Finnische Legende, Gretzkys rechte Hälfte, KHL-«Pionier»
Wer am Medientermin nicht nur Interview-, sondern auch Autogrammwünsche zu erfüllen hat, muss ein Grosser sein. Jari Kurri, General Manager von Jokerit, ist es zweifellos. Kurri gilt als der finnische Eishockeyaner aller Zeiten.
Wer am Medientermin nicht nur Interview-, sondern auch Autogrammwünsche zu erfüllen hat, muss ein Grosser sein. Jari Kurri, General Manager von Jokerit, ist es zweifellos. Kurri gilt als der finnische Eishockeyaner aller Zeiten.
Von Kristian Kapp
Eishockey. – «Geduld. Das ist das Schlüsselwort in Russland», sagt Jari Kurri. Der 54-Jährige aus Helsinki ist zwar kein Russe, aber General Manager seines Stammklubs Jokerit, dem ersten finnischen Klub in der grösstenteils russischen KHL. Und, obwohl auch debattiert werden kann, ob dieser Titel eher dem kürzlich zurückgetretenen Teemu Selänne gehört, ist für viele Eishockeyfans in und ausserhalb Suomis klar: Kurri ist der grösste finnische Spieler aller Zeiten. Es spricht vieles dafür: Die Rekorde, die er aufstellte und teilweise immer noch hält in der NHL, der Liga, die er bereits als 20-Jähriger eroberte. Oder die fünf Stanley Cups, die er mit den damals grandiosen Edmonton Oilers, für viele das beste Team aller Zeiten, gewann. Oder natürlich seine Rolle innerhalb jenes Teams: Kurri durfte jahrelang neben Wayne Gretzky stürmen. Der Grösste aller Zeiten in der Mitte, Kurri rechts. «Ich bin sehr glücklich, das erlebt zu haben», sagt er.
Geduld hier …
«Geduld», das sagt Kurri heute als Teil der KHL. Geduld, weil halt vieles anders laufe in Russland. Die Reiserei, Gelder und Löhne, die nicht sofort fliessen, die finanziellen Probleme diverser Teams, die ständige Ungewissheit über die Zukunft der Liga. Und doch gefällt ihm die Rolle: Ein finnisches Team, sein finnisches Team, in der wichtigsten Liga Europas zu führen. Auf vorerst drei Jahre ist der Vertrag Jokerits mit der KHL begrenzt. «Ich hoffe, dass wir aber auch noch in zehn Jahren dabei sind, dann vielleicht auch mit schwedischen oder deutschen Teams», sagt Kurri.
Jokerit ist derzeit Zweiter der KHL-Westgruppe. Dafür geniesse es Respekt in Finnland, sagt Kurri. Zu Beginn war alles anders. Jokerit, das der eigenen Liga Adieu sagt und sich Russlands Meisterschaft anschliesst? Kurri: «Es gab sehr gemischte Reaktionen. Jokerit hat eine grosse Geschichte in Finnland.» Doch heute seien viele Finnen stolz auf sein Team. Umgekehrt bleibe der Konflikt aus vergangener Historie aus, sagt Kurri. Finnland war bis knapp vor dem Ende des Ersten Weltkriegs Teil des russischen Reichs, doch als grosser Rivale werde Jokerit nur in St. Petersburg empfangen.
… Geduld da
Eine der häufigsten Fragen, die er als KHL-Manager beantworten müsse, sei jene der sportlichen Stärkeverhältnissen: Top-Team NHL gegen Top-Team KHL – wer gewinnt? «Es sind wegen der unterschiedlichen Eisflächen verschiedene Arten Eishockey», sagt Kurri. «Wenn du aber das KHL-Team drei Monate lang in Nordamerika spielen lässt, wird es danach mithalten. Ein Vergleich mit nur ein, zwei Spielen wäre unfair.»
Wo Kurri auftaucht, wird er von Enthusiasten des Eishockeys natürlich vor allem über Vergangenes befragt. Die ewige Frage wird auch in Davos gestellt: Er neben Gretzky, warum klappte das so vorzüglich? Und wie immer, kann Kurri nur «Ich weiss es nicht» sagen und mit dem Finger schnippen: «Es klappte halt einfach.» Der damalige Coach, der legendäre Glen Sather, der Kurri neben Gretzky stellte, umschrieb das Warum vor rund 30 Jahren ähnlich: «Ich hatte einfach eine Vermutung.»
Die glorreichen Jahre mit den Oilers, die vielen Titel, das mit Stars gespickte Team, all das seien wunderbare Erinnerungen, sagt Kurri. Kürzlich wurden sie bei einer «Klassenzusammenkunft» in Edmonton wieder aufgefrischt. Kein Wunder, blutet Kurris Herz, wenn er an die aktuellen Oilers, den völlig desolaten Schwanzklub der NHL, denkt. «Sie haben ja so viele gute junge Spieler», sagt ein nachdenklicher Kurri. Er hat einen Ratschlag, den er mittlerweile in der KHL befolgt: «Geduld haben.»
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