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Hingis: «Spielerinnen coachen kann ich später immer noch»

tennis Die Nachricht stellte eigentlich nur eine Randnotiz auf einem grossen Online-Portal dar. Martina Hingis (34) wolle 17 Jahre nach dem verlorenen Final gegen Spanien in Genf für die Schweiz wieder Fedcup spielen.

Südostschweiz
28.01.15 - 01:00 Uhr
Zeitung

«Ich will nicht nur im Training gewinnen.»

Martina Hingis

si. Noch interessanter als die Meldung waren die Leserkommentare dazu: Es dominierte ungläubiges Staunen. Eine Medien-Ente? Oder ein verfrühter Aprilscherz? Aber es ist tatsächlich so: Zwölf Jahre nach ihrem ersten Rücktritt, siebeneinhalb Jahren nach dem letzten Rücktritt und anderthalb Jahre nach der Aufnahme in die «Hall of Fame» (in die man erst fünf Jahre nach dem Rücktritt aufgenommen werden kann) spielt Martina Hingis wieder voll motiviert und professionell Tennis, wenn auch nur noch Doppel.

Martina Hingis schlägt sich gut

Sie zählt als Nummer 9 der Welt schon wieder zu den Top Ten mit der Tendenz zu einer weiteren Verbesserung. Am US Open stand Hingis im Final. Im letzten Monat der letzten Saison gewann sie Turniere in Wuhan (China) und Moskau, alles mit Standardpartnerin Flavia Pennetta. Die neue Saison startete Hingis gleich wieder mit einem Turniersieg, in Brisbane, diesmal mit Sabine Lisicki, die sie vor einem Jahr noch gecoacht hat. Am Australian Open schied sie mit der Italienerin Pennetta in den Achtelfinals aus. Aber es gibt ja auch noch das Mixed. Dort steht sie mit Leander Paes in den Viertelfinals. Der Inder ist sogar schon 41-jährig und half vor 22 Jahren in Kalkutta mit, die Schweiz im Jahr nach dem allerersten Davis-Cup-Final aus der Weltgruppe zu bugsieren.

Das Engagement als Coach von Sabine Lisicki leitete das neueste Comeback von Martina Hingis ein. Im Training mit der Deutschen realisierte Hingis, dass sie immer noch mitzuhalten vermag. In Key Biscayne feierte sie mit Lisicki gleich beim zweiten Start den ersten Turniersieg. Während der gesamten Sandsaison vermochte Hingis ihren Schützling zu überzeugen, dass zusätzliche Starts im Doppel ihr auch im Einzel weiterhelfen. Vor Wimbledon realisierte Lisicki dann aber, dass Hingis eigentlich nicht mehr sie trainieren, sondern nochmals selber spielen will.

Erfolg als Coach ist weniger cool

«Mir wurde letzten Frühling klar, dass ich im Training mit den Girls immer noch mithalten kann», sagte Hingis in Australien. «Ich gewann Trainingsspiele. Ich wollte aber nicht nur im Training gewinnen. Ich wollte lieber nochmals spielen als coachen. Denn ein Erfolg als Coach ist viel weniger cool als selber Erfolg zu haben. Es hat mir gefallen, Sabine (Lisicki) zu helfen. Ich bin überzeugt, dass sie auch Grand-Slam-Turniere gewinnen kann. Aber ich kann später, wenn ich mit den Jungen nicht mehr mithalten kann, immer noch coachen.»

Olympische Spiele in Rio im Visier

Dass Hingis wieder Fedcup spielen will, macht deutlich, dass ihr Comeback kein Furz sein soll. Hingis plant langfristig; vielleicht reicht es ihr für Rio 2016 nochmals zu einer Olympiateilnahme. Schliesslich gibt es an den Sommerspielen auch Medaillensätze im Doppel und Mixed zu gewinnen. Um in Rio spielberechtigt zu sein, reicht es im Prinzip, sich für den Fedcup zur Verfügung zu stellen. Hingis erklärte dem Swiss-Tennis-Präsidenten René Stammbach, dass sie von nun an zur Verfügung steht. Ob Captain Heinz Günthardt die «Swiss Miss» in sein junges Fedcup-Team aufnehmen und einbauen will, steht indessen noch nicht fest. Das Team für das Auswärtsspiel in Schweden (nächste Woche) wurde schon vor dem Australian Open aufgeboten, ehe Hingis ihre Einsatzbereitschaft angemeldet hat.

Eine Olympia-Medaille in Rio an der Seite von Federer, Wawrinka, Bencic, Bacsinszky oder wem auch immer, könnte Hingis’ Popularität, Karriere und Erfolge in der Schweiz wieder ins rechte Licht rücken. Denn in ihrer Heimat fühlte sich Hingis zuletzt nicht mehr immer verstanden. Ihre bislang zwei Pressekonferenzen am Australian Open fanden in englischer Sprache statt. Denn in Australien und den USA wird Hingis geliebt wie eh und je. Die Fans jubeln ihr zu.

«Ich bekam wieder Hühnerhaut»

«Am US Open, als wir uns für den Doppel-Final qualifizierten, bekam ich erstmals seit Langem wieder Hühnerhaut auf einem Tennisplatz. Während der turnierfreien Zeit im November und Dezember konnte ich nicht erwarten, dass es endlich wieder losging.» Mit neun Siegen und nur zwei Niederlagen gelang der erste Monat der neuen Saison. Das nächste Spiel folgt am Mittwoch. Es ist der Viertelfinal im Mixed gegen die als Nummer 4 gesetzten Andrea Hlavackova (Tsch) und Alexander Peya (Ö).

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