Erpressbar geworden
Eine Meldung aus der Schweiz um die Jahreswende ging fast unter. Der Internationale Sportgerichtshof in Lausanne (CAS) bestätigte das Transferverbot für den FC Barcelona.
Eine Meldung aus der Schweiz um die Jahreswende ging fast unter. Der Internationale Sportgerichtshof in Lausanne (CAS) bestätigte das Transferverbot für den FC Barcelona.
Von Waldemar Hartmann*
Die Fifa hatte diese Sperre bis Januar 2016 ausgesprochen, weil der katalanische Renommierklub Regeln des Weltfussballverbandes missachtete, die Verträge mit minderjährigen Spielern verbieten. Der FC Barcelona hatte dagegen in den untersuchten Jahren zwischen 2009 und 2013 in zehn Fällen bei Jugendlichen unter 16 Jahren verstossen.
In der katalanischen Hauptstadt herrscht natürlich Empörung. Man fühlt sich im Kampf gegen die Klubs aus der Hauptstadt und beim Wettbewerb in der Champions League am grünen Tisch übervorteilt. Denn man darf bis Anfang 2016 keine Spieler mehr verpflichten, sondern lediglich Verträge mit Akteuren verlängern oder ausgeliehene Spieler zurückholen. Der Vertrag von Aussenverteidiger Dani Alves läuft zum Beispiel aus. Der stellte schon mal kühl nach sechs Jahren und über 200 Einsätzen für den FCB fest: «Das ist nicht mein Problem, das ist Barcas Problem.» Barca ist erpressbar geworden. Bei der Konkurrenz in Madrid und in Fussball-Europa lacht man sich ins Fäustchen.
Einen Kunden weniger müssen internationale Spielerberater verkraften. Die Berufssparte, die nach Unterlagen der Deutschen Fussball-Liga (DFL) alleine in der Bundesliga letzte Saison über 100 Millionen Euro an Provisionen kassiert hat, verliert mit Barcelona einen zahlungskräftigen Klienten. Der Hang zu Fantasiesummen ging bei Ex-Präsident Sandro Rosell sogar so weit, dass er durch den Transfer von Brasiliens Wunderstürmer Neymar in die Mühlen der Justiz geriet und wegen Verdachts der Unterschlagung Anklage gegen ihn erhoben wurde. Der Verein wird bis zur nächsten Wahl von Rosells Stellvertreter und Vertrautem Josep Bartomeu geführt. Inzwischen soll sich Rosells Vorgänger Joan Laporta schon für diese Wahl in Position bringen. Er will Pep Guardiola als Sportdirektor nach Barcelona zurückholen. Jenen Guardiola, der während der untersuchten Jahre von 2009 bis 2012 Trainer des FC Barcelona war. Es ist schwer vorstellbar, dass der Trainer, der Superstars wie Ibrahimovic, Deco und Eto kalt rasieren durfte, von den Verpflichtungen der Minderjährigen nichts wusste. Vielleicht kannte er ja die Gesetze der Fifa nicht, was ihn wiederum zu einem ganz normalen Menschen machen würde.
* Waldemar Hartmann ist Autor und Journalist. Er lebt in Chur.
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