Ilanzer Geschichten aufgeschrieben
Nun ist sie endlich schriftlich festgehalten. Der 78-jährige Transportunternehmer Christian Candreja hat die jüngere Geschichte der Stadt Ilanz zu Papier gebracht.
Nun ist sie endlich schriftlich festgehalten. Der 78-jährige Transportunternehmer Christian Candreja hat die jüngere Geschichte der Stadt Ilanz zu Papier gebracht.
Das daraus entstandene Buch mit dem Titel «Erinnerungen an Ilanz» ist kürzlich vor Ort präsentiert worden. Dass in der ersten Stadt am Rhein offenbar ein Bedürfnis für den Blick in die Vergangenheit besteht, zeigte der Grossaufmarsch von Ilanzerinnen und Ilanzern bei der Buchpräsentation. «Diesen Ansturm haben wir nicht erwartet, aber er freut uns natürlich sehr», sagte Gion Candreja, der Sohn des Buchautors.
Wie ein roter Faden zieht sich die Frage «Waisch no?» durch Candrejas 183-seitiges Werk, das er mit grossem Aufwand und viel Herzblut realisiert hat. Am Stammtisch hätten seine Kollegen oft über das alte Ilanz und seine Menschen erzählt, erklärte der Autor an der Buchvernissage. Doch niemand habe die Geschichten aufschreiben wollen, um diese auch für die jüngere Generation zugänglich zu machen. «Also hab ich es getan, damit dieses Wissen nicht verloren geht», sagte er. Candreja hat die von Simon Montalta aufbereiteten Altstadtgeschichten leicht verständlich und mit trockenem Humor niedergeschrieben. Aufgelockert werden die Textstrecken mit tollem Bildmaterial aus den Archiven von Hans Lutta und Jörg Schmid.
Aus dem Buch erfährt man beispielsweise, dass es früher in Ilanz noch 150 Gewerbebetriebe gegeben hat, darunter acht Kolonialwarenläden, sieben Bäckereien, drei Metzgereien, drei Hufschmiede und fünf Schuhmacher, um hier nur einige Beispiele aufzulisten. Breiten Raum nimmt der Wandel der Stadt vom Marktort zum Dienstleistungszentrum ein. Im Mittelpunkt steht der Viehmarkt, «dem gesellschaftlichen Schwerpunkt in der Foppa», wie Candreja schreibt. Dafür seien bis zu 1000 Stück Vieh aufgetrieben worden. «Grösste Käufer waren damals die Italiener, Appenzeller und die Familie Zindel aus Maienfeld», erzählt er von jener Zeit.
Vom Viehmarkt und von den ersten Touristen profitierten vor allem die lokale Hotellerie und die Restaurants. 1903 gab es in Ilanz bereits acht Hotels mit 180 Betten. 1928 wurden die Kutschen durch Postautos abgelöst. Und dadurch entwickelte sich in Ilanz «der zweitgrösste private Postautobetrieb der Schweiz», wie Candreja nicht ohne Stolz in seinem Buch betont. Er beschreibt aber auch die Menschen. Zum Beispiel jenen Bader, der vom Kleinen Rat (Regierung) des Kantons Graubünden die Bewilligung erhalten hatte, in der Stadt Ilanz «niedere Chirurgie» zu praktizieren.
Gemeindepräsident Aurelio Casanova bezeichnete Candrejas Buch als «gelungenes Werk». Gerade für die junge Generation sei es ein Erlebnis zu sehen, wie es damals in Ilanz gewesen sei. Durch dieses Buch werde für sie die Erinnerung wach gehalten. Candreja habe «Mut und Beharrlichkeit gezeigt, als er das Heft in die Hand genommen habe, um mit diesem Buchprojekt anderen die Geschichte von Ilanz zu erzählen. Dafür wurde der Autor vom Gemeindepräsidenten mit einem goldenen Bleistift ausgezeichnet. Am Samstagmorgen signiert Candreja in der Papeterie Maggi in Ilanz sein Buch.
Christian Candreja, Erinnerungen an Ilanz, communicaziun.ch, 183 Seiten, 25 Franken.
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