×

«Es ist Faszination pur, dieses Auto am Limit zu bewegen»

Marco Sacchet lebt seinen Traum vom Autorennsport in der Schweizer Porsche-Meisterschaft aus. In der Saison 2014 brillierte er mit Gesamtrang 2. «Im Vordergrund steht aber der Spass», sagt der 43-Jährige aus Trimmis.

Südostschweiz
07.01.15 - 01:00 Uhr
Zeitung

Von Johannes Kaufmann

Automobil. – Marco Sacchet ist im gepflegten Anzug zum vereinbarten Gesprächstermin erschienen. Es fällt deshalb nicht einfach, sich den ausgebildeten Juristen im Rennauto vorzustellen. Nur zu gerne reist der Trimmiser indes am Wochenende an eine Rennstrecke ins benachbarten Ausland, stülpt sich Helm und Overall über und verwandelt sich in einen Rennfahrer. Seine Einsätze absolviert er im Porsche Super Sports Cup Suisse, oder einfacher ausgedrückt: den Schweizer Porsche-Meisterschaften. Da Rundstreckenrennen in der Schweiz seit Jahrzehnten verpönt sind, wird auf französischen und italienischen Pisten gewetteifert. «Diese Faszination für den Rennsport war seit Kindesbeinen einfach da», sinniert der 43-Jährige mit einem Strahlen im Gesicht. Natürlich verfolgte er einst gebannt die Formel 1 via TV. Ein Traum war die «Königklasse» des Motorsport jedoch nicht. Sacchet fuhr nie Kart, absolvierte jedoch später eine Rennfahrerausbildung in einem Formel-Auto, notabene zusammen mit Marcel Fässler. Sacchet stellte aber fest, «dass die Formel-Autos nicht meine Welt sind.»

Von Burg als Ziehvater

Der berufliche Werdegang und die Familie genossen uneingeschränkt Priorität. Geweckt wurde das Interesse für den Autorennsport erst vor zwei Jahren neu. Sacchet fuhr im Rahmen der Schweizer Porschemeisterschaften bei den Serienautos mit. «Da fiel ich Jean-Paul von Burg auf. Er – und auch mein Vater – ermunterten mich zu einem Versuch in der Rennklasse», erinnert er sich. Von Burg ist nicht irgendwer in der Szene. Der routinierte Westschweizer dominiert die «Königsklasse» im Porsche-Cup als Seriensieger. Und sein Kennerauge für Talente täuschte ihn nicht. Sacchet testete einen Rennboliden und stellte fest: «Der Unterschied zu einem Serienfahrzeug ist riesig. Es ist gleichermassen faszinierend wie schwierig, ohne elektronische Hilfsmittel diese Autos am Limit zu bewegen.»

Exakt dies ist die Herausforderung des Rennsports. Sacchet nahm sie gerne an und trat 2013 erstmals in der Rennkategorie an. Er tat dies auf Anhieb erfolgreich und beendete die Schweizer Meisterschaft auf Gesamtrang 4. In der abgelaufenen Saison war Sacchet der Beste von allen hinter dem nach wie vor unantastbaren von Burg. Mit neun Podestplätzen in zwölf Wertungsläufen fuhr Sacchet Gesamtrang 2 ein. Im freiburgischen ANT-Team ist er Teamkollege von Jean-Paul von Burg («er erteilt mir über alles Auskunft») und kann sich voll aufs Fahren konzentrieren.

Das macht selbstverständlich Lust auf mehr. Im Kalender 2015 ist das Datum der ersten Testfahrten im März dick unterstrichen. «Es kribbelt schon wieder», gesteht der Familienvater, der festhält, dass er sein zeitintensives Hobby ohne das vollste Verständnis seiner Frau niemals ausüben könnte. Ein wichtiger Faktor ist auch Vater Walter Sacchet. Der fährt bei den Serienautos mit und dient seinem Sohn als erfahrener Ratgeber an der Rennstrecke.

Ausgeklügeltes Fitnessprogramm

Marco Sacchet wird in der Zwischensaison nicht auf der faulen Haut liegen. Der Fitnessfanatiker absolviert vier, fünf Trainingseinheiten pro Woche, per Rad, mit Laufschuhen oder im Fitnessraum. Besonders die drei langen Prüfungen pro Saison mit einer Dauer von eineinviertel Stunden haben es in sich. Sacchet spricht von Temperaturen von rund 50 Grad im Cockpit im letzten Jahr während des Laufes auf seiner Lieblingsstrecke in Le Castellet. Bis zu fünf Kilogramm Körpergewicht verliere er pro Rennwochenende. Nichtsdestotrotz geniesst er jene Prüfungen über die lange Strecke besonders. Er sagt: «Das ist Rennfahren pur mit Einteilen der Kräfte, des Reifenverschleisses und natürlich kann ich da meine Fitness ausspielen.» Er liebäugelt in der neuen Saison mit einem Sieg, auch wenn er den Abstand zu von Burg nach wie vor als beträchtlich einstuft. Sacchet spricht gerne über seine Passion, nicht aber über den finanziellen Aspekt. Privatsache. Und wie lange fährt er noch weiter? Er sagt: «Das weiss ich nicht. Der Zeitaufwand ist jedoch nicht zu unterschätzen.»

Kommentieren
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Könnte euch auch interessieren
Mehr zu Zeitung MEHR