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Ein echter Beweis für gelebte Toleranz

Wer gegen jene antritt, die Macht und Einfluss repräsentieren, geht in der Regel locker als Regimekritiker durch. Und wer als kleiner Davoser Lokalpolitiker mit der Organisation von WEF-Demos gleich gegen die Mächtigen der Welt antritt, mag von diesen vielleicht belächelt werden.

Südostschweiz
05.01.15 - 01:00 Uhr
Zeitung

Von Pieder Caminada

Ein Hauch von Regimekritiker umweht ihn dennoch.

Dass ein solcher Regimekritiker im WEF-freundlichen Davos nun sogar zum Landratspräsidenten und damit zum höchsten Davoser ernannt wird, ist eine Geschichte, wie sie nur die direkte Demokratie schreiben kann. Fast überall sonst würde diese grüne Stimme mundtot gemacht. Marginalisiert.

Es spricht für die direkte Demokratie von Davos, dass Rolf Marugg am Donnerstag als erster Vertreter der Grünen zum Landtagspräsidenten gewählt wird. Von den Stärkeverhältnissen her wäre dies nicht nötig. Umso mehr beweist die Wahl von Marugg, wie man hierzulande mit Minderheiten umgeht – auch wenn diese Offenheit von Davos noch lange nicht Standard ist. Es ist ein Zeichen von Respekt gegenüber dem Andersdenkenden, gegenüber dem, der auch schon mal aneckt und den Mächtigen den Spiegel vorhält. Allein schon darum ist das Amtsjahr von Marugg als höchster Davoser ein wichtiges Zeichen.

Und nächstes Jahr soll Marugg als normaler Landrat getrost wieder eine WEF-Demo organisieren. Zwar wird auch diese die Mächtigen der Welt weder beeindrucken noch deren Handeln beziehungsweise Nichthandeln beeinflussen. Aber wer die Macht hat, handelt nicht automatisch auch richtig. Und darauf darf man einmal pro Jahr mit gutem Gewissen hinweisen – Regimekritiker hin oder her.

pcaminada@suedostschweiz.ch

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