«Ich wollte Bauer?und Tierarzt werden»
Schwyz Kantonstierarzt Josef Risi aus Arth geht Ende ?Januar in Pension. Bauer und Tierarzt waren ursprünglich ?seine Berufswünsche. Mit dieser Berufsbezeichnung stellte er sich an Veranstaltungen für Landwirte jeweils auch vor.
Schwyz Kantonstierarzt Josef Risi aus Arth geht Ende ?Januar in Pension. Bauer und Tierarzt waren ursprünglich ?seine Berufswünsche. Mit dieser Berufsbezeichnung stellte er sich an Veranstaltungen für Landwirte jeweils auch vor.
«Ich hatte keine Ahnung von Bienen.»
Josef Risi,? Kantonstierarzt
Woher kommt Ihre Berufsbezeichnung «Bauer und Vehdokter»?
Josef Risi: Mein Vater war Bauer, Tierarzt und Politiker. Das alles wollte ich auch werden. Als Schüler verbrachte ich sehr viel Zeit im Stall – Viehzucht interessierte mich immer. Bis wir den Bauernhof im Jahr 1999 verpachteten, waren die letzten Vorbereitungsarbeiten an den Kühen für die Viehschau immer meine Sache. Während der Gymizeit entschied ich mich dann aber für das Studium der Veterinärmedizin. In der Freizeit begleitete ich meinen Vater regelmässig auf der Tour von Hof zu Hof und lernte dabei viel für die Praxis.
Tierarzt zu sein, hiess damals vor allem, Kühe zu behandeln.
Kühe und das Thema Viehzucht gehörten in meiner Jugendzeit zu meinem Leben. Mein Urgrossvater hat in der Schweiz auf Schönheit gezüchtete Kühe nach Amerika exportiert. In den 60er-Jahren kamen Nachfahren von genau diesen Kühen auf Milch getrimmt zurück zu uns und in die Schweiz. Zudem habe ich 1986 in Amerika die Technik des Embryotransfers erlernt und danach als Erster in der Schweiz die Bewilligung für dieses Tätigkeitsfeld beantragt und erhalten. Noch vor der heutigen Spezialfirma Swissgenetics.
Und der Politiker Josef Risi?
Die politische Tätigkeit habe ich auf der Stufe Gemeinderat beendet, als ich Kantonstierarzt wurde. Ich wollte keine Verknüpfung zwischen Amt und Partei.
Ende Januar geht Ihre Zeit als Kantonstierarzt zu Ende. Was gibt es noch zu tun?
Die Akten und Tätigkeiten sind grösstenteils übergeben. Wir haben ein tolles Team, das alles daransetzt, dass es auch künftig im gleichen Sinn weitergeht. Ich bin jetzt sozusagen auf Abschiedstournee.
Ihre Nachfolge übernimmt Andreas Ewy. Was ändert?
Es gibt mehrere Wechsel im Laboratorium der Urkantone in Brunnen, wo das Veterinäramt für die Urkantone untergebracht ist. Fast gleichzeitig beenden Urs Schorno, Leiter Tierschutz, und meine Frau Cécile Risi ihre Tätigkeiten auf dem Amt. Das bedeutet, dass drei neue Personen zum Team stossen. Es ist aber so, dass alle Personen auf der Führungsebene praktische Erfahrung haben. Das lässt sie mit Sozialkompetenz und Augenmass handeln.
Wie sind Sie zum Kantonstierarzt geworden?
Erste Funktionen in den Bereichen Fleischschau und Tiergesundheit übte ich schon ab 1976 als praktizierender Tierarzt aus. Seit 1989 war ich als Kantonstierarzt des Kantons Schwyz im Nebenamt tätig. Beim Rücktritt von Vorgänger Alois Keusch aus Pfäffikon waren keine Bewerber in Sicht. Auf dem Berufungsweg wurde ich zum Nachfolger bestimmt, weil ich in einer Gemeinschaftspraxis tätig und es für mich dadurch besser möglich war, das Nebenamt zu übernehmen als für einen Tierarzt, der seine Praxis alleine führt.
Waren Sie ein Lückenbüsser?
