Fanny Smith: Gut vernetzt und innovativ
Skicross Fanny Smith ist die Frau der ersten Schweizer Skicross-Stunde. Zusammen mit ihrem Coach Nantermod hat sie einen speziellen Karriereplan entworfen.
Skicross Fanny Smith ist die Frau der ersten Schweizer Skicross-Stunde. Zusammen mit ihrem Coach Nantermod hat sie einen speziellen Karriereplan entworfen.
si. Im Alter von 15 Jahren hat sich Smith für das Solo ihres Lebens entschieden. Weil sie die Nachwuchs-Strukturen von Swiss-Ski für nicht geeignet hielt, kontaktierte sie zusammen mit ihrem Vater Guillaume Nantermod, der sich im Frühling 2007 aus der internationalen Snowboard-Elite zurückgezogen hatte. Nach ein paar Treffen war eine Kooperation beschlossen, die bis heute anhält. Die vormals schüchterne Schülerin hat sich zur globalen Championne entwickelt.
«Wir haben eine Pyramide geschaffen und uns etwas aufgebaut», bilanziert Nantermod. Die zunächst nur sporadische Zusammenarbeit ist inzwischen ein Projekt von respektabler Grösse. Mäzene und Sponsoren investieren jährlich Hunderttausende von Franken.
Tiefpunkt und eine Erkenntnis
Smith pflegt ihr Image im Circuit. Sie kommuniziert auf allen Kanälen. Die fotogene Sportlerin wird geschätzt. Ihre Energie passt zum Energy-Drink-Hersteller, der ihr finanziell zur Seite steht. Und doch: Vor knapp elf Monaten kam in Rosa Chutor ein Kapitel dazu, das nicht zur allgemeinen Erfolgsgeschichte passt. Smith stoppte sich im olympischen Halbfinal mit einem «unforced error» selber. Endlose Tränenströme statt Champagner, Stillstand statt Fortschritt. Das Out schmerzte sie monatelang, «es war schlimmer als jeder körperliche Schmerz», schweift Nantermod zurück. «Sie wird aber daran wachsen. Nicht nur der Fahrfehler ist abgespeichert, sondern auch die Erfahrung.»
Tempi passati
Die Verarbeitung der unschönen russischen Episode ist abgeschlossen. Am Kreischberg peilt das Mini-Team unter Schweizer Flagge das grosse internationale Comeback an. Nantermod träumt von Gold: «Fanny hat enorm viel investiert. Und sie wird im Kopf bereit sein, die Herausforderung anzunehmen.» Die hohen Ziele kommen nicht von ungefähr. In den Tagen vor dem nächsten wichtigen Rendez-vous bot Smiths Coach die Prominenz der Szene auf. Zusammen mit den französischen Olympia-Stars Chapuis, Bovolenta und Midol optimierte die Nummer 1 der Schweizer Frauen ihre Technik auf den ersten Metern. Der lokale Pistenbauer entwarf in Villars eine Startpassage, die ziemlich genau dem Kurs der WM in Österreich entspricht. «Vor grossen Anlässen haben wir immer wieder spezielle Einheiten durchgeführt. Solche Efforts sind psychologisch wichtig», erklärt Nantermod. Die zweitägige Session mit den Franzosen sei wunderbar verlaufen. «Der Vergleich mit den besten Männern bringt ohnehin viel. Fanny konnte quasi unter Wettkampfbedingungen trainieren.»
Nantermod und Smith probieren permanent neue Lösungen aus. Das energische Duo tickt ziemlich ähnlich. Beide mögen das Spielerische, beide können aber auch absolut fokussiert handeln, beide wollen immer gewinnen. Es gehe oft auch darum, auf allen Ebenen Grenzen auszuloten – im Sommer im Kajak oder auf dem Bike, im Winter im Schnee. Der Wettkampf kommt in verschiedenen Facetten vor, das Durchsetzungsvermögen ist das Ziel.
Konsequenter Alleingang
In ihrer Planung spielen sie selber die Hauptrolle. «Fanny ist entsprechend flexibel. Wir können das Programm innert Stunden ändern und uns die Trainingspartner auswählen.» Nantermod hält den konsequenten Alleingang für vorteilhaft, Ressentiments seitens von Swiss-Ski spüre er keine.
«Skicross ist die Kunst der Verdrängung», hat die «FAZ» die Essenz der spektakulären Sportart auf den Punkt gebracht. Nantermod stimmt zu: «Man muss den Konkurrenten in jedem Run signalisieren: ‹Hey, hier setze ich mich durch, niemand sonst.› Es ist nicht der Sport des Kalküls.» Diese Haltung müsse Smith verinnerlichen, jeden Tag. «Ich will ihr permanent die Lust des Gewinnens vermitteln, das ist meine Rolle.»
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