«Ich freue mich, wenn sich die Spieler hohe Ziele setzen»
EHC-Chur-Trainer Herbert Schädler spricht über das heutige Eishockey-1.-Liga- Spiel in Biasca. Er blickt aber auch voraus und sagt, was dem Stadtklub noch fehlt, um ein Spitzenteam zu sein – und was getan werden sollte.
EHC-Chur-Trainer Herbert Schädler spricht über das heutige Eishockey-1.-Liga- Spiel in Biasca. Er blickt aber auch voraus und sagt, was dem Stadtklub noch fehlt, um ein Spitzenteam zu sein – und was getan werden sollte.
Mit Herbert Schädler sprach Jürg Sigel
Herbert Schädler, dem EHC Chur ist am Samstag mit der 1:4-Auswärtsnieder- lage gegen Winterthur der Auftakt zur Masterround resultatmässig missglückt. Waren Sie wenigstens mit der Leistung Ihrer Mannschaft zufrieden?
Herbert Schädler: Das erste und dritte Drittel von uns waren gut, wir nutzten unsere Torchancen aber nicht. Der Gegner war effektiver. Dazu muss jedoch erwähnt werden, dass Winterthur ein Top-1.-Liga-Team ist. Dieses schlagen wir nur, wenn wir am oberen Limit spielen. Wenn sich, wie am Samstag, zwei, drei Akteure nicht auf diesem oberen Level bewegen, reicht es eben nicht. Das Gleiche gilt, wenn wir gegen Dübendorf und Biasca antreten.
Ist Chur also keine Spitzenmannschaft?
Biasca hat in seinen Reihen elf Spieler mit NLA-Erfahrung, Winterthur will jedes Jahr Amateur-Schweizer-Meister werden, Dübendorf ist in der Organisation der ZSC Lions. Diese Vereine haben bedeutend mehr Luft nach oben als wir. So weit sind wir, was die ganzen Strukturen des EHC Chur betrifft, noch nicht.
«Wir müssen uns fragen, wohin wir wollen»
Was fehlt noch?
Wir müssen uns fragen, wo wir stehen und wohin wir in den nächsten Jahren wollen. Sollen die Strukturen professioneller werden? Für mich wäre dies der richtige Weg. Oder will man nur mit eigenen Leuten spielen? Nur mit Bündnern? Das sind Fragen, die es nicht jetzt, aber später zu beantworten gilt.
Irgendwann muss Chur ja wieder höhere Ziele anpeilen. Es kann doch nicht sein, dass sich der Klub immer nur mit 1.-Liga-Mittelmass begnügt. Das goutiert das Publikum irgendwann nicht mehr.
Ganz klar. Die Weichen müssen gestellt werden, es gilt, Synergien mit anderen Klubs zu suchen. Sogar in anderen Ländern funktioniert das längst so. Natürlich haben der Klub und der Vorstand im Moment andere Sorgen. Gleichwohl dürfen wir die National-liga B nicht aus den Augen verlieren. Wir, die Mannschaft und ich, haben Visionen. Das braucht aber Zeit, zwei bis drei Jahre.
Aktuell ist der vierte Platz das Ziel. Vor der Saison haben mehrere Chur-Spieler auf dem EHC-Chur-Fan-Portal allerdings verkündet, dass sie mehr wollen – sehr viel mehr. Sogar vom Ostschweizer 1.-Liga-Meistertitel war teilweise die Rede. Ist das zu dick aufgetragen?
Ich freue mich, wenn sich die Spieler hohe Ziele setzen. Das muss sein. Es wäre nicht gut, wenn es nicht so wäre. Aber wir müssen auch realistisch bleiben. Es stellt sich die Frage, wie gross die Wahrscheinlichkeit ist, solche Ziele bereits in dieser Saison zu erreichen. Fünf Prozent? Zehn Prozent? Oder mehr?
«Ideal kann man den Spielplan nicht nennen»
Die Fans haben auf jeden Fall Vertrauen in die Mannschaft – und in Sie als Coach und Trainer. Vor nicht allzu langer Zeit wurden Sie noch von vielen Seiten kritisiert, nun werden Sie plötzlich gefeiert. Wie haben Sie diese Wandlung erlebt?
(lacht) In diesem Business ist es halt so. Die Leute sind schnell mit Kritik da. Läufts sportlich gut, wird die Stimmung dann ebenso schnell überschwenglich. Doch es freut mich, wenn das Publikum die Mannschaft und mich feiert. Das zeugt von Vertrauen. Und dieses Vertrauen will ich zu 100 Prozent zurückzahlen. Allerdings darf man nicht vergessen, dass alles auch wieder kippen kann. Manchmal muss man plötzlich wieder unten durch.
Diese Gefahr besteht vielleicht wegen des Spielplans. Die ersten vier Partien im neuen Jahr muss der EHC Chur alle auswärts bestreiten.
Da hatte ich keinen Einfluss. Ideal kann man den Spielplan wahrlich nicht nennen; weder sportlich noch wirtschaftlich.
Weshalb wirtschaftlich?
Nach der Serie von Auswärtsspielen treten wir innerhalb von 18 Tagen fünfmal zu Hause an. In dieser kurzen Zeitspanne will oder kann sich nicht jeder ein Eishockeyspiel ansehen.
Ausser Chur siegt vorher auswärts noch ein bisschen ...
Ja, es liegt an uns, den Leuten den Gang ins Hallenstadion schmackhaft zu machen.
In Biasca wartet heute Abend aber keine leichte Aufgabe.
Es gibt Teams, die liegen uns besser. Trotzdem freue ich mich auf das Spiel gegen Biasca. Wir fahren ins Tessin, um den Gegner etwas zu ärgern, trotz der Absenzenliste.
Wer fehlt?
Lukas Willi, Dario Gartmann, Rico Bonorand und Pierino Bigliel sind alle verletzt. Ich rechne nicht damit, dass einer von ihnen eingesetzt werden kann. Das sind gewichtige Ausfälle. Doch ich sehe das nicht nur negativ. Es ist auch zusätzliche Motivation für jene, die dabei sind.
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