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«Einer von uns beiden wird gewinnen, aber du bist es nicht»

Richard Umberg, in den Siebziger- und Achtzigerjahren erfolgreicher Marathonläufer, später ebenso erfolgreicher Trainer, sprach in der Lintharena in Näfels zum Thema «Mentaltraining im Breitensport».

Südostschweiz
Mittwoch, 22. Oktober 2014, 02:00 Uhr

Von Ruedi Gubser

Allgemeines. – Richard Umberg, aufgewachsen in Nidfurn, seit der Rekrutenschule in der Region Bern und Freiburg sesshaft, ist ein Marathon-Man durch und durch. Nicht nur, dass er fünfmal Schweizer Meister im Marathon war – immer in ungeraden Jahren 1977, 1979, 1981, 1985 sowie 1987 – und 31 Marathonläufe unter 2:20 Stunden absolvierte, auch die Liste der Sportler, die er coachte, ist marathonlang.

So hat er von 1989 bis 2001 Franziska Rochat-Moser, die Siegerin des New-York-City-Marathons 1997 und Schweizer Rekordhalterin (Rochat-Moser starb am 7. März 2002 an den Folgen eines Lawinenunglücks), die zehnfache Schweizer Meisterin (3000 m Halle, 5000 m, 10 km Strasse, Halbmarathon, Siegerin Post-Cup 2005, Schweizer Rekordhalterin 3000 m Halle) Vera Notz-Umberg, Caroline Steffen (Dritten Ironman Zürich 2008), Berglauf-Junioren-Weltmeisterin Lea Vetsch, Manuela Pesko (Snowboard-Weltmeisterin 2007, Gewinnerin des Halfpipe-Gesamt-Weltcups 2003, 2006, 2007), die Schiedsrichter und Assistenten der Swiss Football League sowie während der Fussball-EM 2008 die EM-Schiedsrichter betreut und war 1996 und 1997 Konditionstrainer der besten Schweizer Tennisspielerin Martina Hingis. 1997 wurde er zudem zum Leichtathletik-Trainer des Jahres gewählt.

Psychologische Kriegsführung

So: Der erste Auflistungs-Marathon wäre erledigt. Und er zeigt, dass dieser Mann etwas zu erzählen hat – nicht nur zum ausgewählten Referats-Thema «Mentaltraining im Breitensport», aber vor allem zu diesem. Als Athlet habe er keine Ahnung von Mentaltraining gehabt, betonte Umberg, «das meiste Wissen eignete ich mir als Trainer an». Damals habe man höchstens versucht, den Gegner mit Worten zu beeinflussen. Zu Albrecht Moser, vor allem bekannt als Waffenlauf-Seriensieger in den Siebziger- und Achtzigerjahren, aber auch auf der Bahn und im Marathon erfolgreich, habe er auf der Startlinie eines Marathons zugeraunt: «Einer von uns beiden wird gewinnen. Aber du bist es nicht.» Das Resultat dieser psychologischen Kriegsführung: Umberg siegte, und Moser lief in der Region um den 40. Platz ins Ziel.

«Glaube an das, was nicht ist – damit es werde.» Positive Gedanken seien ein äusserst wichtiger Faktor für eine positive Leistung, so Umberg. «Ein Sportler muss optimistisch sein, muss eine positive Körperhaltung zeigen, das Gefühl von Stärke vermitteln. Wer negative Signale aussendet, hat bereits verloren.» Umberg erwähnte verschiedene Punkte, die zu mentaler Stärke führen können.

• Ich bin in der Lage, meine Aktivierung, bzw. Nervosität in der Vorwettkampfphase bis vor dem Start zu kontrollieren.

• Sich mit anderen zu vergleichen, kostet nur Energie und macht schwach.

• Selbstbewusst an den Start gehen, gut trainiert, motiviert und keine Schwächen zeigen.

• Ich glaube an meine Stärken und kann diese im Wettkampf entsprechend einsetzen.

• Druck von aussen, beispielsweise von Trainern, Betreuern, Sponsoren oder aus dem Umfeld erlebe ich in der Vorwettkampfphase als aufbauend.

• Du kannst, wenn du glaubst, du kannst.

• Glaube an dich und verwandle dich mental in eine starke Raubkatze.

• Ich vermag in schwierigen Wettkampfsituationen lösungsorientiert und positiv zu denken.

• Ich betreibe meinen Sport aus innerem, eigenen Antrieb und mit persönlichen Zielsetzungen.

• Ich schaffe es, mein Training so zu gestalten, dass ich im Wettkampf in Bestform bin.

Fast ein Rede-Marathon

In Bestform präsentierte sich der 64-jährige Richard Umberg am vergangenen Montag in der Lintharena sgu in Näfels. Sein Vortrag, Fachwissen und seine Anekdoten kamen beim Publikum an. Hätte Gabriel Kundert, der Präsident des Glarner Dachverbandes für Sport, der zu diesem Anlass eingeladen hatte, bei der Zeit eines Halbmarathons den Referenten nicht an die Zeit gemahnt, hätte Umberg wohl einen Marathon daraus gemacht. Diesen hätten die interessierten Zuhörer mental bestimmt verkraftet, denn sie haben gelernt: Immer positiv denken.

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