«Ich kann gut loslassen, es geht in guten Bahnen weiter»
Seit der Gründung vor 13 Jahren bis heute war sie Geschäftsführerin von Schwyz Tourismus, nun geht sie in Pension.?Monica Müller fordert mehr Unterstützung und Wertschätzung für den Tourismus im Kanton.
Seit der Gründung vor 13 Jahren bis heute war sie Geschäftsführerin von Schwyz Tourismus, nun geht sie in Pension.?Monica Müller fordert mehr Unterstützung und Wertschätzung für den Tourismus im Kanton.
Ab Anfang Jahr sind Sie pensioniert. Ihr Ruhestand beginnt aber mit der Mitbetreuung eines Grossprojektes ...
Ja, das Projekt Gästival 2015 betreue ich vorab als Koordinatorin für Schwyz weiterhin. Ich bin vom Konzept voll und ganz überzeugt. Zudem war ich von Anfang an Fan der Seerose, ich habe gerne solche Symbole. Die Wirkung ist übrigens gross. Im Rahmen der Medienarbeit im italienischen Markt habe ich Journalisten in Italien vom Projekt erzählt – alle waren begeistert.
Gästival 2015: Auf was dürfen wir uns freuen?
Es ist ein riesiges Projekt mit vielen spannenden Anlässen. Hier eine Auflistung zu machen, würde zu weit führen. Das Gästival ist mir sehr ans Herz gewachsen, weshalb ich es auch zu Ende führen will.
Und nach 2015? Bereisen Sie den Kanton Schwyz?
(lacht) Ja, ich werde sicher viel reisen. Aber nicht nur in Schwyz und der Schweiz. Es ist kein Geheimnis, dass ich eine grosse Liebhaberin des Tessins und von Italien bin.
Können Sie Ihren Beruf auf Reisen ausblenden oder denken Sie fortwährend «das wäre auch noch eine gute Idee für Schwyz Tourismus» oder «das könnte man besser vermarkten»?
(lacht) Es ist schon ein bisschen so. Es wird nie aufhören, dass ich mich für diese Thematik interessiere und gute Ideen unterwegs habe. Aber ich kann gut loslassen, da ich weiss, es geht in guten Bahnen weiter. Schwyz Tourismus wird mich aber immer interessieren.
«Es wird viel mehr zusammengearbeitet.»
«Viele Betriebe haben über Jahre hinweg nicht investiert.»
Name: Monica Müller
Geburtsdatum: 3. Oktober 1951
Zivilstand: verheiratet
Wohnort: Goldau
Beruf: Touristikerin
Hobbys: Lesen, Musik
Lieblingsessen: italienische Küche
Lieblingsgetränk: Kaffee
Lieblingstier: Schildkröte
Lieblingsferienort: wo es warm ist
Mit Monica Müller sprach?Christoph Clavadetscher
13 Jahre sind es her, seit Sie die Leitung der neu geschaffenen Geschäftsstelle des kantonalen Tourismusverbands übernommen haben. Damals haben Sie als grosses Ziel die Verbesserung der Koordination und des Marketings genannt. Haben Sie Ihr Ziel erreicht?
(überlegt) Wir haben vieles erreicht. Neben dem Marketing und der Koordination haben wir uns auch auf die Information und das Zusammenführen von Strukturen konzentriert. Im Bereich Marketing würde aber noch viel mehr drinliegen, wenn wir die entsprechenden Mittel hätten.
Was heisst das? Mittel von wem?
Wir bekommen einen Sockelbeitrag vom Kanton. Sonst erhalten wir aber keine Beiträge oder Taxen. Und die Unterstützung von Gemeinden und Bezirken ist sehr bescheiden. Etwa 60 Prozent unserer Mittel kommen aus der Wirtschaft, hauptsächlich aus dem Tourismus. Wir sind aber im Binnenmarkt wie auch im nahen Ausland aktiv und bewerben unsere Region. Einerseits müssen wir den Tagestourismus bewerben, der rund 75 Prozent ausmacht, andererseits müssen wir auch den Übernachtungstourismus fördern. Um aber effizienter werben zu können, bräuchten wir mehr Mittel.
Wie hoch ist der Sockelbeitrag des Kantons?
460 000 Franken. Darin enthalten sind aber gebundene Ausgaben, etwa Beiträge an ausserkantonale Tourismus-Marketing-Stellen.
Wie viel bleibt effektiv?
