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Fata Morgana – die trügerische Luftspiegelung

Nicht nur Wasser und Glas reflektieren Lichtstrahlen. Auch ganz gewöhnliche Luft kann unter bestimmten Umständen zum Spiegel werden.

Südostschweiz
15.05.14 - 02:00 Uhr

Mike Nilles

Schon so mancher Wüstenwanderer hat sich auf der Suche nach einer Oase von einer Fata Morgana täuschen lassen. Es ist auch wirklich verrückt! Aus einer sandigen Fläche entsteht plötzlich ein riesiger See.

Im Sommer lassen sich diese Seen auch in unseren Regionen beobachten. Wird eine dunkle Strasse von der Sonne stark erhitzt, bilden sich richtige Pfützen auf dem Asphalt, die aber beim Näherkommen wieder verschwinden. In diesen Pfützen spiegeln sich Autos, Menschen, Häuser und der Himmel. Da eine Wasseroberfläche ähnlich stark spiegelt, meldet unser Gehirn einen See oder ein Meer. Aber wie kann eine trockene Strasse zum Spiegel werden?

Knick im Licht

Licht breitet sich immer gradlinig aus. Es gibt keine Taschenlampe, mit der sich im Bogen um die Ecke leuchten lässt. Trotzdem können Lichtstrahlen ihre Richtung ändern. Das lässt sich mit einem einfachen Trick zeigen. Stell einen Bleistift in ein Glas mit Wasser. An der Wasseroberfläche sieht er leicht geknickt aus. Natürlich ist der Schreiber heil geblieben. Aber wenn Lichtstrahlen von einem leichten Medium wie Luft in ein schweres Medium wie Wasser eintauchen, ändern sie an der Grenze ihre Richtung. Sie werden gebrochen.

Heisse und kalte Luft

Wenn nun die Sonne die Strasse stark erhitzt, bildet sich direkt über dem Boden eine Schicht mit heisser Luft. Darüber befindet sich wiederum eine Schicht mit kühlerer Luft. Auch hier besteht zwischen heisser und kalter Luft eine Grenze. Und auch hier werden die Lichtstrahlen gebrochen. Ein Teil dieser umgelenkten Lichtstrahlen fällt ins Auge des Betrachters. So entsteht der Eindruck eines riesigen Spiegels, der mitten auf der Strasse liegt und in dem alle darüber liegenden Objekte zu sehen sind.

Der fliegende Holländer

Besonders interessant sind Luftspiegelungen von Objekten, die hinter dem Horizont liegen. Seefahrer berichteten von Schiffen, die hoch durch die Luft zu fliegen scheinen.

Über dem Meerwasser liegt dann eine kalte Luftschicht. Und darüber eine warme. Wieder ist eine Grenzschicht entstanden. Und wieder wirkt sie wie ein Spiegel. Nur diesmal blickt der Betrachter nach oben. Er blickt also von unten nach oben auf eine Spiegelfläche, die im Himmel schwebt. Je nach Wetterlage kann er dann Schiffe sehen, die knapp hinter der Horizontlinie auf dem Meer fahren. Die Geschichte vom fliegenden Holländer geht auf diese Luftspiegelungen zuru?ck.

Eine böse Fee

Der Begriff Fata Morgana stammt aus Italien. Fata bedeutet Fee. Die Fee Morgana bewohnte der Sage nach eine für Sterbliche unerreichbare Insel. Einige Fischer beobachteten immer wieder das Auftauchen einer solchen Insel vor der italienischen Küste. Als sie sich dann auf den Weg machen wollten, verschwand sie wieder. Also gab man der Erscheinung den Namen Fata Morgana.

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