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«Hochrisiko-Investitionen könnten Belastung werden»

Uri Dass Uri Millionen in das Skigebiet Andermatt-Sed­run investiert, wirft Fragen auf. Droht sogar ein Klumpenrisiko?

Südostschweiz
29.01.15 - 01:00 Uhr
Zeitung

«Der Ausbau bestehender Skigebiete ist nicht unproblematisch.»

Toni MOser, Sp, Bürglen

red. «Neue Investitionen in ein Skigebiet müssen in einem aktuell sehr schwierigen wirtschaftlichen Umfeld getätigt werden», erklärte Landrat Toni Moser gestern. «Sie sind somit als Hochrisiko-lnvestitionen zu betrachten, welche die öffentliche Hand auch künftig erheblich belasten könnten», meinte der Bürgler SP-Vertreter. Er nahm damit auch Bezug auf den Ausbau der Skianlagen von Andermatt und Sedrun. In die geplante Verbindung der beiden Skigebiete investiert der Kanton Uri à fonds perdu 4 Millionen, der Kanton Graubünden 3 Millionen Franken. Im Rahmen der Neuen Regionalpolitik (NRP) fliesst vom Bund ausserdem ein Darlehen in der Höhe von 40 Millionen Franken.

Zu viele Anlagen betrieben

«Der Ausbau bestehender Skigebiete ist nicht unproblematisch», betonte Moser gestern. Er verwies dabei auf einen am 8. Januar in der «NZZ» erschienenen Beitrag zur wirtschaftlichen Situation der Schweizer Bergbahnen. Unter dem Titel «Die Branche hängt an einem dünnen Faden» kommt der Autor zum Schluss: «Viele Bergbahnen betreiben im Vergleich zum Gästeaufkommen zu viele Anlagen.» Die Situation habe sich zudem in den vergangenen Jahren wegen des Schneemangels und des schlechten Wetters noch verschärft: Die Winterverkehrserträge der Schweizer Bergbahnen seien vom Winter 2008/09 zum Winter 2013/14 um 12 Prozent gesunken. Viele Bergbahnen seien darauf angewiesen, dass die öffentliche Hand bei Defiziten und Ersatzinvestitionen in die Lücke springe, da andere lnvestoren wegen fehlender Rendite ausblieben. Lediglich 10 Prozent der Schweizer Bergbahnunternehmen seien mittelfristig noch imstande, Ersatzinvestitionen aus eigener Kraft zu tätigen.

«Mitte Januar hat sich die Situation für die Schweizer Bergbahnen nochmals drastisch verschlechtert», gab Moser bei der Begründung seines Vorstosses zu bedenken. «Durch die Freigabe des Euro-Franken-Kurses hat sich die Schweizer Währung für die europäischen Gäste massiv verteuert.» Ferien und Skifahren in der Schweiz seien für viele Menschen aus dem EU-Raum zum nicht mehr finanzierbaren Luxus geworden. Auch würden Tausende von Schweizern fürs Skifahren nach Österreich, Italien oder Frankreich fahren. «Sie werden als Gäste nicht nur in den Hotelbetten, sondern auch bei den Bergbahnen fehlen», betonte Moser. Diese Entwicklung befürchtet auch die Uri Tourismus AG.

Auch eine Frage zu Skistar

Toni Moser stellt der Regierung in seiner Interpellation folgende Fragen:

? Welche Investoren werden sich nun neben Samih Sawiris, den Kantonen Uri und Graubünden sowie dem Bund beim Ausbau der Skigebietsverbindung Andermatt-Sedrun definitiv beteiligen? Ist das skandinavische Unternehmen Skistar ebenfalls in der Investorengruppe?

? Werden mit dem Ausbau des Skigebietes Andermatt-Sedrun nicht auch in dieser Region zusätzliche Überkapazitäten geschaffen?

? Wird das Skigebiet Andermatt-Sed­run auch in Zukunft eine ausreichende wirtschaftliche Basis haben? Wie hoch schätzt der Regierungsrat den volkswirtschaftlichen Nutzen der kantonalen Investitionen in die Skisportanlagen Andermatt-Sedrun ein?

? Sind die Investitionen von Bund und Kanton fix beschlossen und werden sie getätigt, oder sind je nach Entwicklung Neubeurteilungen des finanziellen Engagements der öffentlichen Hand vorgesehen?

? Was will die Regierung vorkehren, damit der Kanton künftig beim Skigebiet Andermatt-Sedrun nicht immer wieder in die Lücke springen muss, um Defizite oder Ersatzinvestitionen aufzufangen? Was will sie tun, damit die geplanten Neuinvestitionen nicht zum Klumpenrisiko für den Kanton werden?

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