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Ilanz plus: Zum Spaziergang wird die Abstimmung nicht

Am 16. November entscheiden 14 Gemeinden in der Surselva über die Fusion zu Ilanz/Glion. In einer der involvierten Gemeinden wird ein Nein erwartet, in zwei weiteren könnte es knapp werden. Spannung ist vorprogrammiert.

Südostschweiz
09.11.12 - 01:00 Uhr

Von Jano Felice Pajarola

Ilanz. – Reicht es, reicht es nicht? Im Moment ist eine Prognose zum Resultat der Fusionsabstimmung Ilanz plus noch eine Lektüre im Kaffeesatz. Klar ist: Am 16. November müssen mindestens das Zentrum Ilanz und weitere zehn Gemeinden den Zusammenschluss befürworten, damit die Fusion zustande kommt – so verlangt es das festgesetzte Quorum. Die Crux dabei: Zwei Gemeindevorstände – jene von Schluein und Ruschein – empfehlen der Stimmbevölkerung ein Nein, und im Vorstand von Schnaus gibt es nach wie vor Bedenken, die Fusion könne zur Erosion des romanischen Sprachgebiets führen. Seitens der Landwirtschaft bestehen zudem Ängste, Land an Industrie und Gewerbe zu verlieren (Ausgabe vom 30. Juli). Würden die drei Gemeinden Nein sagen, stünde die künftige Gemeinde Ilanz/Glion auf der Kippe.

Allerdings: In Schnaus schlägt der Vorstand inzwischen einen pragmatischen Weg ein, er empfiehlt laut Präsident Luregn Caspescha ein Ja zum Projekt Ilanz plus. «Wir sind eine sehr kleine Gemeinde, in der die Rekrutierung von Behördenmitgliedern immer schwieriger wird. Und die Finanzen drücken. Ein gewichtiger Grund für ein tendenzielles Ja ist sicher auch die Reduktion des Steuerfusses von 130 auf 100 Prozent.»

Schluein: «Es drängt nicht»

Fast sicher ist dagegen ein Nein aus Schluein. Gemeindepräsident Bruno Wellinger betont: «Wir haben nichts gegen Ilanz plus. Aber für uns kommt die Fusion ungelegen.» Schluein sei nach wie vor ein gut funktionierendes Dorf, die Behörden könne man problemlos besetzen, und auch finanziell stehe man gut da. «Es drängt nicht mit einem Zusammenschluss», so Wellinger. Und nicht zuletzt wolle man sich auch angesichts der Initiative «50 Gemeinden sind genug» andere Optionen offen halten – sprich: in Richtung Sagogn, Laax und Falera.

Offen: So ist auch der Ausgang der Abstimmung in Ruschein. «Wir sind der Überzeugung, dass alles etwas zu schnell gegangen ist», hält Gemeindepräsident Leo Capaul fest. «Deshalb hat sich der Vorstand entschieden, ein Nein zu empfehlen.» Dennoch könne er sich vorstellen, dass Ruschein Ja sage. Aus ebenfalls pragmatischen Gründen – im Jahr 2013 werden drei Vorstandsmitglieder und der Kanzlist ihr Amt abgeben. Nachfolgeprobleme, so Capaul, seien zu erwarten.

BDP, CVP und FDP dafür

Grundsätzlich gibt es ansonsten breite Unterstützung für die Fusion, auch wenn derzeit die Frage der Amtssprache – welche Rolle wird das Romanische spielen? – wieder kontrovers diskutiert wird. Neben einem Komitee «Ja zu Ilanz/Glion plus», bei dem unter anderen an die 50 Gemeindevorstandsmitglieder dabei sind, heissen auch die Regional- oder Kreisparteien von BDP, CVP und FDP das Projekt gut. Wobei die FDP den Ilanzern empfiehlt, das fakultative Referendum zu ergreifen, falls nicht alle direkt umliegenden Gemeinden Ja sagen.

Klappt es mit der Fusion, entsteht per Januar 2014 auf 13 800 Hektaren eine Gemeinde mit gut 5150 Einwohnern – die fünftgrösste im Kanton. Tragen wird sie das Wappen des Kreises Ilanz, der dann sogar auf einen sechsten Grossratssitz hoffen kann: Duvin, Pigniu, Rueun und Siat kommen aus den Kreisen Lugnez und Ruis hinzu und sorgen für ein Bevölkerungsplus. Für die Führung von Ilanz/Glion ist einerseits eine fünfköpfige Exekutive vorgesehen, anderseits ein Parlament mit 27 Mitgliedern. Die Administration wird zentral in Ilanz eingerichtet. Im Schulbereich wird der Status quo zugesichert. Als Amtssprachen gelten Sursilvan und Deutsch.

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