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«Ich wollte Verständnis schaffen»

Reto Gurtner, oberster Chef der Weissen Arena Gruppe, nimmt die Reaktionen auf seinen Brief an die Einheimischen gelassen. Eine Geste an jene, die nun nicht Skifahren sollen, ist nicht geplant.

Südostschweiz
27.12.14 - 01:00 Uhr
Zeitung

Mit Reto Gurtner sprach David Sieber

Herr Gurtner, immer wenn Sie einen Brief schreiben, gibts es Aufruhr. Das war beim Asylheim «Rustico» so und ist es auch jetzt wieder.

Reto Gurtner: Allerdings. Eine Reaktion habe ich schon erwartet, aber dass sie gleich ein solches Ausmass annimmt, hat mich doch überrascht. Ich dachte eher an einige Unverbesserliche bei uns in der Umgebung, die reklamieren würden. Dass mein Brief aber auch in Deutschland und Österreich ein Thema würde, hätte ich nicht gedacht. Immerhin: Wir sind das einzige Skigebiet, über das in diesen Tagen berichtet wird.

Naja, die Einheimischen zu bitten, aufs Skifahren zu verzichten, ist doch eher ungewöhnlich.

Es ging mir darum, die Situation zu erklären. Es war viel zu warm im November und Dezember. Wir konnten nicht beschneien und Naturschnee gabs nur in homöopathischen Dosen. Die Leute, es sind bis zu 12 000, müssen mit der Bahn ins Tal. Das bedeutet: Lange Warteschlangen an der Bergstation. Und ich finde, die Gäste sollen nicht stundenlang anstehen müssen. Deshalb mein Wunsch an die Einheimischen aus Flims, Laax und Falera. Ich wollte zeigen, dass wir Schweizer auch gastfreundlich sein können – und nicht nur die Österreicher, wie es immer heisst.

Und dafür gab es einen Shitstorm.

Ich habe die Kommentare auf den verschiedenen Onlineportalen und in den sozialen Medien auch verfolgt. Die wirklich bösen waren ja alle anonym. Die muss man nicht ernst nehmen. Interessanterweise urteilen jene am härtesten, die gar nicht betroffen sind.

Erhielten Sie auch persönlich Reaktionen?

Ja, viele. «Von Chapeau, ich gratuliere», bis zu üblen Beschimpfungen. Letztere muss man einfach ignorieren. Es gab früher auch schon schlimmere, bis hin zu Morddrohungen.

Dürfen die Einheimischen, die nun aufs Skifahren verzichten, mit einer Geste der Weissen Arena AG rechnen?

Die fahren so günstig, dass ich das als nicht nötig erachte. Bis und mit 16 Jahre fahren sie gratis. Die Erwachsenen zahlen für eine Jahreskarte 250 Franken. Ich kenne kein Skigebiet im Kanton Graubünden, das so günstige Einheimischentarife anbietet.

Die Reaktionen der Bündnerinnen und Bündner sind ambivalent. Kann man daraus ableiten, dass es mit dem Tourismusverständnis im Kanton nicht zum Besten bestellt ist?

Das weiss ich nicht. Ich wollte gerade eben Verständnis schaffen. Dafür müsste man den Brief aber ganz lesen und nicht nur den Teil, in dem ich den mittlerweile berüchtigten Wunsch äussere.

Wann kann die Talabfahrt geöffnet werden?

Wir brauchen (Stand Freitag) noch drei Tage, um die Talabfahrt richtig einzuschneien. Ich gehe davon aus, dass sich die Lage noch vor Silvester normalisiert.

Muss man sich daran gewöhnen, dass der Dezember aufgrund des Klimawandels kein Schneemonat mehr sein wird?

Ich hoffe nicht. Aber es ist ja auch nicht das erste Mal. Wir hatten das 2005, 1989 und auch schon 1964 gehabt. Daran erinnert man sich bloss nicht mehr. Selten ist allerdings, dass es auch über 1600 Meter über Meer so warm war.

Wie läuft das Geschäft bisher?

Erstaunlicherweise sehr gut. Wir liegen absolut im Durchschnitt der letzten Jahre. Aber die Nagelprobe bildet die kommende Woche.

Und wann dürfen die Einheimischen wieder Skifahren kommen?

Was heisst dürfen? Ich habs ihnen ja nicht verboten und auch nicht die Saisonkarten gesperrt. Wie gesagt, es ging um ein Zeichen gegenüber unseren Gästen, damit sie auch nächste Saison wieder kommen. Punkt, Schluss und Amen.

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