Jürg Biegger spielt Busfahrer im Film «Sennentuntschi»
Der Ex-Kantilehrer und Bussammler Jürg Biegger erhielt im «Sennentuntschi» einen Auftritt. Für den Dreh stellte er eines seiner Postautos zur Verfügung. Auch von der finanziellen Krise des Films war er betroffen.
Der Ex-Kantilehrer und Bussammler Jürg Biegger erhielt im «Sennentuntschi» einen Auftritt. Für den Dreh stellte er eines seiner Postautos zur Verfügung. Auch von der finanziellen Krise des Films war er betroffen.
Von Lukas Hobi
Benken. – Bei dem Auftritt im «Sennentuntschi» handle es sich nur um eine Kleinigkeit, sagt Jürg Biegger. «Carlos Leal sitzt hinten im Postauto, während ich nach Trepunt fahre. In der Ortschaft angekommen, sage ich 'Endstation Trepunt' und er steigt aus.» Man sehe dann noch, wie das Postauto wegfahre. Er sei bloss Statist gewesen.Zu dieser bescheidenen Rolle sei er über seine Nutzfahrzeuge gekommen. «Bereits für 'Mein Name ist Eugen' suchte man ein spezielles Fahrzeug.» Im Internet müsse man dabei auf seine Fahrzeuge gestossen sein und habe ihn angefragt. Darauf habe er einen seiner Busse gestellt. Für das «Sennentuntschi» sei man dann auf ihn zurückgekommen.
Bei der Bezahlung harzte es
Gefilmt wurde die Szene Anfang Oktober vor zwei Jahren. Schauplatz war eine Strasse Richtung Bondo, ein Dorf im Bergell. Wo die Busszene im Film untergebracht wurde, kann Biegger jedoch nicht sagen. «Ich habe den Film noch nicht gesehen, werde dies aber nachholen.» Eigentlich seien sogar Billette für die Premiere versprochen gewesen. Diese habe er aber nie bekommen.Eine andere unschöne Seite sei die Entlöhnung gewesen. «Weil der Film beinahe Konkurs gemacht hätte, wurden auch die Auszahlungen zurückgehalten.» Von verschiedenen Seiten habe man die Verantwortlichen dann betrieben, es sei aber zu einer aussergerichtlichen Einigung gekommen. «Ich selbst gab mich mit zwei Drittel meines Lohnes zufrieden», so Biegger. Durch die Einigung hätte man den Film vor dem Konkurs bewahren können.Obwohl Biegger «Sennentuntschi» noch nicht gesehen hat, erwartet er einen guten Film. «Ich kenne Michael Steiner zwar nicht als Produzenten von brutalen Streifen, aber 'Eugen' und 'Swissair-Grounding' lassen auf einen guten Film hoffen.» Steiner sei genial, auch als Mensch, findet Biegger. Trotz seiner Berühmtheit bleibe er bescheiden. Und er leiste faszinierende Arbeit. Der Film enthalte dennoch Szenen, bei denen man wohl lieber wegschaue.Vor dem Dreh hat sich Biegger in einem Requisitensalon ausrüsten müssen. Der fleckige Staubmantel, den er extra bei einem Freund ausgeliehen hat, wurde geputzt. «Die guten Schuhe, die ich für den kalten Oktobertag angezogen hatte, passten den Leuten vom Set nicht.» Diese seien durch dünne Schuhe ersetzt worden, die nicht vor der Kälte schützen. Zusätzlich habe er einen steifen Hut bekommen.«Auch bei der eigentlichen Filmarbeit achtete man auf jedes Detail», erzählt Biegger. Die Busszene habe unzählige Mal wiederholt werden müssen, weil das entfernte Geräusch einer Baumaschine aus dem Tal zu hören gewesen sei. «Auch der Bus selbst wurde darauf kontrolliert, ob irgendetwas nicht den Siebzigern entspricht.» Der Tag habe ihn ein wenig ans Militär erinnert. Man warte die meiste Zeit und plötzlich müsse alles schnell gehen. «Carlos Leal fand das gar nicht amüsant. Er musste noch an eine Preisverleihung in der Westschweiz.» Damit Leal früher gehen konnte, sei, ausser beim Aussteigen, ein Double verwendet worden. Das Aussteigen sei auch als erstes gefilmt worden. «Leal wurde danach von einem Helikopter abgeholt.»
Viel Warten und viel Stress
Biegger probierte stattdessen, die Zeit in der Herbstkälte zu nutzen. Er sei in den Genuss eines schönen Sonnenaufgangs gekommen und habe mit verschiedenen Leuten gesprochen.«Die Filmleute sind sehr ausgefallen. Sie führen eine Art Wanderleben. Wie kamen sie überhaupt zu diesem Beruf, fragte ich mich?» Zwar habe man die Stars wie Roxane Mesquida kaum gesehen. Biegger habe aber als Highlight des Tages eine passionierte Lastwagenfahrerin unter der Technik-equipe getroffen, welche um seinen Saurer herumschlich.Auch die Anfahrt über den Splügen hat Biegger genossen, obwohl sie mit dem Schnauzenpostauto Jahrgang 65 doch ein wenig gewagt gewesen sei.
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