Freitauchen birgt in der Höhe mehr Gefahren als üblich
Der Sportler, dessen Begleiter am Samstag beim Training zu einem Weltrekordversuch im Freitauchen verunfallt ist, ist sehr erfahren. Ein möglicher Grund für den tödlichen Unfall ist die Höhenlage von Davos.
Der Sportler, dessen Begleiter am Samstag beim Training zu einem Weltrekordversuch im Freitauchen verunfallt ist, ist sehr erfahren. Ein möglicher Grund für den tödlichen Unfall ist die Höhenlage von Davos.
Von Olivier Berger
Davos/Freiburg. – Gestern Abend gab es noch keine Hinweise auf die Gründe für den Unfalltod eines Freitauchers im Davosersee. Der 42-jährige Mann aus dem Kanton Zürich war beim Training für den Weltrekordversuch eines anderen Sportlers am Samstag verunfallt. Insgesamt waren drei Taucher unter der Eisdecke des Davosersees unterwegs, wie die Kantonspolizei Graubünden in einer Mitteilung schreibt. In verschiedenen Abständen seien vorgängig Löcher in die Eisdecke geschnitten worden.
Als der dritte Taucher der Gruppe nicht wie erwartet nach 20 Sekunden beim 50-Meter-Sicherheitsloch auftauchte, tauchte ihm laut der Kantonspolizei sein Vordermann entgegen, konnte ihn aber nicht finden. Ein sofort eingesetzter Tauchter mit Sauerstoffflasche konnte den Vermissten finden und zum Einstieg begleiten. Er wurde mit dem Helikopter ins Kantonsspital Graubünden nach Chur geflogen, wo er seinen Verletzungen gestern Vormittag erlag.
Weltrekordhalter ist schockiert
Der für gestern vorgesehene Weltrekordversuch wurde nach dem Unfall sofort abgesagt. Geplant gewesen war, dass ein Schweizer Freitaucher unter dem Eis eine Strecke von mehr als 108 Metern zurücklegen sollte: mit nur einem Atemzug vor dem Eintauchen. Damit wollte sich der Schweizer Sportler einen Eintrag im «Guinnessbuch der Rekorde» sichern. Der amtierende Weltrekordhalter, Nik Linder aus Freiburg (Deutschland), zeigte sich gestern schockiert über den Unfall. Beim Taucher, welcher seinen Rekord habe brechen wollen, handle es sich um einen «sehr erfahrenen Sportler, der das Freitauchen auch nicht auf die leichte Schulter nimmt».
Linder, Medienverantwortlicher der deutschen Sektion des Freitaucher-Weltverbands Aida, warnte gestern aber auch vor den Gefahren des Tauchens ohne Geräte unter Eis. «Ich denke, man unterschätzt die Belastungen für den Körper schnell», betonte er. Diese seien besonders in der Davoser Höhenlage grösser als unter gewöhnlichen Umständen. Er selber habe im Januar auf 1600 Metern über Meer einen Rekordversuch unternommen. «Im Schwimmbad schaffe ich unter Wasser Distanzen von bis zu 160 Metern, hier musste ich aber schon viel früher auftauchen und hatte ein Blackout.» Seinen Weltrekord von 108 Metern habe er schliesslich auf 900 Metern über Meer geschafft.
Auftauchen nicht immer möglich
Zu den Gefahren beim Eistauchen gehört laut Linder nicht nur die sauerstoffärmere Höhenluft. «Unter dem Eis braucht man auch einen dickeren Anzug und dadurch mehr Gewicht für den Abtrieb.» Während beim «normalen» Streckentauchen jederzeit aufgetaucht werden könne, sei dies unter Eis nur bei den Sicherheitslöchern möglich. «Dazu kommt, dass man diese Löcher unter Wasser gar nicht immer sieht.»
Unter normalen Umständen sei Freitauchen an sich nicht sehr gefährlich, erklärte Linder. Dies gelte auch für Disziplinen wie das Tieftauchen – wenn es unter Kontrolle stattfinde. «Verglichen mit Fischern, die ebenfalls mit angehaltener Luft auf den Grund tauchen, passieren bei den Sportlern sehr wenige Unfälle.» Allerdings gebe es ein Restrisiko. «Die Unfälle, von denen man hört, ereignen sich in der Regel aber, wenn Taucher ohne Aufsicht und auf eigene Faust trainieren», so Linder.
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