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Howey Senn: Im Sterbebett feierte er eine Abschiedsparty

Howey Senn: Im Sterbebett feierte er eine Abschiedsparty

Der Fernsehmacher Chris Strauch hat Howey Senn porträtiert. Eine Geschichte über einen Mann, der das Herz auf der Zunge trug und todkrank noch ein Fest steigen liess – ein Film über einen «Siebasiach».

Südostschweiz
20.09.13 - 02:00 Uhr

Von Pierina Hassler

Chur. – «Tschüss, ciao, moinz, am Mikrofon isch gsi, dr Howey Senn»: Film fertig, Licht an, ein Holzklotz, wer jetzt nicht zu Tränen gerührt ist. Die Rede ist vom «Siebasiach», einem Dokumentarfilm über Senn von Chris Strauch. Aber wer war Howey, der eigentlich Roman hiess? Wie kommt jemand auf die Idee, einen Film über diesen Mann zu machen? Howey Senn war Moderator bei Radio Grischa, Marketingprofi bei der damaligen Calanda Bräu und den Parsennbahnen und Medienprofi bei DJ Bobo. «Ein Siebasich eben», sagt Regisseur Strauch. «Einer, der das Herz auf der Zunge trug, einer mit Ecken und Kanten und immer voller Pläne.» All dies trug dazu bei, dass Strauch schon vor einigen Jahren einen Film über den Bündner Radiopionier drehen wollte. «Damals klappte es mit den Finanzen nicht», erzählt er. Und dann war es plötzlich fast zu spät für die filmische Howey-Story.

«Ich konnte nur noch schreien»

Senn bekam 2003 die Diagnose Hirntumor. Im Film erzählt er dies so: «Ich machte für meine Sendung auf Radio Grischa eine Strassenumfrage, plötzlich konnte ich meine Gedanken nicht mehr in Worte fassen.» Dreimal schafften es die Ärzte, den Tumor herauszuschneiden, doch dann bildeten sich Metastasen. Senn musste ein viertes Mal unters Messer – ein Jahr nach der Operation starb er. Senn litt auch unter dem Guillain-Barré-Syndrom. Eine Krankheit, die Nerven und Muskeln beeinträchtigt. Er hatte unvorstellbare Schmerzen. Senn im Film: «Es tat so weh, ich konnte nur noch schreien.»

«Dr Sieba- siach» sei ein Dokumentarfilm, welcher zwischen Schicksalsschlägen und Anekdoten schwanke, sagt Strauch. Im Film kommen neben Senn auch DJ Bobo und Marco Rima vor.

Bier und Salsiz

Die Zeit vor seinem Tod verbrachte Senn in der Palliativ-Abteilung des Kantonsspitals in Chur. Kurz vor seinem Tod lud er Freunde zu einer Party ein. Die Krankenschwester im Film: «Einer musste Salsiz organisieren, der andere Bier.» Strauch ist überzeugt, dass die Gäste keine Ahnung hatten, dass die Party als Abschied gedacht war. Am 12. April 2012 starb Senn – zwei Wochen nach der Spital-Party.

«Tschüss, ciao, moinz, am Mikrofon isch gsi dr Howey Senn.» In «Dr Siebasiach» ist wirklich nur der Schluss traurig.

«Dr Siebasiach» läuft am Wochenende im Kino Apollo in Chur.

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