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Ganongs Siegpremiere bei der Premiere in Santa Catarina

Die Ski-Weltcup-Premiere der Männer in Santa Catarina hat gestern mit einer Premiere geendet. Der US-Amerikaner Travis Ganong feierte in der letzten Abfahrt des Jahres den ersten Sieg.

Südostschweiz
29.12.14 - 01:00 Uhr
Zeitung

Von David Bernold

Ski alpin. – Im März 2012 war Ralph Weber Junioren-Weltmeister im Super-G und Zweiter in der Abfahrt geworden, und im Europacup hatte er im vorletzten Winter die Abfahrts-Wertung für sich entschieden. Im Weltcup tat sich der 21-jährige Ostschweizer bislang aber schwer. Zu Punkten hatte es ihm noch nie gereicht. In Santa Caterina aber, auf der wegen starken Windes im obersten Teil verkürzten Strecke «Deborah Compagnoni», packte Weber seine Chance, die sich ihm bei den im Verlauf des Rennens verbesserten Bedingungen bot. Er belegte Rang 10 und war damit direkt hinter Didier Défago bester Schweizer.

Schwerarbeiter Weber

Für sein mit Abstand bestes Ergebnis im Weltcup hatte Weber Schwerarbeit zu verrichten. Seine erste Fahrt mit der Nummer 34 musste er nach rund 50 Sekunden unterbrechen, nachdem der vor ihm gestartete Kanadier Tyler Werry gestürzt war. Der zweite Versuch gelang ihm dann vorzüglich. Der zusätzliche Kraftverschleiss vermochte ihm ebenso wenig anzuhaben wie die Begleitumstände, die der zweite Anlauf mit sich brachte. Weber musste mit der Gondel wieder hochfahren und den Weg zum Starthaus mit den Rennski hinter sich bringen. Für eine neuerliche Präparierung der Ski reichte die Zeit selbstredend nicht mehr; der Servicemann musste sich auf das Abziehen des Belages beschränken. «Ich hatte gewusst, dass es schwierig werden würde. Deshalb gab es für mich nur noch die Devise 'alles oder nichts'», berichtete der Athlet aus Gossau.

Défago war drei Hundertstel schneller als Weber. Der mittlerweile 37 Jahre alte Walliser hat sich natürlich mehr erhofft als Platz 9, sieht sich aber gleichwohl auf einem guten Weg. «Die Konstanz kehrt nun auch in der Abfahrt zurück», sagte der zweifache Familienvater. Eine gewisse Regelmässigkeit in der schnellsten alpinen Disziplin hat sich auch Sandro Viletta erarbeitet. Der Olympiasieger in der Super-Kombination wurde wie in Beaver Creek (USA) Zwölfter. Zwei Ränge dahinter folgt Carlo Janka. Der Obersaxer gehörte zu jenen Fahrern, welche eine Abfahrt über die volle Distanz begrüsst hätten. Mauro Caviezel, ein weiterer Bündner, holte mit Platz 19 seine ersten Weltcup-Punkte in einem einzelnen Rennen. Sogar auf Anhieb lieferte der Schwyzer Urs Kryenbühl ein zählbares Ergebnis ab. Der mit der Nummer 51 gestartete Fahrer aus dem C-Kader von Swiss-Ski belegte bei seinem Weltcup-Debüt Rang 25.

Patrick Küng, als Nummer 1 im Schweizer Team in den WM-Winter gestartet, kommt nach wie vor nicht wie gewünscht auf Touren. Nach drei Ausfällen bei den letzten vier Starts musste sich der Glarner («Ich bin im Moment auf den Ski eher Mitfahrer als Pilot») mit Platz 21 bescheiden. Marc Berthod und Beat Feuz schieden aus. Berthod verpasste ein Tor, Feuz stürzte und klagte hernach über leichte Schmerzen an Schulter und Knie.

Nur eine Frage der Zeit

Der Name Travis Ganong ist ausserhalb des Weltcup-Zirkus erst wenigen ein Begriff. Der Sieg des Sohns eines Arztes mit eigener Praxis in Lake Tahoe in Kalifornien kommt trotzdem nicht überraschend. Seit er als Siebenter im Januar in Kitzbühel sein Bestresultat egalisiert hatte, klassierte sich Ganong in den folgenden sieben Abfahrten fünfmal in den ersten sechs, bei den Olympischen Spielen in Sotschi wurde er Fünfter. «Ich wusste, dass der erste Sieg nur eine Frage der Zeit ist, wenn einmal alles zusammenpasst. Und heute war so ein Tag.» Der zweite aufeinanderfolgende Abfahrts-Sieg eines Amerikaners nach jenem von Steven Nyman, der vor zehn Tagen auf seinem bevorzugten Terrain in Gröden zum dritten Mal gewonnen hatte, war Tatsache. Das Selbstvertrauen hatte sich Ganong mit konstant guten Leistungen in der Saisonvorbereitung geholt. «Auch im Vergleich mit den Österreichern und den Schweizern war ich stets bei den Besten dabei.»

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