Grüne Kreuzfahrten: Natur fährt mit
Auf ihren 15 Schiffen bemüht sich die Kreuzfahrtgesellschaft Costa um ein überdurchschnittliches Umwelt-Management. Das kommt bei den Gästen an.
Auf ihren 15 Schiffen bemüht sich die Kreuzfahrtgesellschaft Costa um ein überdurchschnittliches Umwelt-Management. Das kommt bei den Gästen an.
Von Werner Catrina (Text und Bilder)
Über eine luftige Brücke verschwinden die Gäste in Gruppen im riesigen, weissen Bauch der «Costa Concordia» und wirken klein wie Ameisen. Die siebentägige Mittelmeerreise, die unter anderem nach Palermo, Tunis, Palma de Mallorca und Marseille führt, beginnt in der oberitalienischen Hafenstadt Savona, wo Busse ohne Unterlass vorfahren, darunter mehrere Cars der Firma Marti, welche den Zubringerdienst aus der Schweiz besorgt. Die angepeilten Reiseziele sind für viele Passagiere nicht so wichtig, die meisten wollen einfach das Schiff erleben, was bereits in der atemberaubenden, turmhohen Lobby mit den auf und nieder gleitenden, gläsernen Liften beginnt.«Wir sind in der Unterhaltungsindustrie tätig», erklärt Fabrizia Greppi, Vizepräsidentin Marketing & Communication von Costa an der Pool-bar. Der Kreuzfahrtanbieter legt Wert darauf, ein italienisches Unternehmen zu sein, das in Italien Steuern zahlt und auf dessen 15 Kreuzfahrtschiffen die italienischen Flagge flattert. Die Reederei gehört zur internationalen Carnival-Gruppe, unter deren Schirm elf Kreuzfahrtunternehmen vereinigt sind. Fast jedes Jahr lässt Costa ein neues Schiff vom Stapel; künstliche Ferieninseln mit rund 1100 Kabinen, davon über 700 mit Balkon. Was kaum ein Hotel schafft, bewältigen die «Costa Concordia» und ihre Schwesterschiffe «Deliziosa», «Luminosa» und «Mediterranea» scheinbar mühelos: Nämlich 2800 oder mehr Gäste im gehobenen Stil zu beherbergen, fein zu verpflegen und fast rund um die Uhr zu unterhalten, während draussen die Welt wie in einem Bilderbuch vorbeizieht.
Beliebtes Mittelmeer
Heiser ertönt das Schiffshorn am späten Nachmittag, majestätisch gleitet der weisse Musikdampfer von der Mole, Savona schrumpft unmerklich, das Ferienschiff nimmt Kurs in Richtung Civitavechia bei Rom. Ein Katzensprung sozusagen, entsprechend gemächlich und energiesparend bewegt sich das schwimmende Hotel nach Süden, die Küstenlinie grüsst am Horizont. Der Fahrtwind erfrischt, ob das Schiff nun mit 14 oder 28 Knoten dahinzieht. Dank raffiniertem Energie-Management konnte der Treibstoffverbrauch der Flotte um fünf Prozent auf eine Tonne pro drei gefahrene Seemeilen reduziert werden. Bei den neusten Costa-Schiffen sorgt eine Reihe technischer Innovationen für mehr Umweltverträglichkeit. So lassen die Schiffe in den Häfen nicht wie üblich ihre eigenen Dieselgeneratoren laufen, um das elektrische System an Bord in Gang zu halten, sondern beziehen den Strom vom Netz an Land, was keinen Lärm verursacht und die Luftqualität schont. Weder Lampen noch Fernseher funktionieren in unbenutzten Kabinen; Costas Schiffe setzen Standards in der Kreuzfahrtindustrie für Energie und Abfall-Management, ohne den Gast damit gross zu behelligen. Das Mittelmeer mit seinen historischen Städten und attraktiven Stränden ist eine beliebte Region für Kreuzfahrten. Irgendwann überholt die MSC «Fantasia» der in Genf domizilierten MSC Cruises unser Schiff. MSC ist mit ihren zehn neuen Kreuzfahrtschiffen der wohl schärfste Konkurrent von Costa mit ebenfalls stark steigenden Kundenzahlen aus der Schweiz. Die «Fantasia» fährt die gleiche Route wie wir und wird uns auf der ganzen Kreuzfahrt immer wieder begegnen.
