Fünf Gründe, warum 2015 für die USA ein Schicksalsjahr ist
Die wirtschaftliche Supermacht USA findet zu alter Stärke – zumindest, wenn es nach den jüngsten Konjunkturdaten geht. Doch das Schreckgespenst einer erneuten Krise ist noch nicht gebannt. 2015 könnte zum Schicksalsjahr werden.
Die wirtschaftliche Supermacht USA findet zu alter Stärke – zumindest, wenn es nach den jüngsten Konjunkturdaten geht. Doch das Schreckgespenst einer erneuten Krise ist noch nicht gebannt. 2015 könnte zum Schicksalsjahr werden.
Von Marco Mierke (sda)
Washington. – Die Lage der weltgrössten Volkswirtschaft ist von globaler Bedeutung. Nach einem insgesamt guten Jahr könnten sich die USA 2015 endgültig aus dem ökonomischen Krisenmodus verabschieden. Doch auf dem Weg dahin liegen einige Stolpersteine:
1. Der Drahtseilakt der US-Notenbank
2015 dürfte die Federal Reserve (Fed) erstmals seit rund neun Jahren die Zinsen erhöhen. Die US-Wirtschaft wächst wieder kräftig und der Arbeitsmarkt erholt sich so gut wie seit den Neunzigerjahren nicht mehr. Die Notenbank kann ausser der geringen Inflationsrate also kaum noch Gründe finden, an dem historischen Niedrigzins knapp über null Prozent festzuhalten. Das absehbare Ende der Billiggeld-Ära birgt aber Gefahren. So könnten steigende Kreditkosten den Immobilienmarkt ausbremsen oder Firmen an Investitionen hindern. Die Zentralbank-Chefin Janet Yellen will einen wirtschaftlichen Schock und überstürzte Reaktionen an den Börsen unbedingt vermeiden. Deshalb betonte sie im Dezember, «geduldig» zu bleiben und behutsam vorzugehen. Mindestens bis Ende April wird ihr zufolge an der Zinsfront nichts passieren.
2. Das Drama um die Schuldenobergrenze
Mitte März ist es wieder so weit: Die Schulden der USA könnten das gesetzliche Limit überschreiten. Bereits jetzt ist das Minus in der Staatskasse fast eine Billion Dollar höher, als es eigentlich sein dürfte – die Grenze liegt bei 17,2 Billionen. Nur weil das Limit 2013 nach schwerem Streit zwischen den Demokraten von Präsident Barack Obama und den Republikanern einfach bis zum 15. März 2015 ausgesetzt wurde, darf sich die Regierung derzeit Geld pumpen. Es ist wahrscheinlich, dass die Republikaner die Erhöhung oder weitere Aussetzung der Obergrenze wieder an harte Zugeständnisse des Präsidenten knüpfen. Die Frage ist, ob sie es dabei sogar auf ein Verstreichen der Frist ankommen lassen und die USA zumindest kurzzeitig in den Bankrott stürzen. Doch auch wenn eine Einigung wie so oft erst in letzter Minute erfolgt, könnte die Nervosität an den Finanzmärkten der amerikanischen Wirtschaft erfahrungsgemäss schaden.
3. Die Stunde der Wahrheit für die Konjunktur
Die Erholung von der schwersten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg verlief in den USA sehr schleppend. Es dauerte mehr als sechs Jahre, um die 8,7 Millionen verlorenen Arbeitsplätze wieder aufzubauen. Das Wachstum des Bruttoinlandprodukts blieb hinter dem Nachkriegsdurchschnitt von 3,2 Prozent zurück. Ökonomen zweifelten, ob die weltgrösste Volkswirtschaft je wieder zu alter Stärke findet. Nun scheint sich die Lage rasant zu verbessern. Die Konjunktur legte im dritten Quartal aufs Jahr gerechnet um fünf Prozent zu. In vier der letzten fünf Quartale lag das Plus über drei Prozent. Analysten rechnen auch im neuen Jahr mit einem hohen Tempo. Doch die US-Wirtschaft ist anfällig. Sie hängt zu 70 Prozent vom Konsum der Bürger ab. Deren Löhne steigen langsam, die Langzeitarbeitslosigkeit ist hoch, der Abstand zwischen Arm und Reich wächst. Die Konsumlaune kann schnell kippen.
4. Der Fluch des starken Dollar
Eine starke Währung zu haben, klingt erstmal gut. Tatsächlich aber bereitet der steigende Dollarkurs den Amerikanern zunehmend Sorgen. In den letzten sechs Monaten wurde die Leitwährung gut zwölf Prozent teurer – und damit auch die Güter, die andere Länder aus den USA importieren. Steigende Preise können zu sinkender Nachfrage nach US-Produkten führen. Zugleich werden Produkte aus dem Ausland für die Amerikaner günstiger. Konsequenz: Das zuletzt geschrumpfte US-Aussenhandelsdefizit könnte 2015 wieder deutlich wachsen. Eine Zinserhöhung der Fed könnte den Dollaraufschwung noch verstärken.
5. Die Bremskraft der Weltwirtschaft
Die USA sind weltwirtschaftlich längst nicht mehr so isoliert, wie sie es einmal waren. Die schwächere Konjunktur in China, die lahmende Volkswirtschaft in Japan, Wachstumsschwäche in Europa oder der Rubelzerfall in Russland – die möglichen negativen Ausstrahlungseffekte auf Amerika sind laut Fachleuten nicht zu unterschätzen. «Das grösste Risiko ist eines, an das wir nicht gedacht haben», sagte etwa Professor Justin Wolfers von der University of Michigan dem Fernsehsender NBC. Insgesamt erscheine die US-Wirtschaft aber robust genug, um mittelschweren globalen Problemen standzuhalten.
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