Geplatzte Träume nach 133 Metern
Simon Ammann hat seine Hoffnungen auf den ersten Gesamtsieg an einer Vierschanzentournee bereits nach dem ersten Sprung begraben müssen. In Oberstdorf landete er gestern bei guten 133 Metern, stürzte dann jedoch kopfvoran.
Simon Ammann hat seine Hoffnungen auf den ersten Gesamtsieg an einer Vierschanzentournee bereits nach dem ersten Sprung begraben müssen. In Oberstdorf landete er gestern bei guten 133 Metern, stürzte dann jedoch kopfvoran.
Von Peter Lerch
Skispringen. – «Hauptsache nichts passiert», sagt sich wohl jeder Skispringer nach einer Bruchlandung mit über 100 km/h im Schnee. Der Toggenburger Simon Ammann hingegen verschwendete gestern (noch) keine Gedanken an das Glück im Unglück. Er sah bloss den geplatzten Traum vom Gewinn der Tournee.
Beim 17. Anlauf in einer derart guten Verfassung witterte er die Chance, die letzte Lücke in seinem herausragenden Palmarès zu schliessen – Einzel-Olympiasieger, Weltmeister, Skiflug-Weltmeister und Gesamtweltcup-Sieger ist er bereits. «Der eine oder andere Kraftausdruck ist mir durch den Kopf gegangen», sagte der Titelverteidiger von Oberstdorf niedergeschlagen aber gefasst.
Mit den 133 Metern im Duell gegen Peter Prevc – der Slowene setzte mit der Tagesbestweite von 139,5 m eine tolle Telemark-Landung – wäre Ammann über die Lucky-Loser-Regelung sicher in den zweiten Durchgang gelangt und hätte sich in der Gesamtwertung der Tournee zumindest im Gespräch gehalten. Der Sturz unmittelbar nach der Landung führte jedoch zu derart hohen Punktabzügen, dass der vierfache Olympiasieger ausschied. Die Regel, wonach ein Springer mit Sturz zum zweiten Umgang antreten darf, sofern er 95 Prozent der Bestweite erreicht hatte, griff nicht. Der Passus wird nicht rein mathematisch angewendet, sondern die Windwerte werden miteingerechnet. Somit fehlten 60 cm.
«Ein Quäntchen hat mir gefehlt»
«Man darf einfach nicht stürzen. Es ist so oder so schlecht, auch wenn ich über die Weitenregel noch den zweiten Durchgang erreicht hätte», betonte Ammann. Er habe einen guten Flug gehabt und auch die Landung schön angesetzt. «Der Neuschnee stockte ein bisschen. Ein Quäntchen hat mir gefehlt, um das Gleichgewicht zu halten. Ich hatte das ganze Gewicht auf dem linken Fuss und konnte die Vorwärtsbewegung nicht mehr stoppen.»
Die Analyse ergab, dass Ammann abgesehen vom Sturz ein solider, aber kein Supersprung gelungen war. Er fand sogar leichten Aufwind und die beinahe besten Verhältnisse aller fünfzig Konkurrenten vor. Die 133 m wären auch ohne Sturz zu wenig gewesen, um mit dem Sieger Kraft oder seinen ersten Verfolgern Michael Hayböck (Österreich) und Prevc mitzuhalten. Ammann bliebt nichts anderes übrig, als den Blick nach vorne zu richten. «Ich habe schone einige Enttäuschungen erlebt. Ich brauche jetzt etwas Zeit. Aber wenn ich wieder am Start sehe, richtet sich der Fokus wieder auf die neuen Aufgaben.»
Austria-Adler wieder da
Die unter ihrem neuen Cheftrainer Heinz Kuttin desolat in die Saison gestarteten Österreicher meldeten sich zum Tournee-Auftakt mit eine Doppelsieg der jungen Stefan Stark und Michael Hayböck zurück. Der 21-jährige Kraft feierte überlegen vor seinem Zimmerkollegen und Prevc seinen ersten Weltcup-Erfolg. Die Österreicher waren überhaupt – sieht man von Kamil Stoch ab, der nach einer Knöchelverletzung sein erstes Weltcup-Springen der Saison bestritt – die grossen Sieger bei dem erneut im Schneetreiben stattfindenden Springen, das am Sonntag abgebrochen worden war. Auch Routinier Andreas Kofler kann als Fünfter hinter Doppel-Olympiasieger Stoch hoch zufrieden sein.
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