Ein Mittagsschläfchen in Ehren kann niemand verwehren
Ruheräume für den Mittagsschlaf sind in Glar- ner Unternehmen selten. Auch in der Kantonsschule gibt es keinen Raum für den Powernap, Turboschlaf oder das Nickerchen über Mittag.
Ruheräume für den Mittagsschlaf sind in Glar- ner Unternehmen selten. Auch in der Kantonsschule gibt es keinen Raum für den Powernap, Turboschlaf oder das Nickerchen über Mittag.
Manuel Feldmann interessierte, was für Erfahrungen Schweizer Unternehmen und Institutionen machen, die einen Ruheraum anbieten, aber auch, wie man den Mittagsschlaf besser in die Glarner Arbeitswelt integrieren könnte. Neben Umfragen bei diversen Unternehmen startete er für seine Matura-Arbeit weiter eine kleine Feldstudie. 38 Freiwillige aus der Glarner Arbeitswelt, Erwachsene sowie Kantonsschüler, probierten und protokollierten die Wirkung des Kurzschlafes über Mittag.
«Ich war früher am Nachmittag immer müde und unkonzentriert», sagt der 18-jährige Maturand. Über Bücher und das Internet sei er darauf gestossen, dass ein kurzer Mittagsschlaf da helfen könne. Dass ein solcher erfrischend wirke, habe er dann schnell gemerkt. Und da er nicht weit von der Kantonsschule entfernt wohne, könne er sich mittags zu Hause aufs Sofa oder Bett legen. Nicht nur, wenn er müde sei, sondern regelmässig, «weils gut tut und um neue Energie zu gewinnen», so Feldmann.
Auf dem Titelbild seiner Arbeit ist ein schlafender Geschäftsmann zu sehen. In Japan etwa sei der Kurzschlaf während der Arbeitszeit allgemein akzeptiert, ja sogar ein Zeichen dafür, dass jemand viel arbeite und diesen benötige.
Aber auch in unserer Kultur sei der Mittagsschlaf früher stärker verbreitet gewesen. Der Arbeitsalltag heute sei indes hektischer als früher und die Mittagspause oft kurz. Eine längere Mittagspause werde als ineffizient beurteilt. «Nicht immer die Mittagspause selbst, sondern vor allem das Schlafen wird als ineffizient und Zeichen von Faulheit angesehen», präzisiert Feldmann. Doch könne sich das auch wieder ändern, hofft er, «da ein Powernap ja sogar die Effizienz fördert».
Als Argument gegen den Mittagsschlaf führten viele Unternehmen auch an, besonders die Arbeitnehmenden würden am Abend lieber früher mit der Arbeit aufhören.
Auch wenn kein Glarner Unternehmen für einen Versuch direkt mit- machen wollte, fand der Maturand 38 Freiwillige, die nach seinen Vorgaben während zwei Wochen den Mittagsschlaf ausprobierten. Für seine Recherchen hatte Feldmann diverse Ruheräume besichtigt, um konkrete Erfahrungen aus der Arbeitswelt abzuholen. Eine Luxusvariante, wie sie in der Uni St. Gallen sogar mit einem Betreuer praktiziert wird, braucht es laut ihm aber nicht. Mit einfachen Mitteln wurde in der Kanti Glarus ein leer stehender Raum umfunktioniert. Das Ergebnis seines Versuches spricht für den Powernap.
35 von insgesamt 38 Teilnehmern waren positiv überrascht darüber, wie der Powernap ihr Wohlbefinden erhöhte. Womit die Glarner Probanden auch gängige wissenschaftliche Studien bestätigen. Dass trotzdem nicht mehr Leute davon Gebrauch machen, erklärt sich Feldmann mit fehlendem Bewusstsein.
Dem Glarner Maturanden liegt es am Herzen, seine Erfahrungen weiterzugeben. Die Schülerorganisation der Kantonsschule Glarus sei bereits überzeugt. Der nächste Schritt sei, die Schulleitung zu gewinnen, einen definitiven und ständigen Ruheraum an der Kanti einzurichten.
Und auch für den Fall, dass es noch keinen Ruheraum am Arbeitsplatz gibt, hat Feldmann für Nachahmer einige Tipps: Der Ort für das Nickerchen sollte ruhig sein. Die Position kann frei gewählt werden. Mit der Jacke als Kissen auf dem Tisch, auf einer Matte am Boden oder im Sommer auf einer Parkbank. Eventuell die Augen verbinden oder Ohrenstöpsel benutzen, rät Feldmann.
«Der Powernap ist kein Ersatz für fehlenden Schlaf, aber ein Mittel zum Regenerieren. So wie er auch bei langen Autofahrten empfohlen wird, damit ein Autofahrer nicht in den gefährlichen Sekundenschlaf fällt.» Einen Wecker zu stellen könne hilfreich sein, da man nach 15 bis 20 Minuten unbedingt aufstehen sollte: «Man darf auf keinen Fall zu lange schlafen.»
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