Einheimische müssen Asylbewerbern weichen
Muotathal Zwei Schweizer Geschwister müssen die Wohnung verlassen. Der Platz soll für Asylbewerber genutzt werden.
Muotathal Zwei Schweizer Geschwister müssen die Wohnung verlassen. Der Platz soll für Asylbewerber genutzt werden.
«Wir müssen auf unsere Ausgaben schauen.»
Franz Föhn,
Gemeindepräsident
Andreas Seeholzer
«Es fällt uns sehr schwer, dieses Haus zu verlassen», sagt Susanne Kälin. Sie wohnt zusammen mit ihrem Bruder an der Hauptstrasse 60 in Muotathal und hat vor Weihnachten die Kündigung erhalten. Das Haus gehört der Gemeinde, und diese will die Wohnung darin für Asylbewerber nutzen. «Unsere Familie wohnt seit 63 Jahren in der Wohnung», sagt Susanne Kälin, «wir sind hier, seit das Haus gebaut wurde.» Vor rund zwei Jahren ist die Mutter verstorben, nun lebt sie zusammen mit ihrem Bruder Daniel Kälin hier. Das Haus bezogen hat der inzwischen verstorbene Vater, damals konnte er die Wohnung von der Auto AG mieten, Kälin war Chauffeur. «Wir sind enttäuscht», sagt Daniel Kälin, «dass Bund und Kanton keine andere Lösungen finden. Dass Schweizer ihr Heim für Asylbewerber hergeben müssen, ist einfach nicht recht.»
Am Dienstag ist es in Schwyz vor der Schlichtungsbehörde zu einer Verhandlung in der Sache gekommen. Es wurde entschieden, dass die Kälins nicht wie geplant im März, sondern erst im kommenden Januar die Wohnung zu verlassen haben.
Gemeinde unter Druck
Für den Muotathaler Gemeindepräsidenten Franz Föhn ist die Kündigung alles andere als angenehm. Laut Föhn wurde den beiden bereits vor zwei Jahren mitgeteilt, dass die Wohnung künftig für gemeindeeigene Interessen genutzt werden soll – zur Unterbringung von Asylbewerbern.
Die Situation habe sich inzwischen bekanntlich deutlich zugespitzt, «die Kommission ist gegen Ende Jahr mit dem dringlichen Anliegen für Wohnraum an den Gemeinderat getreten», sagt Föhn. Die Gemeinde muss ein Kontingent von insgesamt 26 Asylbewerbern aufnehmen und findet nicht für alle Wohnraum. Zwar sind in Muotathal Wohnungen frei, diese kosten allerdings deutlich mehr als die gemeindeeigene Altbauwohnung.
Sicher sei es nicht schön, wenn man solche Massnahmen umsetzen müsse, sagt Föhn, «wir müssen aber auch auf unsere Ausgaben schauen.» Föhn gibt zu bedenken, dass es früher oder später so oder so zu einer Kündigung gekommen wäre, denn für die Parzelle wird heute bereits laut darüber nachgedacht, wie diese sinnvoll überbaut werden kann. Ob eine Gemeindeverwaltung mit Wohnungen oder nur Wohnraum entsteht, ist noch nicht klar.
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Bereits Abonnent? Dann schnell einloggen.