Islamische Landeskirche Graubünden
Der Wunsch muss von den Muslimen im Kanton kommen», sagt SP-Präsident Jon Pult zu einer möglichen Anerkennung der muslimischen Gemeinschaften als Landeskirche.
Der Wunsch muss von den Muslimen im Kanton kommen», sagt SP-Präsident Jon Pult zu einer möglichen Anerkennung der muslimischen Gemeinschaften als Landeskirche.
Immerhin: Sollten sich die Bündner Musliminnen und Muslime dafür entscheiden, auf eine öffentlich-rechtliche Anerkennung hinzuarbeiten, würden sie bei den Sozialdemokraten nicht auf verschlossene Türen stossen. «Ich kann mir vorstellen, dass die SP in diesem Fall aktiv würde», sagt Pult.
Politischen Sukkurs würden die muslimischen Gemeinschaften auch brauchen, wenn sie dereinst wie die Evangelisch-reformierte und die Römisch-katholische Kirche vom Staat anerkannt werden wollten. Auf Bundesebene lässt sich die Thematik nicht regeln; die Anerkennung von Landeskirchen ist Sache der Kantone. In der Bündner Kantonsverfassung sind Katholiken und Reformierte als Landeskirchen festgeschrieben. Die Anerkennung weiterer Religionsgemeinschaften als Landeskirchen ist laut der Verfassung per Gesetz möglich.
Der Bündner Kultusdirektor Martin Jäger, Vorsteher des Erziehungs-, Kultur- und Umweltdepartements, geht allerdings nicht davon aus, dass die Anerkennung der muslimischen oder freikirchlicher Gemeinschaften als neue Landeskirchen auf dem Gesetzesweg geschehen würde. «Ich denke, in diesem Fall würde man wohl die Verfassung revidieren.» Das heisst, das letzte Wort über die Anerkennung hätte das Bündner Stimmvolk. Das wäre wohl auch bei einer Anerkennung durch den Grossen Rat auf dem Gesetzesweg der Fall.
Sollte der Grosse Rat die Anerkennung des Islam als Landeskirche beschliessen, würde wohl dennoch das Stimmvolk entscheiden. «Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir in diesem Fall das Referendum ergreifen würden», erklärt Heinz Brand, Präsident der SVP Graubünden. Für die SVP sei eine Anerkennung des Islam «im Moment kein Thema». Dies auch, «weil für den Status als Staatsreligion eine Gemeinschaft auch eine gewisse Grösse haben muss».
Für die Muslime wäre eine Anerkennung als Landeskirche durch den Kanton wünschenswert. Das jedenfalls glaubt Hisham Maizar, Präsident des Dachverbands der islamischen Gemeinden in der Ostschweiz (Digo) und der Förderation islamischer Dachorganisationen der Schweiz (Fids). «Gerade für junge Muslime in der Schweiz wäre das ein Zeichen der Anerkennung durch den Staat, dass sie wirklich dazu- gehören in diesem Land.»
Gegen eine Anerkennung der islamischen Gemeinschaften als Landeskirche spricht laut einem Gutachten, das die Fids in Auftrag gegeben hat, nur wenig. «Allerdings müssen die Gemeinschaften auch ihre Hausaufgaben machen», betont Maizar. Dazu gehöre, dass sich die vielen islamischen Moschee- und Kulturvereine demokratisch organisieren müssten.
Ausserdem sind die Vereine, welche die Schweizer Moscheen betreiben, heute in vielen Fällen noch ethnisch zusammengesetzt: Bosnische, albanische und maghrebinische Muslime beten unter verschiedenen Vereinsdächern. «Hier braucht es kantonale Dachverbände, bei denen alle Gemeinschaften mitmachen können», fordert Maizar. Schliesslich sei es an diesen kantonalen Dachverbänden, ihre Mitglieder demokratisch zum Wunsch nach der Anerkennung als Landeskirche zu befragen und mit den zuständigen kantonalen Stellen Kontakt aufzunehmen.
Bis es in Graubünden so weit ist, dürfte aber noch viel Zeit ins Land ziehen. Weiter gediehen sind die Pläne, die Anerkennung zu beantragen, in den Kantonen Basel-Stadt und Waadt. Von den Entscheiden dort erhofft sich Maizar eine gewisse Signalwirkung für den Rest des Landes.
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