So kann man es nicht sagen. Aber neben einer Praxis noch Kantonstierarzt zu sein, war schon eine Herausforderung, zumal die Aufgaben stetig zunahmen. Zudem macht man sich als Kantonstierarzt nicht bei allen beliebt. Das konnte auch dazu führen, dass man Kunden verlor.
Sind Sie durch Ihr Amt zum Schreibtischtäter geworden?
Es gibt nicht nur Schwarz oder Weiss. Als Praktiker konnte ich bei Missständen im persönlichen Gespräch nach Lösungen suchen. Heute geht alles leider nur noch auf dem schriftlichen Weg. In diesem Sinn bin ich schon auch Schreibtischtäter.
Was hat sich verändert?
Sicher die Ansprüche von allen Seiten. Heute muss man alles viel genauer erklären und begründen. Trotzdem ist der Umgangston gegenüber den Vertretern des Amts öfters weit von jedem Anstand entfernt. Wobei die gleichen Leute von uns selbstverständlich Sozialkompetenz und Anstand erwarten – und wir von ihnen natürlich auch.
Als Kantonstierarzt gerät man wohl leicht zwischen die Fronten.
Ich bin in die Aufgaben hineingewachsen und finde die Vielfalt und das Gefordertsein bis heute spannend. Kein Tag und kein Fall ist gleich. Ich würde es trotz aller Probleme wieder machen.
Wo gabs am meisten Widerstand?
Am extremsten war die Tätigkeit sicher in den 90er-Jahren, als wegen des Rinderwahnsinns ganze Ställe voller gesunder Tiere geschlachtet werden mussten. Einen Betrieb traf dieses Schicksal gleich zweimal, und auch zwei Bestände von Schafen waren betroffen. Schwierig war zum Teil auch die Durchsetzung des Impfobligatoriums gegen die Blauzungenkrankheit. Geht es ohne Seuchen, bleibt der Tierschutz das Gebiet, in dem man nie alle zufriedenstellen kann.
Geht es den Tieren immer schlechter, oder werden sie einfach zu sehr verhätschelt?
Genau hier liegt das Problem. Es gibt die beiden Extreme, das Tier als Ware zu be-handeln oder Tiere zu vermenschlichen. Der Kantonstierarzt ist dazwischen. Manchen ist er zu streng, anderen zu lasch.
Ein Beispiel?
Wenn ein Hund einen Menschen beisst und wir dann Leinenzwang oder Maulkorbpflicht verlangen, nimmt sich der Besitzer einen Anwalt, um gegen den Entscheid zu kämpfen. Der Gebissene hat andererseits oft den Anspruch, dass der Hund eingeschläfert wird. Ein anderes Beispiel: Im heutigen Zeitgeist toleriert die Gesellschaft keine schmerzhaften Eingriffe wie Kastration oder Enthornung mehr ohne Schmerzausschaltung. In diesem Sinn haben Tierhalter lebenslang zu lernen oder aufzuhören, wenn sie sich nicht an die Gesetze halten wollen.
Wie oft müssen Sie hart durchgreifen?
Selten. Fakt ist, dass wir im Jahr 2013 1183 Tierschutzkontrollen durchgeführt haben. In 77 Fällen mussten Massnahmen ergriffen werden. Dass bei weniger als zehn Prozent der Landwirtschaftsbetriebe Beanstandungen gemacht werden mussten, zeugt von Sachverstand und einem sehr guten Level bei den Bauern und den Kontrollen.
Besitzen Sie selber Tiere?
Derzeit einen Hund, und wohl bald auch wieder einen zweiten.
Sie haben aber auch einen Bezug zur Kunst. Wie kam es dazu?
Josef Rickenbacher, der Vater meiner Frau, war Bildhauer und Kulturpreisträger des Kantons Schwyz. Als wir nach seinem Tod das Atelier in Steinen räumen mussten, haben wir mit seinen Kunstwerken in den beiden oberen Stockwerken der alten Mosterei in Arth eine Dauerausstellung eingerichtet. Im Lauf der Zeit ist ein Lokal für Apéros und Events dazugekommen.
Die Mosti wird künftig einen Teil Ihres Lebens prägen. Muss der Ruhestand also noch warten?
Ich brauche schon noch eine Beschäftigung. Nebst dem Betrieb der Mosti werde ich mit meiner Frau bestimmt weitere Reisen unternehmen.
Mit Josef Risi sprach Frieda Suter
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