Ein Denkmal für die Tradition
Nur 190000 Einwohner, aber mehr als Stars apostrophierte Architekten als der Rest des Landes zusammen: Die Bündner Baukultur kann sich sehen lassen. Gute Architektur aus Graubünden hat Tradition.
Nur 190000 Einwohner, aber mehr als Stars apostrophierte Architekten als der Rest des Landes zusammen: Die Bündner Baukultur kann sich sehen lassen. Gute Architektur aus Graubünden hat Tradition.
Eine Tradition, die mit Baumeistern wie Jakob Engel und Gabriel de Gabrieli im Barock begonnen und über Rudolf Gaberel sowie die Vertreter des Bündner Heimatstils bis zu den heutigen Koryphäen Peter Zumthor, Valerio Olgiati und Gion A. Caminada geführt hat. Die Liste lässt sich beliebig verlängern.
Vom Schaffen der Bündner Baukünstler zeugt reichlich Literatur, und auch was der Kanton an Baudenkmälern hergibt, hat nicht nur der legendäre Erwin Poeschel in den Vierzigerjahren bemerkt. Kaum ein Jahr vergeht, ohne dass ein neuer Führer zur Architektur in Graubünden erscheint. Die Büros selber wiederum überbieten sich fast in der Edition von Monografien. Und eine massierte Präsenz in den Fachzeitschriften des In- und Auslandes rundet die Wörterflut zu guten Bauten zwischen Herrschaft und Südbünden ab.
Die Frage ist also erlaubt, ob und warum Graubünden ein eigenes Architekturmagazin braucht. Ein solches geben Markus Mehr und Oliver Schulthess mit «Cubatura» neu heraus – am Mittwochabend wurde die erste Nummer der Öffentlichkeit präsentiert. «Cubatura» versteht sich laut Herausgeber Mehr als «Plattform, auf der sich das Bündner Schaffen präsentieren kann». Dabei denkt Mehr nicht nur an den Applaus der Fachwelt als Lohn. «Mit unserem Magazin wollen wir auch Bauherrschaften anregen, ihre Aufträge im Kanton zu vergeben statt im Unter- und Ausland.»
Dem pekuniären Mit-Hintergedanken zum Trotz ist «Cubatura» nicht zur Werbepostille im Hochglanz-Format verkommen. Zwei Drittel der Artikel im Blatt, so Mehr, würden jeweils unabhängig von allen finanziellen Überlegungen erscheinen. «Aber natürlich muss das Magazin auch irgendwie finanziert werden.» Erhalten werden «Cubatura» unter anderem die Mitglieder des Bündner Hauseigentümerverbands; dazu bekommen auch ausgewählte Kunden von Gebäudeversicherung und Graubündner Kantonalbank ein Exemplar. «Ausserdem werden wir jene Bauherrschaften bedienen, die um eine Baubewilligung nachgesucht haben», erklärt Mehr.
Verfasst werden die Beiträge für «Cubatura» vorwiegend von freischaffenden Autorinnen und Autoren. Die meisten sind in der Architektur- und Kulturszene Graubündens bekannt, wie bei der Premierennummer etwa Köbi Gantenbein, Chefredaktor der Architekturzeitschrift «Hochparterre», und Marco Guetg, langjähriger Kulturredaktor der «Südostschweiz».
«Mit grossen Neuigkeiten können wir bei halbjährlicher Erscheinungsweise natürlich nicht aufwarten», sagt Mehr. Die erste Ausgabe von «Cubatura» wartet dennoch mit einigen Überraschungen auf, zum Beispiel mit einem Porträt der Architektin Marlene Gujan und einem Artikel zum Personalhaus «Canols» in Lenzerheide, dem wohl höchsten Holzhaus überhaupt. Erfreulicherweise räumen die Macher des Magazins der Erhaltung und Restaurierung alter Bausubstanz zudem viel Raum ein.
Braucht Graubünden also ein eigenes Magazin zur Baukultur, braucht es «Cubatura»? Natürlich ginge das Leben auch ohne das Heft weiter. Aber «Cubatura» ist gut gemacht und zeigt das Bauen in Graubünden in verschiedenen Facetten. Drum: Gut so, weitermachen!
www.cubatura.gr
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