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Eine Hausfrau packt aus: Auch Männer sind zu etwas nütze

Zwischen Kochen, Putzen und einem Teilzeitjob macht sich Rosita Ott-Dietrich in ihren Kolumnen mit viel Humor Gedanken über unsere Zeit. Am Mittwoch hat sie im Cinema sil plaz in Ilanz ihr Buch «Frau mit Durchblick» vorgestellt.

Südostschweiz
03.12.10 - 01:00 Uhr

Von Irina Meinschien

Ilanz. – Da soll noch einer sagen, Hausfrauen wären nichts weiter als die Heimchen am Herd, während ihre Männer die Arbeit erledigen. In Wirklichkeit, so schildert es Rosita Ott-Dietrich in ihrer Kolumne «Ich wollt ich wär' ein Huhn, und hätt' nicht viel zu tun», machen doch die Frauen seit alter Zeit die ganze Arbeit: Feld bestellen, Ernte heimtragen, Wasser schleppen – heutzutage äussert sich das eben in Grosseinkäufen mit dem Familienkombi – und nebenbei noch Kinder gebären, Kinder grossziehen und Alte pflegen.Nun könnte man ja meinen, eine Frau, die diese Ansicht vertritt, sei der Überzeugung, beim männlichen Teil der Welt handle es sich, abgesehen von der Zeugungsaufgabe, um eine relativ überflüssige Spezies. Aber trotz aller Emanzipation macht sich Ott-Dietrich da nichts vor: «Auch eine heilige Kuh braucht einen Stier», schreibt sie und zitiert damit den Literaturnobelpreisträger Harold Pinter. Einen Stier, an dessen Brust man sich lehnen kann, nachdem er tagsüber den feindlichen Fuchs verjagt und die Beute erlegt hat. Und für den man gelegentlich im Eva-Kostüm durch die Wohnung wandelt, um auch die erotische Seite einer solchen Mann-Frau-Symbiose nicht zu vernachlässigen.

In diversen Zeitungen veröffentlicht

Ott-Dietrich, die als Hausfrau und Mutter einer Tochter in Felsberg lebt, hat ihre Kolumnen in unregelmässigen Abständen in verschiedenen Zeitungen veröffentlicht: in der «Engadiner Woche», der «Glarner Woche» und vor allem der «Bündner Woche». Nun sind die 52 kurzen Stücke in dem Buch «Frau mit Durchblick» versammelt, das der Südostschweiz Buchverlag in diesem Jahr publiziert hat.Ein Grüppchen von Freunden und Lesern versammelte sich am Mittwoch im Ilanzer Cinema sil plaz, um zu hören, wie die Autorin einige Stücke aus dem Werk vortrug. Die Atmosphäre war locker-ungezwungen: Das Publikum sass am Tresen oder an Tischen, und die Autorin prostete ihren Gästen hin und wieder mit einem fröhlichen «Viva» zu. Dass Ott-Dietrich nicht nur beim Schreiben über eine gute Portion Humor verfügt, sondern auch spontan witzig sein kann, bewies sie gleich zu Beginn ihrer Lesung: Ihre Bücher lägen hier zum Kauf aus, kündigte sie an. Sie habe sich überlegt, die Tür des Kinos erst wieder zu öffnen, wenn jeder Gast eines erworben habe. Man habe ihr dann aber gesagt, das sei illegal.Mit dem Thema Männer und Frauen beschäftigen sich gleich mehrere Kolumnen der Autorin. So trug sie auch ein Stück über ihre Gedanken zur modernen Unart des Speed Dating vor, bei dem sich die Vertreter beider Geschlechter gegenübersitzen und versuchen, in kurzer Zeit möglichst viele Informationen über möglichst viele potenzielle Partner zu bekommen – um dann am Ende doch den auszuwählen, den man optisch am interessantesten findet.Amüsant waren auch die Ausführungen zum anscheinend im Trend liegenden Nacktwandern, das die Autorin als Erotic Walking bezeichnet. Ott-Dietrich stellte sich vor, wie die durch die Berge wandernden Nackten wohl reagieren, wenn sie auf empörte Polizisten stossen und hat schon ein paar Ausreden für sie parat. Etwa die: «Sorry, ich war grade in der Sauna und habe mich auf dem Weg zum Abkühlbecken verirrt.» Oder: «Komme gerade von der Fasnacht und habe mein Adamskostüm noch an.» Oder: «Ich habe UBS-Managern vertraut, aber die nahmen mir mein letztes Hemd.» Letzten Endes, so schliesst Ott-Dietrich ihre Kolumne, sei es doch ratsamer, Erotic Walking im eigenen Schlafzimmer zu betreiben, das sei straffrei und führe oft ebenfalls zu sportlicher Betätigung.

Mehr Bier, weniger Kosmetik

Die Themen, mit denen sich Ott-Dietrich in ihren Texten beschäftigt, sind vielseitig. So rät sie zu mehr Spiritualität im Leben, preist die gesunde Wirkung von Bier und findet, man solle sich von der Werbung nicht zum übermässigen Konsum von Kosmetikprodukten verführen lassen, die ewige Jugend versprechen. Stattdessen empfiehlt sie eine Schnäppchenjagd im Kaufhaus, einen Flirt mit dem knackigen Handwerker und ein Glas Wein in der Badewanne. Bei Bedarf auch gern mit Zigarette. Na dann: Viva!

Rosita Ott-Dietrich: «Frau mit Durchblick», Südostschweiz Buchverlag, 111 Seiten, 24 Franken.

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