×

Franzosen wollen Geld von Schweizer Banken

Nach der Pariser Justiz gehen auch französische Privatkunden gegen Schweizer Banken vor. Ihre Millionenforderung wird mit deren brüskem Kurswechsel begründet.

Südostschweiz
31.12.14 - 01:00 Uhr
Zeitung

Von Stefan Brändle

Paris. – 50 französische Kontoinhaber sind brieflich an den Schweizer Bankenombudsmann Marco Franchetti gelangt. Sie kritisieren einen «Mangel an Beratung und Information» durch UBS oder Credit Suisse und bereiten Entschädigungsklagen in Millionenhöhe vor, wie ihr Anwalt Daniel Richard erklärte. Der französische Advokat begründet seine Eingabe generell damit, dass seine Klienten in falscher Sicherheit gewiegt worden seien. Jahrzehntelang hätten ihnen Schweizer Banken wie UBS und CS sichere Anlagen im Schutz des Bankgeheimnisses versprochen. «Sie schufen sogar Strukturen, um Geldwäsche und Steuerbetrug zu begünstigen», sagte Richard gegenüber dem Onlineportal der Zeitung «Le Figaro».

Abrupter Kurswechsel

Dann, im April 2014, hätten die Schweizer Grossbanken ihr Verhalten gegenüber der Kundschaft brüsk geändert, meint Richard: «Sie wechselten von einer laschen Haltung zur Belästigung.» Plötzlich hätten sie die Kunden vor die Wahl gestellt, ihre Guthaben in der Schweiz dem französischen Fiskus zu deklarieren – oder ihre Konten zu verlieren. Seit der Jahrhundertwende hätten sich die Kosten der Offenlegung ausländischer Konten gegenüber dem französischen Fiskus aber verzehnfacht.

Richard betont, bei seinen Klienten handle es sich nicht um reiche Vermögensanleger, sondern um Angestellte und Grenzgänger mit zumeist «bescheidenen Einkommen». Sie alle hätten dem Schweizer Bankgeheimnis vertraut, ohne eine exklusive Vermögensverwaltung zu geniessen. Deshalb habe sie der abrupte Kurswechsel der Grossbanken unvorbereitet getroffen, als diese plötzlich die Kontotransparenz verlangt hätten. «Eine solche Änderung der Haltung ist unakzeptierbar», erklärte Richard.

Druck aufbauen

Der französische Anwalt gibt keine Begründung an, warum er an den Ombudsmann in Zürich und nicht direkt an die Gerichte gelangt. Damit wird auch nicht recht klar, über welche Instanz er, wie er sagt, «mehrere Millionen Euro als Entschädigung» verlangt. Möglicherweise will er zuerst öffentlichen Druck aufbauen oder das politische Umfeld sondieren.

Im Jahresbericht 2013 hatte Ombudsmann Franchetti einerseits festgehalten, dass ausländische Bankkunden ihre Konten in der Schweiz immerhin aus freien Stücken eröffnet hätten und jede Bank ihrerseits frei ist, Verträge zu kündigen. Andererseits brachte er den französischen Kontoinhabern auch ein gewisses Verständnis entgegen, wenn die Bank für die Offenlegung eine unverhältnismässig kurze Frist angesetzt hatte.

Banken hatten keine Wahl

UBS und Credit Suisse verweisen mit einem gewissen Recht auf den Umstand, dass es keine Privatberatung brauchte, um in den letzten Jahren zu merken, dass das Bankgeheimnis wankte. Und dass die Banken ihrerseits gar keine Wahl haben, als den neuen OECD-Standards – zum Beispiel mit dem automatischen Informationsaustausch – zu folgen.

Kommentieren
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Könnte euch auch interessieren
Mehr zu Zeitung MEHR