Elmer Mineral für Arabische Emirate
100 Millionen Liter Wasser strömen jährlich aus dem Berg in die Leitungen der Mineralquellen in Elm – und werden schliesslich in verschiedenen Formen in der ganzen Welt getrunken.
100 Millionen Liter Wasser strömen jährlich aus dem Berg in die Leitungen der Mineralquellen in Elm – und werden schliesslich in verschiedenen Formen in der ganzen Welt getrunken.
Von Gabi Heussi
Elm. – Einem riesigen Tatzelwurm gleich schlängeln sich die Flaschen über das Förderband. Vom Waschen über das Abfüllen bis zum Einsetzen in die Kunststoffkisten – die Flaschen rotieren immer weiter. Und Tropfen für Tropfen werden schliesslich alle mit Elmer Wasser gefüllt.
Seit 1893 – zwölf Jahre nach dem Bergsturz – wird dieses Quellwasser gefasst und vermarktet, damals als Elmerwasser. «Eine Firma aus Ennenda sendet regelmässig durch einen Fuhrmann Korbflaschen nach Elm, um diese bei den Quellen im Unterbach füllen zu lassen», schreibt Elmer Citro in seiner Firmengeschichte. Ein paar Jahre später beginnt der Besitzer des Kurhauses, Oskar Schärli, das Wasser als Elmer Sprudel abzufüllen, und 1927 kreiert er das bis heute bekannte Zitronengetränk Elmer Citro.
«Das Rezept ist bis heute gleich geblieben», verrät Max Schmid, Betriebsleiter der Elmer Mineralquellen. Er fährt jeden Morgen vom Zürcher Oberland ins Kleintal. Der lange Arbeitsweg macht ihm nichts aus: «Ich komme gern nach Elm zum Arbeiten.» Damit das Elmer Citro so richtig nach Zitronen schmeckt – und für Schmid einfach das beste Zitronengetränk ist –, mischen die Fachleute in Elm neben Zucker und Zitronensäure auch eine Essenz aus frischen Zitronen bei. «Die Zitronen stammen aus Süditalien, und die Essenz ist ein ziemlich kostbares Gut», so Schmid.
Degustation am frühen Morgen
Es ist 8.45 Uhr. Max Schmid und drei seiner Mitarbeiter treffen sich im Sitzungszimmer. Auf dem grossen Tisch stehen Becher und Flaschen. Je zwei Sinalco, Sinalco Cola und Citro von Farmer. Einer der Männer dreht die erste Flasche in seinen Händen, liest Namen, Nummern, Datum und Uhrzeit vor. Sein Gegenüber notiert alles. «Die Etikette ist etwas verrutscht», stellt er fest. Auch das wird notiert. Nun öffnet er die Flasche und schenkt jedem einen kleinen Schluck ein. Fast so, als wäre es Wein, riechen alle zuerst daran. Dann wird schlückchenweise probiert. Alle nicken einträchtig, und damit hat diese Serie den Test bestanden. «Sollte ein Getränk nicht einwandfrei sein, nehmen wir die Serie genauer unter die Lupe», sagt Schmid. Wenn alle der Überzeugung sind, der Geschmack stimme nicht ganz, kontrollieren sie weitere Flaschen. «Im schlimmsten Fall schütten wir die Serie weg.»
So testen sie jede Serie, die am Vortag abgefüllt wurde. Zusätzlich ist das hauseigene Labor ständig am Testen und garantiert so, dass alles einwandfrei ist, was das Haus in Elm verlässt.
Quellwasser auch für das Dorf Elm
Die Quelle, aus der das frische Mineralwasser strömt, ist vom Firmengelände aus zu sehen. Das Quellgebiet liegt nur gerade 200 Meter höher als das Areal. «Insgesamt sind es sogar drei Quellen», erklärt Schmid. Aus der Kapuzinerquelle und jener im Gstögg fliesst Mineralwasser, aus der dritten Quelle das Elmer Trinkwasser.
Für Elmer Citro wird ausschliesslich das Mineralwasser aus der Kapuziner- und der Gstöggquelle verwendet, denn es enthält viele Mineralstoffe. «Das kommt daher, dass es während langer Zeit durch viele Gesteinsschichten fliesst», erklärt Schmid. Es wird angenommen, dass das Mineralwasser acht bis zehn Jahre im Fels ist.
Auch starke Regenfälle haben direkte Auswirkungen auf das Quellwasser. So sei jeweils nach rund drei Wochen mehr Druck feststellbar.
Schonende Behandlung fürs Elmer
Die 90 bis 100 Millionen Liter, die jährlich gefasst werden, sprudeln mit einer Temperatur von sieben Grad aus dem Fels und fliessen vom Reservoir, das 530 000 Liter fasst, durch einen Keramikfilter zur Abfüllanlage. Dieser Filter dient lediglich dazu, allfällige Schwebestoffe herauszufiltern. Die Mineralien bleiben somit im Wasser.
«Bei uns werden die Zutaten für das Elmer Citro und die anderen Süss- getränke, die wir herstellen, erst di- rekt vor dem Abfüllen zusammengemischt», erklärt Schmid. Die Korbflasche von einst ist längst verschwunden. An ihre Stelle sind Glas- und PET-Flaschen sowie Tanks und Bag-in-Box-Packung für den Offenausschank getreten. Und wie bei allen anderen stillen Mineralwassern in PET-Flaschen wird auch in Elm jeder dieser Flaschen vor dem Aufsetzen des Deckels ein kleiner Tropfen Stickstoff beigegeben. «Damit es keinen Sauerstoff in der Flasche hat und absolut sauber bleibt.»
Während die Herren im Sitzungszimmer weiter degustieren, rotieren die Flaschen im Erdgeschoss weiter über die Förderbänder und reisen dann mit dem erfrischenden Mineralwasser aus Elm in die Schweiz hinaus. «Und demnächst wird es auch in den Arabischen Emiraten Wasser aus Elm zu trinken geben», verrät Schmid. Zwar nicht unter dem Label Elmer Mineral, aber klar als Wasser aus den Schweizer Bergen deklariert.
Acht Glarner Betriebe hatten diesen Sommer ihre Tore für die «Industriespionage» geöffnet. Das Angebot von Glarnerland Tourismus und der Glarner Industrie wurde wegen der grossen Nachfrage im Sommer 2013 dieses Jahr weitergeführt. So wurden bis Mitte August insgesamt 27 Besichtigungen angeboten, darunter auch jene der Elmer Mineralquellen AG. (so)
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