Umweltschulung fürs Personal
Das Leben an Bord gewinnt an Fahrt, ein Heer von gegen 1000 gut ausgebildeten Mitarbeitenden – die meisten aus Ländern wie den Philippinen, Indien und Malaysia – umsorgt die Gäste in Bars und Restaurants als Zimmer-Stewards, Unterhalter oder Sicherheitspersonal. Alle sind sie nicht nur im Service geschult, sondern auch in Belangen des Umweltschutzes. Alberto Bertolino, verantwortlich für das Umwelt-Management auf dem Schiff, führt jeweils sämtliche neu in Savona ankommenden Crew-Mitglieder in einer Schulung in die Thematik ein. Abfalltrennung ist Standard; von der Costa-Flotte werden im Jahr rund 1700 Kubikmeter Glas und 450 Kubikmeter Aluminium zum Recyceln gesammelt. Durch verschiedene Massnahmen konnte der Abfallberg pro Tag und Passagier von 8,2 auf 7,5 Liter reduziert werden. Sogenanntes «graues Wasser», vorgereinigtes Wasser aus dem Sanitär-Bereich, wird mindestens zwölf Meilen vom Land entfernt ins Meer gelassen, obwohl internationale Regeln vier Kilometer zulassen.
Vergnügen steht an erster Stelle
«Die Gäste sind in der Regel sehr kooperativ und verständig», lobt Bertolino, «Batterien finden wir kaum im Abfall. Glas und Papier landen in den vorgesehenen Behältern auf den Decks.» Die Costa-Schiffe beherbergen – mit den Mitarbeitenden – bis zu 5000 Menschen; eine Kleinstadt auf dem Wasser. Umso wichtiger ist der schonende Umgang mit den Ressourcen. «Unser Meer ist absolut schützenswert, es ist verboten, irgendwelche Gegenstände hineinzuwerfen, auch keine Zigarettenstummel», ertönt es während der Rettungsübung über den Lautsprecher. Aufdringlich soll der Umweltgedanke jedoch nicht an den Gast gebracht werden; denn das Publikum will sich amüsieren und erholen und soll nicht mit zu vielen Ver- und Geboten konfrontiert werden. Auf dem Menü stehen heute zwischen Palermo und Tunis mehrere Sorten Fisch, ob sie aus dem ausgebeuteten Meer oder aus Zuchten kommen, interessiert die Menschen in Ferienstimmung weniger. Manch ein Teller bleibt im Umfeld des Buffets halbvoll stehen; organische Abfälle wie Esswaren werden speziell behandelt, erhitzt und als Nährstoff dem Meer zurückgegeben.
Viele Gäste aus der Schweiz
Der Oktober ist der stärkste Kreuzfahrtmonat der Schweizer Costa-Filiale, wie Nicole Jordan, Marketingveranwortliche des Unternehmens in Zürich erklärt, da in der Deutschschweiz die Herbstferien an den Schulen in der ersten Monatshälfte und in der Westschweiz in der zweiten Hälfte terminiert sind. Kinder bis 18 Jahren, die mit zwei Erwachsenen eine wöchige Kreuzfahrt erleben und die Kabine teilen, bezahlen nur die Hafentaxe. Wie die Erfahrung zeigt, werden diese Gratispassagiere später oft zu zahlenden Gästen.Schweizer Kunden – rund 30 000 im Jahr – wüssten beim Anruf an die Costa-Buchungszentrale meist genau, was sie wollten, erklärt Frau Jordan, und oft gingen die teuersten Balkonkabinen zuerst weg. Obwohl also die hiesige Kundschaft den Rappen beim Buchen einer Kreuzfahrt generell nicht zweimal umdreht, warf es einige Wellen, als das Verbrauchermagazin «K-Tipp» Anfang Februar Preisvergleiche für Costa-Kreuzfahrten publizierte, bei denen dieselbe Reise, gebucht in Deutschland und Österreich, zehn Prozent und in den USA gar ein Drittel weniger als hierzulande kostete. Costa Schweiz liess verlauten, die Preise würden am Konzernsitz in Genua gemacht. Der US-Preis sei so günstig, weiss ein Brancheninsider, weil die Amerikaner wegen ihrer Spielverluste im Bord-Casino indirekt mehr zahlten als helvetische KreuzfahrerDie französische Hafenstadt Marseille, letzte Station der Kreuzfahrt, rückt ins Blickfeld, die MSC «Fantasia» ist bereits im Hafen vertäut, es wird langsam Zeit, die Koffer zu packen. Noch einmal werden die Gäste diskret daran erinnert, dass sie ihre Ferien auf einem «grünen» Schiff mit den höchsten Umweltstandards der Branche verlebten. Dies versüsst den Abschied und motiviert zum Wiederkommen.
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