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«Es ist das Schönste, Rennen im eigenen Land miterleben zu dürfen»

Nach der Abfahrt am Sonntag in Santa Caterina geniesse ich nun ein paar ruhigere Tage, bevor es im alpinen Ski-Weltcup mit den Klassikern weitergeht. Der Januar ist zusammen mit Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen für jeden alpinen Skirennfahrer zweifellos der Höhepunkt des Wettkampf-Winters.

Südostschweiz
31.12.14 - 01:00 Uhr
Zeitung

Von Sandro Viletta*

In Adelboden, Wengen und Kitzbühel finden jeweils die ersten Saisonrennen vor vielen Zuschauern statt. Da hat man das Gefühl, Skifahren sei das Wichtigste. Für uns Schweizer Athleten ist es das Schönste, dies im eigenen Land miterleben zu dürfen. Dafür arbeitet man.

Weil ich derzeit weder Slalom noch Riesenslalom fahre, bin ich in Adelboden nicht dabei. In dieser Zeit trainiere ich. Weiter geht es für mich dann in Wengen. Dieser Ort und der Ski-Weltcup, das ist schon eine aussergewöhn- liche Geschichte. Es ist ja nicht so, dass man am Lauberhorn wie in einem Eishockey- oder Fussballstadion einfach reinmarschieren kann. Die Anreise nach Wengen ist beschwerlich. Und trotzdem sind es Tausende, ja Zehntausende, die es sich nicht nehmen lassen, die Rennen vor Ort mitzuverfolgen. Das ist unglaublich. Auch Kitzbühel zieht die Schaulustigen in Scharen an, auch dort wird gefeiert, ist das ganze Drumherum gewaltig. Dass der Rummel sogar noch grösser ist als in der Schweiz, würde ich allerdings nicht un- bedingt behaupten. Es ist anders. In Kitzbühel geht es um VIP’s und Rennen, am Lauberhornrennen in erster Linie um den Sport. Nach Wengen kommen die echten Ski-Fans.

In Wengen und Kitzbühel steht auch jene Disziplin auf dem Programm, in der ich im Februar im russischen Sotschi Olympia- sieger geworden bin: die Superkombination. Natürlich ist es mein Ziel, im Berner Oberland und in Österreich vorne mitzufahren. Meine Chancen stufe ich als gut ein, obwohl es nie einfach ist, Prognosen zu stellen, weil es in dieser Disziplin stets schwierig ist, sich richtig einzuschätzen. Aber es gibt ja auch noch die Abfahrt. Mit meinen bisherigen Leistungen in der Königsdisziplin bin ich zufrieden. Nun gilt es, dort weiterzufahren, wo ich zuletzt in Santa Caterina mit dem zwölften Rang aufgehört habe.

Ich hoffe, dass es irgendwann für eine Top-10-Klassierung in der Abfahrt reicht und dass mir im Super-G eine Steigerung gelingt. Da ist noch mehr möglich. Alles in allem darf ich jedoch sagen, dass der Weg stimmt. Und nun freue ich mich auf die Klassiker im Weltcup, auf die grossen Ski- feste im Januar.

* Sandro Viletta, geboren am 23. Januar 1986, im Engadin in La Punt aufgewachsen, ist Skirennfahrer und hat im Februar mit dem Gewinn der Olympia-Goldmedaille in der Superkombination seinen bisher grössten Erfolg feiern können. In La Punt wurde deshalb mit der «Via Sandro Viletta» sogar eine Strasse nach dem Olympiasieger benannt. Im Weltcup hat Viletta bisher ein Rennen gewonnen, den Super-G am 3. Dezember 2011 in Beaver Creek.

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