Es kehrt wieder Leben ein ins schaurig-schöne «Bellaluna»
Der Dornröschenschlaf ist zu Ende: Anderthalb Jahre lang war es still im sagenumwobenen Filisurer Gasthaus «Bellaluna»; jetzt hat eine der ungewöhnlichsten Liegenschaften Graubündens neue Besitzer gefunden. Im Juni gehts los.
Der Dornröschenschlaf ist zu Ende: Anderthalb Jahre lang war es still im sagenumwobenen Filisurer Gasthaus «Bellaluna»; jetzt hat eine der ungewöhnlichsten Liegenschaften Graubündens neue Besitzer gefunden. Im Juni gehts los.
Von Jano Felice Pajarola
Filisur. – Was kommt einem nicht alles in den Sinn, wenn man an den Ort Bellaluna im Talboden zwischen Filisur und Bergün denkt: Der angebliche Hexentanzplatz. Die mittelalterliche Eisenschmelze. Das 300-jährige Knappen- und Direktoriumshaus. Die Wirtin Paula Roth, die dort 1965 ihr Restaurant einrichtete. Die Weltuntergangssekte, die sich zeitweilig bei ihr einquartierte. Roths Ermordung bei einem Raubüberfall anno 1988. Der Verfall des Hauses, die Sanierung und Neuerweckung durch die Brüder André und Bruno Brazerol im Jahr 2003. Zeiten der Blüte als Gast- und Kulturhaus. Goa-Partys, Open Air. Und zuletzt, im November 2010, das – vorläufige – Ende. Ob Hexen oder Goa-Fans, beide hatten sie ausgetanzt im und ums «Bellaluna», das Restaurant mit Massenlager wurde geschlossen, der Aufwand war zu gross. Die Brazerol-Brüder wollten ihr «Lebenswerk», wie sie es nennen, verkaufen.
Und es wäre nicht das «Bellaluna», hätte sich dabei nicht nochmals eine skurrile Begebenheit ereignet. Betrügern, die in Graubünden ihr Unwesen trieben, wären die Brazerols fast aufgesessen, wie andere Wirte im Kanton damals auch. «Die vermeintlich seriösen Kaufinteressenten waren Hochstapler», so Bruno Brazerol.
Hamburg, Weltreise, Albulatal
Ein Jahr lang ging die Suche erfolglos weiter, niemand wollte das «Bellaluna» kaufen. Für 1,6 Millionen Franken wurde es zuletzt im Internet angeboten, nicht als Gasthaus, sondern als «repräsentatives historisches Wohnerlebnis», «etwas abseits» gelegen und mit «100 Prozent Privatsphäre». Auch das half nichts.
«Dann aber, im März, durften wir plötzlich mit drei Kaufinteressenten das Haus besichtigen», erzählt Brazerol. Mit dabei: Patrick Burger und seine Lebensgefährtin Anna Malecki, zurück von einer Weltreise und nach dem Verkauf eines Cafés in Hamburg auf der Suche nach einem neuen Wirkungs- und Lebensort.
«Gleich in den Bann gezogen»
«Schon bei der ersten Besichtigung hat das geschichtsträchtige Haus sie in den Bann gezogen», erinnert sich Brazerol. Es kam noch am selben Tag zum Handschlag, und seit einer Woche ist die Liegenschaft im Grundbuch überschrieben an die neuen Besitzer. Über den Preis wird geschwiegen, er liegt aber laut den Käufern deutlich unter dem Preis im Internet.
«Wir sind Naturfreunde und haben auch schon in Kanada gelebt», erklärt Malecki, «ausserdem haben wir beide Erfahrung in der Gastronomie», Partner Patrick Burger beispielsweise ist Koch. «Das ‘Bellaluna’ ist der ideale Ort für uns», findet Malecki. Als Geschäftsführer wird Henk Cortjens dabei sein, zuletzt in leitender Position im Gastronomiebereich des Flughafens Zürich tätig.
Am 15. Juni wird das «Bellaluna» wieder zum Leben erweckt. Im ersten Sommer ist es täglich offen; im «Paula-Stübli» wird abends «Alpenküche» serviert, freitags und samstags ist auch die legendäre Bar in Betrieb. Es soll weiterhin kulturelle Events geben, ein Paula-Roth-Kleinmuseum und eventuell ab 2013 auch wieder ein Open Air. Eines aber wird es nicht mehr geben: das Massenlager. Die werdende Mutter Malecki und Burger richten in diesen Räumen ihre Wohnung ein.
Weitere Informationen: www.bellaluna.ch
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