Hypothekarkredite für unter ein Prozent
Kanton Die Banken wissen nicht mehr, wohin mit dem vielen Geld. Doch Negativzinsen für Kunden sind derzeit noch kein Thema.
Kanton Die Banken wissen nicht mehr, wohin mit dem vielen Geld. Doch Negativzinsen für Kunden sind derzeit noch kein Thema.
Franz Steinegger und Frida Suter
Bisher galt: Wer Geld auf die Bank bringt, erhält dafür Zins. Doch die Schweiz wird seit fünf Jahren vom Mammon überschwemmt. Die Banken wissen nicht mehr, wohin damit. Die Schweizerische Nationalbank SNB führt ab heute Donnerstag Negativzinsen für grosse Geldbeträge ein, was das Geschäftsmodell der Bankenwelt auf den Kopf stellt: Der Grosskunde muss zahlen, wenn er Geld auf die Bank bringt. Die CS hat für Grossanleger bereits Negativzinsen eingeführt, weitere Banken überlegen sich diesen Schritt.
Kantonalbank «beobachtet»
Nicht so die Regionalbanken in unserem Rayon, wie Nachfragen bei der Schwyzer Kantonalbank SZKB, bei der Raiffeisen Waldstätte und der Sparkasse Schwyz enthüllen. «Die SZKB sieht keinen Grund, auf der Kundenseite Negativzinsen einzuführen», sagt Mediensprecher Peter Geisser. Sie werde aber den Markt, das Verhalten der Marktteilnehmer und der SNB aufmerksam verfolgen und bei Bedarf geeignete Massnahmen prüfen.
Liborzins im Negativen
Für die Raiffeisenbank Waldstätte ist der Negativzins der SNB Ausdruck des allgemein tiefen Zinsniveaus, wie Christian Schnetzler, Vorsitzender der Geschäftsleitung, erläutert: «Wir refinanzieren uns über die Raiffeisengruppe, die von grosszügigen Freibeträgen für inländische Banken profitiert.» Natürlich sind die rekordtiefen Zinssätze spürbar: Der Interbankensatz Libor mit einer Laufzeit von sechs Monaten liegt bei – 0,5 Prozent und ist damit seit einem Monat im Minus. «Die Banken müssen sich erst daran gewöhnen, dass es im Interbankenmarkt für einen Kredit Geld gibt und für eine Geldanlage bezahlt werden muss. Wir hoffen, dass sich diese Situation im Laufe des Jahres wieder normalisiert», meint Schnetzler. Derzeit sei es deshalb möglich, dass Libor-Hypotheken für unter ein Prozent Zins erhältlich sind. Es sei jedoch «kein grosser Fehler, wenn man beim gegenwärtigen Zinsniveau langjährige Festhypotheken abschliesst».
Die Schattenseite des billigen Geldes: Spareinlagen werfen praktisch nichts mehr ab. Weil sich eine Negativ-Inflation mit sinkenden Preisen abzeichne, behalte der Schweizer Franken zumindest seinen Wert. Als Alternative empfiehlt Schnetzler, das Geld zum Konsumieren auszugeben, die Hypothek zu amortisieren oder in eine Hausrenovation zu investieren. Für Risikobewusste sei die Gelegenheit günstig, in den Aktienmarkt einzusteigen.
«Ein Modell, das nicht aufgeht»
Auch die Sparkasse Schwyz wird keinen Zins verlangen, wenn Kunden ihr Geld auf die Bank bringen: «Wer Geld bringt, soll nicht noch dafür bezahlen, und wer Geld holt, darf nicht einen Zins erhalten. Ein solches Modell kann gar nicht aufgehen», hält Heinz Wesner fest, seit dem 1. Januar 2015 Vorsitzender der Geschäftsleitung. Das Dilemma für die Bank sei, dass der Darlehenszins nicht zu tief sein dürfe, «sonst verdienen wir nichts mehr». Aktuell seien langjährige Hypothekarkredite für unter 1,5 Prozent erhältlich. «Andererseits leiden die Sparer unter den tiefen Zinsen, weil sie fast nichts mehr für ihre Ersparnisse erhalten.»
«Konsum» als Zauberwort
Heinz Wesner weitet den Blick «über die erste Geländekammer hinaus», wie er es formuliert. Kunden und Banken hätten einen volkswirtschaftlichen Auftrag. «Wir dürfen nicht zulassen, dass die Preise ins Bodenlose sinken. Wir müssen zur Regionalität Sorge tragen, zu den KMU und zur hiesigen Wirtschaft und auch einmal ‹de Füfer la grad sii›.» «Konsumieren» ist für ihn das Zauberwort – ein wichtiger Treibstoff für den Wirtschaftsmotor. Ob jemand eine Hypothek abzahlen oder in den Aktienmarkt investieren wolle, komme auf die individuellen Verhältnisse und Bedürfnisse der Kunden an.
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