Ein Stürmchen im Wasserglas
Reto Gurtner, der «König von Laax», ist ein Mann der klaren Worte. Manchmal schiesst er aus der Hüfte, wie mit seiner Drohung, seine Steuern auf ein Sperrkonto einzubezahlen, sollte der Kanton es wagen, in Laax ein Asylheim einzurichten.
Reto Gurtner, der «König von Laax», ist ein Mann der klaren Worte. Manchmal schiesst er aus der Hüfte, wie mit seiner Drohung, seine Steuern auf ein Sperrkonto einzubezahlen, sollte der Kanton es wagen, in Laax ein Asylheim einzurichten.
Von David Sieber
Oft aber trifft er den Nagel auf den Kopf. In jedem Fall wird er gehört. Seine Bedenken gegenüber einer Bündner Olympiakandidatur zum Beispiel zeitigten Wirkung im Abstimmungskampf .
Wenn also einer wie Gurtner die Einheimischen höflich bittet, doch aufs Skifahren zu verzichten, bis die Talabfahrten in Laax und Flims geöffnet werden können, dann ist ihm die Aufmerksamkeit gewiss. Dass diese gleich bis Deutschland und Österreich reicht, ist weniger Gurtners Brief als vielmehr der Nachrichtenflaute über die Festtage geschuldet. Die Empörungswelle hat denn auch eher mit Langeweile als mit aufrechter Entrüstung zu tun.
Denn was hat Gurtner eigentlich getan? Er hat jene Menschen rund um die Weisse Arena, die mit Einheimischenrabatten gut versorgt sind, um einen Gefallen gebeten. Wer das Privileg hat, für 250 Franken ein Jahresabo lösen zu können, dem ist doch zuzumuten, dass er ein paar wenige Tage auf den Schneesport verzichtet. Freiwillig. Was die meisten Einheimischen ohnehin tun, wenn die Pisten und Beizen über Weihnachten und Neujahr voller Touristen sind.
Kein Grund zur Aufregung also. Eigentlich eher ein Grund zur Freude: Da behandelt ein Touristiker den Gast tatsächlich als König. Und hilft auf seine – zugegeben unorthodoxe – Weise einer darbenden Branche.
dsieber@suedostschweiz.ch
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