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«Es liegt an mir, ob ich gewinne»

Tennis Stan Wawrinka wurde an den Australian Open von Guillermo Garcia-Lopez abgebremst, aber nicht gestoppt. Die Titelverteidigung ist immer noch möglich.

Südostschweiz
27.01.15 - 01:00 Uhr
Zeitung

si. «Ich bin immer noch da.» Stan Wawrinka sagte das nach dem Sieg über den unbequemen Guillermo Garcia-Lopez (ATP 37) nicht ohne Stolz. Einerseits stellt es gewiss keine Überraschung dar, dass Stan Wawrinka in Melbourne zum dritten Mal in vier Jahren die Viertelfinals erreicht hat. Nach der Auslosung war das sogar erwartet worden. Andererseits hat der bald 30-jährige Waadtländer in den zwölf Monaten seit dem grossen Coup an den Australian Open oftmals als Favorit verloren. Andrej Golubew, Dominic Thiem, Tommy Haas, Julien Benneteau, Tatsumo Ito, Gilles Simon, dreimal Kevin Anderson, Michail Kukuschkin und Guillermo Garcia-Lopez fügten ihm seit Februar 2014 schmerzhafte Niederlagen zu.

Kompliziertes Match

In seinem ersten Major-Turnier als Titelverteidiger räumte Wawrinka nun die Widersacher Marsel Ilhan, Marius Copil, Jarkko Nieminen und Garcia-Lopez alle aus dem Weg. «Es ist grossartig für mich, wieder in den Viertelfinals zu stehen.»

Sein achtes Einzel in dieser Saison verlief indessen komplizierter als die ersten sieben, in denen er keinen Satz abgegeben hatte. Wawrinka siegte gegen Garcia-Lopez in drei Stunden und zwei Minuten 7:6 (7:2), 6:4, 4:6, 7:6 (10:8). 110 Minuten lang sah alles danach aus, als ob «Stan the Man» wieder in drei Sätzen durchmarschieren würde. Am Ende musste Wawrinka jedoch froh sein, um einen fünften Satz herumgekommen zu sein.

61 «unforced errors»

«Gegen gute Gegner geht es manchmal wahnsinnig schnell», stellte Wawrinka fest. Bis zum 7:6, 6:4, 4:2, 30:15 lief für den Vorjahressieger alles nach Plan, dann «unterliefen mir vielleicht zwei dumme Fehler, der Gegner wurde etwas besser, und schon drohte mir das Spiel zu entgleiten». Ein denkwürdiges Tiebreak bewahrte Wawrinka vor noch mehr Ärger. Nach 0:5- und 2:6-Rückständen und fünf abgewehrten Satzbällen verwertete Wawrinka zum 10:8 seinen zweiten Matchball. Wawrinka: «Ich erinnere mich, dass ich in Schanghai einmal gegen Lukasz Kubot ein Tiebreak nach einem 2:6-Rückstand noch gewonnen habe. Aber dass es mir schon einmal gelungen wäre, nach einem 0:5-Rückstand ein Tiebreak noch zu gewinnen, denke ich nicht.»

Drei der fünf Satzbälle besass Garcia-Lopez sogar bei eigenem Aufschlag. Wawrinka: «Mir war klar, dass er vielleicht nervös werden würde, wenn ich von 2:6 auf 5:6 verkürzen könnte. Ich nahm Punkt um Punkt und konzentrierte mich besonders gut. Mir gelangen in dieser Phase wieder starke Schläge und wichtige Passierbälle.»

Das war während des Achtelfinals gegen Garcia-Lopez wahrlich nicht immer der Fall. Die Hälfte aller Ballwechsel (276) endeten entweder mit einem direkten Aufschlagpunkt von einem der beiden Spieler (76) oder einem unerzwungenen Fehler von Stan Wawrinka (61). Vor einem Jahr beim Titelgewinn hatte der Romand nie derart fehlerhaft gespielt. Diese statistische Finesse bereitete Wawrinka indessen kein Kopfweh. «Es lag an mir, das Spiel zu machen. Im Viertelfinal gegen Nishikori wird das nicht anders sein. Wenn ich gut aufschlage und Nishikori im Grundlinienspiel mit harten Schlägen unter Druck setze, wird es schwierig für ihn, selber aggressiv zu spielen. Andererseits muss ich damit leben, dass mir mit dieser Spielweise Fehler unterlaufen. Es liegt aber an mir, ob ich gewinne oder verliere.»

Djokovic gibt sich keine Blösse

Novak Djokovic erreicht derweil ohne Satzverlust das Viertelfinale. Der Weltranglisten-Erste besiegt den Luxemburger Gilles Muller souverän mit 6:4, 7:5, 7:5. Im Kampf um den Einzug in die Vorschlussrunde trifft der von Boris Becker trainierte Serbe auf den an Nummer acht gesetzten Milos Raonic.

Australian Open

Grand-Slam-Turnier (40 Mio. australische Dollar/Hart). Männer-Einzel. Achtelfinals: Stan Wawrinka (Sz/4) s. Guillermo Garcia-Lopez (Sp) 7:6 (7:2), 6:4, 4:6, 7:6 (10:8). Novak Djokovic (Ser/1) s. Gilles Müller (Lux) 6:4, 7:5, 7:5. Kei Nishikori (Jap/5) s. David Ferrer (Sp/9) 6:3, 6:3, 6:3. Milos Raonic (Ka/8) s. Feliciano Lopez (Sp/12) 6:4, 4:6, 6:3, 6:7 (7:9), 6:3. – Viertelfinal-Tableau: Djokovic (1) – Raonic (8), Wawrinka (4) – Nishikori (5); Berdych (7) – Nadal (3), Murray (6) – Kyrgios.

Frauen-Einzel. Achtelfinals: Serena Williams (USA/1) s. Garbiñe Muguruza (Sp/24) 2:6, 6:3, 6:2. Venus Williams (USA/18) s. Agnieszka Radwanska (Pol/6) 6:3, 2:6, 6:1. Dominika Cibulkova (Slk/11) s. Viktoria Asarenka (WRuss) 6:2, 3:6, 6:3. Madison Keys (USA) s. Madison Brengle (USA) 6:2, 6:4. – Viertelfinal-Tab­leau: S. Williams (1) – Cibulkova (11), Keys – V. Williams (18); Makarowa (10) – Halep (3), Bouchard (7) – Scharapowa (2).

Männer-Doppel. 3. Runde: Dominic Inglot/Florin Mergea (Gb/Rum/14) s. Bob Bryan/Mike Bryan (USA/1) 7:6 (7:4), 6:3.

Frauen-Doppel, 3. Runde: Chan Yung-Jan/Zheng Jie (Taiwan/China/14) s. Martina Hingis/Flavia Pennetta (Sz/It/4) 6:3, 6:3.

Mixed, 2. Runde: Martina Hingis/Leander Paes (Sz/Ind/7) s. Anabel Medina Garrigues/Pablo Andujar (Sp) 6:3, 6:1.

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