Rund 340 000 Franken. Diese Kantonsgelder dürfen aber nicht im Marketingbereich eingesetzt werden, sondern nur für den Betrieb, die Information oder die Kommunikation. Unsere Aufgaben sind klar mittels Leistungsauftrag geregelt. Einige Aufgaben erledigt andernorts aber die öffentliche Hand. Beispielsweise gewisse Informationsaufgaben, etwa in Schulen.
Unter dem Strich heisst das, die Mittel reichen nicht, um das notwendige Marketing zu betreiben?
Ja, es wäre wichtig, dass wir zusätzliche Mittel für das Marketing bekommen würden.
Vom Kanton?
Nicht unbedingt. Sicher ein Teil von der öffentlichen Hand. Wir müssen aber auch schauen, dass wir aus der Wirtschaft mehr Gelder generieren können.
Ist dies in anderen Kantonen anders?
Sogar sehr. Vergleichbare Kantone wie Thurgau bekommen 700 000 Franken vom Kanton und 245 000 Franken von den Gemeinden, zusammen also 945 000 Franken. Das Thurgau hat aber nur 413 000 Logiernächte. Schaffhausen bekommt 725 000 Franken von der öffentlichen Hand bei 130 000 Logiernächten. Uri über eine Million Franken und hat 228 000 Logiernächte. Und Schwyz? Vom Kanton erhalten wir 460 000 Franken und von den Gemeinden und Bezirken total 8000 Franken – und dies bei rund 600 000 Übernachtungen.
Wie erklären Sie sich diese Diskrepanz?
Ich habe das Gefühl, der Stellenwert des Tourismus ist bei uns zu wenig hoch. Dies, obwohl der Tourismus ein wichtiger Anteil an der Wertschöpfung im Kanton ausmacht und immerhin 5000 Arbeitsplätze bietet. Die Wichtigkeit des Tourismus im Kanton Schwyz wird einfach zu wenig anerkannt.
Von wem? Von der Politik oder der Bevölkerung?
Von beiden. Die Politik ist ja ein Spiegel der Bevölkerung. Beide nehmen den Kanton Schwyz nicht als Tourismuskanton wahr.
In der Studie «Enjoy Schwyz» war unter anderem eine Erkenntnis, dass die Schwyzer zu wenig gastfreundlich sind. Geht das ins Gleiche?
Das ist kein Schwyzer, sondern ein gesamtschweizerisches Problem. Unsere Mentalität ist nicht die offenste, wir sind eher zurückhaltend. Das spiegelt sich in der teilweise fehlenden Gastfreundschaft wider. Das hat man aber erkannt und arbeitet daran. Verschiedene Kampagnen und auch das Gästival vom nächsten Jahr setzen dort an. Wir müssen die Gastgeber noch mehr dafür sensibilisieren, auch richtige und freundliche Gastgeber zu sein. Wir haben aber viele Vorzeigeunternehmen – auch in der Zentralschweiz –, die sogar für ihre Gastfreundschaft ausgezeichnet wurden. Vieles ist in diesem Bereich eben auch abhängig von den Unternehmen, deren Führung und Philosophie.
Was wünschen Sie sich von der Schwyzer Politik konkret?
Eine starke Unterstützung touristischer Projekte, auch betreffend Infrastruktur. Zudem eben ein grösseres Engagement, was die Finanzierung des Tourismus-Marketings angeht. Dies nicht nur vom Kanton, sondern auch von den Gemeinden. Denkbar wäre etwa, dass die Kurtaxen nicht nur auf lokaler Ebene bleiben.
Sie befürworten somit einen neuerlichen Anlauf für das Tourismusgesetz?
Sag niemals nie. Es wurde zwar bereits dreimal abgelehnt. Vielleicht müsste es in einer anderen Form daherkommen. Viele Kantone finanzieren das Tourismus-Marketing über eine gebundene Taxe. Eingebunden würden auch die Gastronomie und der Detailhandel, die ja alle Nutzniesser vom Tourismus sind. Momentan sind wir aber in einer Phase, wo jede Taxe oder Steuer einen schweren Stand hat. Diese Überlegungen müssten schon direkt aus der Politik kommen. Ob so was im Kanton Schwyz jedoch eine politische Mehrheit finden würde, steht in den Sternen.
Sie haben die Koordination angesprochen. Es gibt so viele Labels und in Schwyz immer noch rund 30 Tourismusvereine. Da blickt der Gast doch nicht durch ...
