Heiss, heisser, am … Abgrund?
Félix Stüssi
Félix Stüssi
<strong>«Einen solchen Winter</strong> habe ich noch keinen erlebt», erklärt Balzer Arpagaus, Schneemeister des Skigebiets Flims-Laax-Falera, drei Tage vor Weihnachten. Zusammen mit 20 weiteren Skiorten figuriert Laax zwar auf der neuen Website www.wirhabenschnee.ch, doch ist nur ein Drittel der Pisten befahrbar. Auch am Flumserberg, wo Anfang Monat die neue 6er-Sesselbahn eingeweiht wurde, wird bangend der grosse Schnee erhofft. Kleinere Skigebiete wie Brambrüesch oder Euthal gehen in die Gegenoffensive und bieten Spezialfahrten für Biker oder Wanderer an.
<strong>Diese Momentaufnahme</strong> passt zur Klimabilanz für das Jahr 2014. Die regionalen Daten des Schweizerischen Bundesamts für Meteorologie decken sich mit den weltweiten Beobachtungen der World Meteorological Organization: Noch nie, seit die Menschheit die Temperaturen aufzeichnet, ist es auf diesem Planeten wärmer gewesen. Die Gletscher schmelzen, und die Meere steigen schneller als es die pessimistischsten Modelle voraussagten. Es ist anzunehmen, dass Frau Holle im Alpenraum doch noch das weisse Tischtuch ausbreiten wird, aber laut dem bayrischen Wirtschaftsgeografen Jürgen Schmude müssen sich die alpinen Skiorte darauf einstellen, dass die idealen Wintersporttage nicht nur immer spärlicher werden, sondern sich im Kalender auch zunehmend nach hinten verschieben. Wird die Sport- woche schon bald Teil der Frühlingsferien sein?
<strong>Während sich</strong> die Nationen Anfang Dezember am Klimagipfel in Lima darum zankten, wer nun wann um wie viel die Produktion der Treibhausgase reduzieren müsse, zierte in Montreal ein grosses Plakat den Strassenrand: «Die Sonne ist verantwortlich für die Klimaerwärmung. Nicht Sie. Nicht das CO2.» Es braucht nicht viel Fantasie, um hinter dieser Werbekampagne der Friends of Science die Öllobby zu vermuten. Jedes Land schaut für sich, geblendet durch Profit und Ideologien. Ob sich Balzer Arpagaus um die grossen Zusammenhänge kümmert, ist nicht bekannt. Was für ihn aber sicher zählt, ist die Einweihung der grössten Halfpipe der Welt … Sie ist auf Anfang Januar 2015 verschoben worden.
Félix Stü?ssi lebt als Jazzmusiker in Montreal.
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