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Grossmutters Geisterfahrt für den Schosshund

In nur 14 Tagen sind gleich drei Geisterfahrer von der Kantonspolizei vermeldet worden. Im letzten Jahr waren somit insgesamt neun Falschfahrer auf Bündner Strecken unterwegs.

Südostschweiz
07.01.15 - 01:00 Uhr
Zeitung

Von Anja Conzett

Chur. – «Geisterfahrer in beiden Richtungen auf der A13 zwischen…» Insgesamt elf Mal wurde das Radioprogramm im letzten Jahr von dieser Meldung unterbrochen – im Schnitt fast einmal monatlich. In den vergangenen zwei Wochen wurde gleich dreimal vor Falschfahrern auf der Autobahn zwischen Bellinzona und dem Bodensee gewarnt. Jede der Warnungen betraf den Raum Chur.

Baustelle Chur Süd verantwortlich?

Ob ein Zusammenhang mit der Kreiselbaustelle bei der Ausfahrt Chur Süd besteht, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, da keiner der Falschfahrer von der Polizei auf die genauen Umstände hin befragt werden konnte. Wie in den meisten Fällen haben die Geisterfahrer sich wieder in den Verkehr eingereiht, bevor die Einsatzwagen vor Ort waren. Thomas Rohrbach vom Bundesamt für Strassen (Astra) relativiert einen möglichen Zusammenhang: «Baustellen sind sicher ein Faktor, der zum Falschfahren führen kann. Rund die Hälfte aller Geisterfahrer sind jedoch nicht falsch abgebogen, sondern wenden auf der Autobahn.» Über die Ursachen, weshalb innerhalb von 14 Tagen gleich drei Geisterfahrer in Graubünden unterwegs waren, könne er nur spekulieren, so Rohrbach weiter. «Statistisch fahren vor allem Senioren und Menschen unter Alkohol- und Drogeneinfluss falsch.» Im Gotthardraum würden zudem immer wieder Touristen von ihren Navigationsgeräten auf die falsche Spur geführt.

Was immer die Gründe für das gehäufte Auftreten von Falschfahrern während der Weihnachstferien sein mögen – die Bündner Autobahn- strecke schneidet gemessen an den Zahlen des letzten Jahres schlecht ab: Neun der elf Geisterfahrer auf der A13 waren auf Kantonsgebiet unterwegs. Der Bündner Anteil entspricht somit knapp einem Zehntel der Falschfahrermeldungen schweizweit.

Mangelnde Signalisierung?

Laut Astra erfüllt die Baustelle Chur Süd die verkehrstechnischen Sicherheitsvorschriften des Bundes. Wie die Signalisierung auf der Baustelle darüber hinaus verbessert werden könnte, ist seit Montag dennoch Gegenstand von Abklärungen zwischen Polizei, Tiefbauamt und dem Bundesamt.

Ob die vom Bund verordnete Signalisierung allgemein verbesserungswürdig sei, fragte Ständerat Stefan Engler in einem Vorstoss, nachdem im Frühling die Geisterfahrt eines Senioren bei Zizers tödlich endete.

Rohrbach antwortet stellvertretend für den Bund: «Um Falschabbiegern vorzubeugen sind innerhalb der letzten drei Jahre die Beschilderungen der Aus- und Einfahrten verbessert worden.» Im Tessin testet der Bund zusätzlich eine neue Technologie auf Radarbasis, die Falschabbieger umgehend auf ihr Verhalten aufmerksam macht und die Polizei verständigt.

Mit dieser Antwort zeigte sich Engler auf Anfrage nur bedingt zufrieden. «Das Pilotprojekt im Tessin ist erfreulich. Dennoch finde ich, dass andere Länder mit einer besseren Signalisierung arbeiten, sei das mit herabhängenden Schildern oder Nagelbrettern, die die Reifen aufschlitzen, wenn man in die falsche Richtung fährt.»

Gegen die Geisterfahrt einer älteren Dame, die – wie Rohrbach zu berichten weiss – auf der Autobahn wendete und fünf Minuten lang bis zur nächsten Einfahrt zurückfuhr, weil sie ihr Schosshündchen zu Hause vergessen hatte, dürften aber auch solche Massnahmen keine Wirkung zeigen.

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