×

Hacker-Attacke in Jona

Hündin Lischa bellt beim Empfang aufgeregt, schnuppert ein paar Mal – und döst erschöpft weiter. In den Büros der Joner Firma Hiwin ist nach einem turbulenten Morgen wieder Alltag eingekehrt.

Südostschweiz
23.01.15 - 01:00 Uhr
Zeitung

Doch nur ein paar Stunden zuvor hätten sich hier Fernsehleute, Journalisten und Kantonspolizisten die Klinke in die Hand gegeben, erklärt Firmenchef Daniel Schraner.

Auslöser für die Aufregung war die gehackte Firmenwebsite: Anstatt Informationen zur Firma erschien am Dienstagmorgen eine Karikatur. Darin pinkelte ein Hund auf das Grab der «Charlie Hebdo»-Redakteure. Darunter erschien das islamische Glaubensbekenntnis – zuerst auf arabisch, dann auf französisch. Für ihn gebe es keinen Grund, wieso jemand aus­gerechnet seiner Firma schaden wollte, sagt Schraner und lächelt bemerkenswert gelassen. «Der Auslöser für die Hackerattacke liegt in Frankreich. Wir lassen unsere Homepage von einem französischen Provider betreuen.» Daniel Schraner setzt sich an seinen Schreibtisch und zeigt auf dem Computer ein Bild der gehackten Website. «Der Provider wurde in der Nacht von Montag auf Dienstag gehackt. Tausende französischer Kunden waren davon betroffen.»

Spezialisten der Kantonspolizei meldeten sich beim Firmenchef. «Sie fragten mich, ob wir uns bedroht fühlten.» Schraner verneinte. «Die Tat war wahrscheinlich bloss ein Zufallstreffer.» Angst habe er deswegen jedenfalls nicht. Aber es sei doch beruhigend, wie sich die Kantonspolizei da­rum gekümmert habe. Als die Beamten ihn fragten, ob er Strafanzeige erstatten wolle, winkte er ab. «Ich fragte sie wozu? Das bringe der Polizei nur Papierarbeit – aber keinerlei neuen Erkenntnisse. Also verzichtete ich.» Entdeckt hatte den Hackerangriff nicht Schraner selber, sondern die Leiterin seiner französischen Filiale. «Ich war unterwegs, als sie mir eine SMS schrieb.» Als er seine entstellte Website schliesslich sah, war er «nicht wahnsinnig berührt.» Schraner rekapituliert den Vorfall sachlich – so als würde er von einem interessanten Geschäftsessen erzählen.

Angesichts der Tätigkeit seiner Firma sehe er keinen Grund zur Besorgnis. Schliesslich verkaufe man hochpräzise Technikkomponenten und nicht etwa Rüstungsgüter. Tatsächlich werden deren Produkte wie Kugellager vielfach in medizinischen Diagnosegeräte eingesetzt. Bei der Rekrutierung seiner Angestellten zähle Leistung – nicht Religion, betont Schraner. «Übrigens haben wir auch muslimische Mitarbeiter», sagt er.

Die Sicherheitslücke beim französischen Provider ist mittlerweile behoben, und in Jona hat man schon Werbemails von IT-Sicherheitsfirmen erhalten. Das firmeneigene Netzwerk sei jedenfalls gut gesichert, sagt Schraner. schmunzelnd. Plötzlich bellt die Hündin aufgeregt. Der Chef beruhigt: «Das ist bloss wegen der Frau, die mit Hündin Lischa spazieren geht.»

Kommentieren
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Könnte euch auch interessieren
Mehr zu Zeitung MEHR