zwar viele Spuren gelegt. Grosse Zelte dienen als Lagerhallen, Container als Büros, zwei Helikopterlandeplätze sind angelegt. Aber das seit Monaten geltende Schweigegelübde zeigt in dem 700-Seelen-Dorf immer noch Wirkung. Weitere Drehorte in Österreich sind Sölden und Altaussee.
Eine einmalige Chance
«Die geheimdienstliche Diskretion schwebt über allem», schmunzelt der 67-jährige Josef Lugger aus Obertilliach. Der Bauer, Wirt, Seilbahner und Musikant gehörte zu den fünf Leuten, die im März vom Interesse der 007-Produzenten aus England erfuhren. Obertilliach als Kulisse für wesentliche Szenen in einem globalen Blockbuster? «So eine Chance lässt man sich nicht entgehen», sagt Bürgermeister Matthias Scherer.
Der Politiker und ein Mini-Komitee sondierten die Stimmung im Dorf. Denn der PR-Coup bedeutet in der etwa dreiwöchigen heissen Drehphase ab Mitte Januar auch Einschränkungen für Bewohner und Urlauber. Einige Tage ist unter anderem das Skigebiet wegen des Top-Agenten gesperrt.
Doch die Vorteile scheinen alle überzeugt zu haben. «In der Region bleiben ungefähr vier Millionen Euro», sagt Scherer über das unerwartete Konjunkturprogramm. Handwerker und Bauern freuen sich über Zusatzaufträge und über zum Dreh verpachtete Grundstücke, die Hoteliers über eine 350 Mann starke Crew, die hier essen und schlafen will. Insgesamt seien in Österreich vom grossen Filmteam – insgesamt 500 Leute – 30 000 Übernachtungen gebucht, sagt der Chef der Filmförder-Agentur Location Austria, Arie Bohrer.
Waltz dreht nicht in seiner Heimat
Die Zimmerleute aus Obertilliach und Region haben ganze Arbeit geleistet. Schon im August begannen sie auf einer Wiese am Rande des Dorfes mit dem Bau eines auf alt getrimmten Tiroler Stadls und mehrerer kleiner Heuhütten. Der Stadl, dessen Holz von einem alten Bauernhof in der Steiermark stammt, heisst im Volksmund «James-Bond-Haus».
«Hier wird es eine Verfolgungsjagd geben», erzählt Nachbar Emil Figl. Von der nahen Skipiste aus werde Bond wohl vor seinen Verfolgern in die Hütte fliehen, meint der 76-Jährige. In den engen Gassen des Dorfes werde das Katz-und-Maus-Spiel weitergehen.
Doch eigentlich soll rund um die Handlung alles topsecret sein. An – angeblich bereits wieder veraltete – Details sind zum Leidwesen der Produzenten einige Hacker herangekommen. Superstar Daniel Craig wird wohl für vier, fünf Tage zum Dreh in Osttirol sein. Schlafen werde der 46-Jährige aber woanders, heisst es im Dorf. Der Österreicher Christoph Waltz, Bösewicht im neuen Bond, wird bei den Dreharbeiten in seiner Heimat gar nicht auftauchen, wie er der «Kronen-Zeitung» verriet.
Dass sich die Location-Scouts aus England unter anderem für Obertilliach entschieden haben, ist für die Offiziellen gar nicht so überraschend. Der Ort sei schon öfter Kulisse für TV und Film gewesen, meint Scherer.
«Wir sind ein sehr seltenes Landschafts-Möbel», erklärt Lugger. Der Ort sei als altes Wehrdorf noch ganz kompakt, habe viele alte Holzhäuser und kaum eine Bausünde, geschweige denn einen Hotelturm.
Auch Sölden freut sich
Auch in der Tourismus-Hochburg Sölden im Ötztal reibt man sich die Hände. «Das ist wie ein Lotto-Sechser», freut sich der Chef der Bergbahnen Sölden, Jakob Falkner. Auf dem Gletscher, der Gletscherstrasse und im neuen «Ice-Q-Restaurant» am Gaislachkogl mit spektakulärer Sicht werde im Januar und Februar tageweise gedreht, erzählte Falkner gegenüber Sölden-TV. Er wehrt sich gegen die Sorge, der Spass im Skigebiet könnte für den Feriengast durch die Filmarbeiten getrübt werden. Im Ort selber mit seinen 15 000 Hotelbetten fallen derzeit allerdings vor allem die vielen englischen Autos und Lastwagen auf.
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