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Gegenwind für Deutschlands Pegida-Patrioten

Gegen die Pegida-Bewegung in Deutschland formiert sich Widerstand. In einem Appell beziehen Wirtschaftsführer und Politiker gemeinsam Stellung gegen die sogenannten Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes.

Südostschweiz
07.01.15 - 01:00 Uhr
Zeitung

Berlin. – Dem islamfeindlichen deutschen Pegida-Bündnis gelang es bei seiner inzwischen fast schon traditionellen Montagsdemonstration in seiner Hochburg Dresden zwar, die Rekordzahl von rund 18 000 Menschen zu mobilisieren. Bei Pegida-Kundgebungen in Berlin und Köln waren die Sympathisanten der islamfeindlichen Bewegung jedoch den Gegendemonstranten zahlenmässig deutlich unterlegen (siehe Grafik).

So musste der Veranstalter der ersten Pegida-Demonstration in Köln einen Marsch zum Kölner Dom kurzfristig absagen – rund 7500 Menschen waren gegen rund 250 Pegida-Anhänger auf die Strasse gegangen. Der Propst des Doms liess aus Protest gegen den geplanten Pegida-Marsch kurzerhand die Dombeleuchtung ausschalten.

«Aufstand der Anständigen»

Gleichzeitig formiert sich Widerstand aus Politik und Wirtschaft gegen die selbst ernannten «patriotischen Europäer». In der gestrigen Ausgabe des Boulevardblatts «Bild» wandten sich in einem gemeinsamen Appell unter anderen die Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt und Gerhard Schröder (beide SPD) gegen die Pegida-Demonstrationen. Schmidt kritisierte, die Proteste würden an «dumpfe Vorurteile, an Fremdenhass und Intoleranz» appellieren. Die Pegida-Proteste seien «nicht Deutschland». Die Bundesrepublik dürfe Flüchtlinge und Asylbewerber nicht verstossen: «Deutschland muss weltoffen und tolerant bleiben.» Schröder bekräftigte in der Zeitung seine Forderung nach einem neuen «Aufstand der Anständigen» gegen Fremdenfeindlichkeit. Dazu hatte er als Kanzler im Jahr 2000 nach einem Brandanschlag auf eine Düsseldorfer Synagoge aufgerufen.

Auch Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) schloss sich dem Appell gegen Intoleranz an. «Parolen ersetzen keine Fakten: Deutschland braucht Zuwanderer», sagte er der «Bild». Aussenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) erklärte, Pegida werfe «ein schlechtes Bild auf Deutschland». Es sei wichtig, zu verdeutlichen, «dass diejenigen, die da auf einigen Strassen ihre Parolen rufen, eine kleine Minderheit mit einer lauten Stimme sind».

Der Chef des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Ulrich Grillo, sprach sich ebenfalls für Zuwanderung aus. «Deutschland tut qualifizierte Einwanderung richtig gut.» Gegen jede Form von Fremdenfeindlichkeit müsse vorgegangen werden. Deutsche-Post-Chef Frank Appel mahnte, in Deutschland dürfe «kein Platz sein für Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz». Der Manager der Fussball-Nationalmannschaft, Oliver Bierhoff, erklärte: «Wir sind Weltmeister geworden mit vielen Spielern, die Migrations-Hintergrund haben. So selbstverständlich wie wir in der Nationalelf Integration leben, so sollte es auch in der Gesellschaft funktionieren.»

Treffen mit der AFD

Als einzige der in Bundes- oder Landesparlamenten vertretenen Parteien sucht die rechtspopulistische AFD den Kontakt zur Pegida-Bewegung. Die sächsische Landtagsfraktion will sich heute mit Vertretern der Bewegung treffen. AFD-Bundesvize Hans-Olaf Henkel riet seiner Partei derweil, mehr Abstand zu halten. (sda)

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