Heidbrink sorgt sich um Ruf
Er ist der ungekrönte König der Schweizer Bordelle und gilt dennoch als seriöser Geschäftsmann. Doch nun hat Ingo Heidbrink aus Schindellegi Probleme mit der Justiz, sein Einbürgerungsgesuch wurde sistiert. Das ärgert ihn, weil das Verfahren nichts mit seinen Geschäften zu tun hat, und weil es unnötig seinen Ruf schädige.
Er ist der ungekrönte König der Schweizer Bordelle und gilt dennoch als seriöser Geschäftsmann. Doch nun hat Ingo Heidbrink aus Schindellegi Probleme mit der Justiz, sein Einbürgerungsgesuch wurde sistiert. Das ärgert ihn, weil das Verfahren nichts mit seinen Geschäften zu tun hat, und weil es unnötig seinen Ruf schädige.
Von Andreas Knobel
Schindellegi. – Um seinen Ruf kümmert sich Ingo Heidbrink für gewöhnlich nicht. Als Betreiber von acht Sex-Tempeln in der ganzen Schweiz ist sich der 48-Jährige bewusst, dass ihm oft Misstrauen entgegenschlägt. Mit einer medialen Offensive – etwa einer Reportage im Schweizer Fernsehen sowie einem «TalkTäglich» bei TeleZüri – hat es der gelernte Jurist geschafft, sich als gewöhnlichen Geschäftsmann in einem ungewöhnlichen Gewerbe darzustellen. Dabei scheute er sich auch nicht, seinen Reichtum mit teuren Autos und Flügen in einem Privat-Jet zu zeigen. Negative Schlagzeilen waren dem Sex-Unternehmer bislang dennoch unbekannt – bis vor wenigen Wochen.
Eigentlich eine Bagatelle
Eingebrockt hat ihm dies sein Einbürgerungsgesuch und eine Unachtsamkeit. Die Gemeinde Feusisberg hatte Heidbrink bereits vergangenen Dezember ins Bürgerrecht aufgenommen. Die Bestätigung beim Schwyzer Kantonsrat wäre eigentlich nur noch Formsache gewesen. Einen Tag vor dem «Durchwinken» der Einbürgerungsgesuche wurde bei einer routinemässigen Kontrolle im vollautomatisierten Strafregister bemerkt, dass Heidbrink in ein Strafverfahren verwickelt ist. Die unangenehme Folge: eine Sistierung des Gesuches und eine kurze Meldung in der Lokalpresse. Dies alles bestreitet Ingo Heidbrink keineswegs. Ihn ärgert aber, dass nun alle Welt glaubt, das Strafverfahren habe etwas mit seiner Geschäftstätigkeit im Sexgewerbe zu tun, weshalb seine Integrität als Geschäftsmann angezweifelt werde.
Doch was wird dem Bordell-Be-sitzer vorgeworfen? «Ganz einfach, der Bruder meiner Lebenspartnerin hat sich zu lange in der Schweiz aufgehalten», erklärt Heidbrink. Damit habe er zwar gar nichts zu tun, der Rumäne habe jedoch als Tourist bei seiner Partnerin in Schindellegi gewohnt. Deshalb werde ihm nun «Förderung des rechtswidrigen Aufenthalts» vorgeworfen. Das Verfahren ist am 1. März eröffnet worden und dürfte sich noch weit über die Sommerferien hinausziehen.
Bis zur Klärung bleibt das Einbürgerungsgesuch sistiert – «und das ist auch richtig so», stellt der studierte Jurist klar. Er sieht dem Verfahren allerdings gelassen entgegen.
Gerne wählen und abstimmen
Dass er mit seinem Einbürgerungs-gesuch juristische Probleme bekommt, hätte Heidbrink nicht erwartet. Der noch-deutsche Staatsangehörige ist in der Schweiz geboren, in Pfäffikon aufgewachsen und seit vielen Jahren in Schindellegi wohnhaft. Zudem ist er Vater dreier Mädchen und regelmässiger Kirchgänger, wie er betont. Einbürgern lassen wollte er sich, weil sich Deutschland immer mehr zum Überwachungsstaat gewandelt habe. Nun müsse er aber feststellen, dass sich die Schweiz in die genau gleiche Richtung entwickle. «Wo ist der schweizerische Geist geblieben?», fragt er.
Ingo Heidbrink macht auch keinen Hehl daraus, dass er sein Einbürgerungsgesuch nicht erneuern würde, wenn es wegen des Strafverfahrens bis zum Ende der eidgenössischen Einbürgerungsbewilligung im Juni 2015 hinausgezögert würde. Einen Einfluss auf sein Leben hätte es nämlich kaum, das Stimm- und Wahlrecht würde er jedoch schon gerne wahrnehmen, gesteht er, und zwar als Schweizer Bürger mit unbescholtenem Ruf.
Ingo Heidbrinks guter Ruf in der Sexbranche beruht auf seinem Geschäftsmodell. In seinen acht Betrieben in der Schweiz gehen die Frauen und Männer als Gäste ein und aus, alle bezahlen Eintritt. Was danach ausgehandelt wird, bleibt dem Kunden und der Sexarbeiterin überlassen. Wobei jedoch die Aufenthalts- und Arbeitsbewilligungen streng überprüft werden müssen. Die Personenfreizügigkeit sei seinem System enorm nützlich, räumt Heidbrink ein.
Auch ohne direkt vom Geld mit der käuflichen Liebe zu profitieren, rechnet sich die Sache dank der Eintritte bestens. Alleine im «Globe» in Schwerzenbach, dem Flaggschiff der Etablissements, gehen täglich über 200 Kunden und Frauen ein und aus, was einen monatlichen Umsatz von über einer halben Million ausmache, wie es in einer Fernsehreportage hiess. Im Jahr 2010 soll Ingo Heidbrink ein Ein-kommen von 2,8 Mio. Franken aus- gewiesen haben. (bel)
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