Das ist in der Tat schwierig. Wir haben einige Flaggschiffe, wirklich starke Unternehmen, die im Binnenmarkt eigenständig auftreten. Das macht auch Sinn. Diese Marken sind viel stärker als die Marke Schwyz. Ein Basler geht auf die Rigi, weil er auf die Rigi will, er geht nicht nach Schwyz. Solche Beispiele gibt es einige. Im Ausland treten aber keine Marken, ausser die Rigi, eigenständig auf. Da läuft alles über Schwyz Tourismus und ihre Partner.
Trotzdem. Macht es Sinn, dass jedes Dorf einen Tourismusverein hat?
Klar müssen grössere Destinationen geschaffen werden. Es braucht Strukturänderungen. Die Regionen müssen sich stärken und Unternehmen zusammengehen, wie es etwa die Mythenregion jüngst gemacht hat oder Bestrebungen in Stoos-Muotathal im Gange sind.
Synergien werden immer mehr genutzt. Das brauchte aber seine Zeit. Noch vor zehn Jahren hätten etwa gewisse Bergbahnen nie miteinander gemeinsame Sache gemacht.
Das war während meiner Zeit eine der schönsten Entwicklungen. Es wird viel mehr zusammengearbeitet. Ich freue mich, konnte Schwyz Tourismus dazu beitragen. Da lässt sich eine Entwicklung im Bereich Information feststellen. Destinationen arbeiten zusammen, aber nicht nur die Tourismusorganisationen, sondern auch die Leistungsträger in diesen Gebieten. Es brauchte Geduld, es ging nur Schritt um Schritt. Hier sind wir aber auf einem guten Weg.
Und was ist dabei die Aufgabe von Schwyz Tourismus?
Schwyz Tourismus ist eine Destinationsmanagement-Organisation. Sie bündelt all diese Produkte und bringt sie auf den Markt.
Bislang kam es noch nicht zur Hochzeit mit der Swiss Knife Valley AG. Ist dies kein Thema mehr?
Die Swiss Knife Valley AG hat nicht die gleichen Aufgaben wie wir. Mit der Bildung des Visitor Centers wurde sie eine noch stärkere Leistungsträgerin. Gemäss unserer Strategie wollen wir eine Lösung finden, ein Zusammengehen ist aber kein Thema mehr, da die Aufgaben zu unterschiedlich sind – sie ist Leistungsträgerin, wir eine Destinationsmanagement-Organisation. Wir suchen aber eine neue Form der Zusammenarbeit, erste Abmachungen wurden bereits getroffen, wie etwa, dass wir in Zukunft das Magazin herausgeben.
Wie hat sich der Tourismus in den letzten zehn Jahren in Schwyz überhaupt entwickelt?
Wir sind sehr gut aufgestellt, haben einige Flaggschiffe, die sich sehr positiv entwickelt haben. Im Tagestourismus, bei Seminarhotels und in einigen Nischenprodukten sind wir sehr stark. Im Grossen und Ganzen ist es eine gute Entwicklung, ich sehe viel Innovation, auch von kleinen Betrieben. Das meiste beruht aber auf privater Initiative. Probleme sehe ich aber in der Hotellerie, das Hotelsterben schreitet voran. Viele Betriebe haben zudem über Jahre hinweg nicht investiert.
Was kann man dagegen tun?
Wenig. Der Markt spielt hier stark. Wir müssen zwar den Übernachtungstourismus fördern. Dafür brauchen wir aber mittlere und grosse Hotels für Gruppen, insbesondere für die neuen Märkten wie Asien. Heute sind vor allem Mischbetriebe gefragt: Seminare, Gruppen, Einzelgäste.
Und wie kann man erreichen, dass wieder mehr Hotels gebaut und betrieben werden?
Indem wir aufzeigen, dass ein Markt da ist und wir diese Märkte auch bearbeiten. Die Politik ist dafür verantwortlich, dass die Hürden nicht zu gross sind. Etwa was die Auflagen betrifft. Aber auf die Initiative von Privaten haben wir praktisch keinen Einfluss. Wir können lediglich garantieren, dass wir die Produkte auf den Markt bringen.
Stolpersteine in den nächsten Jahren?
Wir müssen eine gute Balance zwischen Tages- und Übernachtungstourismus finden. Infrastruktur- und Verkehrsüberlastung sind hier die Stichworte. Die Verweildauer der Besucher muss grösser werden.
Wie erreicht man das?
Noch mehr Mittel für Marketing einsetzen und die Koordination dieses Marketings vorantreiben.
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Bereits Abonnent? Dann schnell einloggen.