Gemischte Gefühle bei Aussteigerin Boner
Finalteilnehmerin Laurien van der Graaff und die überraschende Viertelfinalistin Seraina Boner haben gestern im Münstertal Werbung für den darbenden Schweizer Frauenlanglauf gemacht. Boners Freude war jedoch nicht ungetrübt.
Finalteilnehmerin Laurien van der Graaff und die überraschende Viertelfinalistin Seraina Boner haben gestern im Münstertal Werbung für den darbenden Schweizer Frauenlanglauf gemacht. Boners Freude war jedoch nicht ungetrübt.
Von Johannes Kaufmann
Langlauf. – Mit 32 Jahren erlebte die Langläuferin Seraina Boner in Tschierv eine Premiere. Erstmals zog die erklärte Langstrecken-Spezialistin im Weltcup in einen Sprint-Viertelfinal ein. Ein starkes Stück. «Den Kampf Frau gegen Frau kenne ich ja bloss vom Swiss Cup», sagte die Klosterserin mit einem Lachen im Gesicht. Es herrschte also Freude bei Boner. Und trotzdem wirkte ihr Lächeln auch ein wenig gequält. Der Grund: Boner verliess gestern die Tour de Ski. Sie tat dies nicht freiwillig. Der Hintergrund: Seit vier Jahren ist Boner primär in der Langstrecken-Rennserie «Ski Classics» aktiv. Sie ist als mehrfache Gesamtsiegerin ein Star der Szene und verdient auch gutes Geld mit ihrem Sport. Weil am Wochenende die Ski Classics mit einem Wettkampf im tschechischen Liberec fortgesetzt werden, entstand ein Interessenkonflikt. Gestern nun teilte Boners Privatteam ihrer Läuferin mit, dass ihr Tour-Abenteuer beendet ist. «Natürlich hätte ich die Tour de Ski gerne fortgesetzt», bekannte Boner. Sie sagte aber auch: «Ich weiss, wer mich bezahlt und es ist klar, dass ich den Entscheid akzeptiere.» Wie bei ihrer ersten und einzigen Teilnahme 2008/09 beendet Boner die Tour de Ski nicht. Damals musste sie krankheitshalber aufgeben.
Björgen dominiert
Der Blick aufs Gesamtklassement versüsst Boner ihren Tour-Ausssieg definitiv nicht. Sie lag auf Gesamtrang 15. Angeführt wird das Feld von der gestern erneut siegreichen Marit Björgen. Die norwegische Dominatorin steht vor ihrem ersten Sieg an der Tour de Ski. 1:11 respektive 2 Minuten beträgt ihre komfortable Reserve auf ihre ersten Verfolgerinnen, die Teamkolleginnen Heidi Weng und Therese Hohaug.
Auf Rang 28 liegt Nathalie von Siebenthal. Sie trat als einzige Schweizerin die Weiterreise nach Toblach an. Die 21-jährige Landwirtin aus dem Berner Oberland gilt als Rohdiamant. Erst seit zwei Jahre gehört von Siebenthal einem Swiss-Ski-Kader an. Dementsprechend gross ist ihr Steigerungpotenzial.
«Heim-Double» für Van der Graaff
Laurien van der Graaff verliess derweil die Tour de Ski wie geplant nach dem einzigen Sprint. Die 27-jährige Davoserin tat dies mit einem guten Gefühl im Gepäck. Zum zweiten Mal nach Davos stiess sie vor Heimpublikum ins Finale vor. Van der Graaff ist nach zähem Saisoneinstieg in ihrer Paradedisziplin Skating-Sprint zurück in der Weltelite.
Im Final war sie als Sechste dann zwar chancenlos. Sie nahm es stoisch hin. «Da hatte ich mein Ziel schon erreicht und genoss den Lauf und die tolle Ambiance in vollen Zügen», sagte van der Graaff.
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